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Dahme-Spreewald DDR-Geschichte in Königs Wusterhausen
Lokales Dahme-Spreewald DDR-Geschichte in Königs Wusterhausen
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05:10 17.06.2016
Uwe Wolf (2.v.r.) berichtete am Donnerstag Schülern von der DDR-Geschichte in Königs Wusterhausen. Quelle: Irmscher
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Königs Wusterhausen

Wo früher die Stasi Menschen gefangen hielt, stehen jetzt Schaukästen mit Erz- und Gesteinsproben aus der Region. Im Königs Wusterhausener Dahmelandmuseum erinnert 26 Jahre nach dem Fall der Mauer nichts mehr an den untergegangen SED-Staat, der die Räume jahrzehntelang für sich nutzte. Zum Glück hatten die „Schüler auf Spurensuche“ am Donnerstag einen gut informierten Gastgeber.

500 IM im Altkreis Königs Wusterhausen

„Etwa 500 inoffizielle Mitarbeiter hatte die Stasi allein im Altkreis Königs Wusterhausen und die kamen abends immer hierher, um ihre Berichte zu machen“, erzählte Uwe Wolf seinen 20 Gästen von der Schule des Zweiten Bildungsweges in Königs Wusterhausen. „Die meisten anderen haben um das Gebäude immer einen großen Bogen gemacht, seit die Stasi dort Ende der 40er oder Anfang der 50er Jahre einzog.“ Der 75-Jährige weiß, wovon er spricht. Der pensionierte Lehrer hat sein ganzes Leben in der Nachbarschaft gewohnt und als Mitbegründer des Heimatvereins viel zur DDR-Geschichte von Königs Wusterhausen recherchiert.

Erinnerung wachhalten

Genau der richtige Ansprechpartner also für Madeleine Petschke. Die promovierte Politologin aus Forst will die Erinnerung an die Zeit vor 1989 auch bei der jüngeren Generation wachhalten. Mit ihrem Verein Deutsche Gesellschaft und mit Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Bundeszentrale für politische Bildung organisiert sie regelmäßig Schüler-Exkursionen in ganz Ostdeutschland – immer zu solchen Orten, die etwas über die DDR-Zeit erzählen. „Schüler auf Spurensuche – DDR vor Ort“ heißt das Projekt. „Die Schüler sind in der Regel sehr interessiert an solchen historischen Orten, gerade wenn es einen regionalen Bezug gibt und sie vielleicht jeden Tag an so einem Gebäude vorbeikommen“, sagt die 31-Jährige. „Da ist man dann auch schnell bei der Frage, ob man sie erhalten oder abreißen sollte.“

Diskussion über Palast der Republik

Zeit für geschichtspolitische Diskussionen hatte die Gruppe am Donnerstag in einem Seminar noch vor dem Museumsbesuch. Die Berliner Karl-Marx-Allee (ehedem Stalin-Allee), das frühere Gefängnis in Rummelsburg (inzwischen eine Wohnanlage) und natürlich „Erichs Lampenladen“: An verschiedenen Beispielen arbeiteten die Schüler heraus, wie in der Bundesrepublik mit dem DDR-Erbe umgegangen wird – und wie es vielleicht besser ginge. „Ist doch schwachsinnig, erst für 80 Millionen Euro das Asbest zu entfernen und ihn dann doch abzureißen“, kommentierte eine Schülerin das umstrittene Ende des Palastes der Republik im Jahr 2006. „Den hätte man bestimmt noch nutzen können“, meinte ein anderer. „Zumindest, wenn sich ein privater Investor findet.“

Frage nach Stasi-Gedenkstätte in Königs Wusterhausen

Und so kam auch später die Frage auf, warum das Heimatmuseum in Königs Wusterhausen keine Stasi-Gedenkstätte geworden ist. „Das ist hier ja nicht mit Bautzen oder Hohenschönhausen zu vergleichen“, erklärte dazu Uwe Wolf mit Verweis auf die am meisten gefürchteten Stasi-Gefängnisse in der DDR. Nicht mehr als fünf oder sechs Zellen habe es im Keller des heutigen Museums gegeben. Bis 1989 nutzte die Stasi das Gebäude, anfangs noch als Gefängnis, später als Lager. Der Hinterhof des Gebäudes war damals von einer hohen Mauer eingefasst, niemand konnte sehen, was dahinter passierte. Jetzt stehen dort alte Landmaschinen und der Blick ist frei auf die umliegenden Häuser und ein Stück Rasen.

Gespräch mit Zeitzeugen

Anschaulich wurde das Leben in der Stadt zu DDR-Zeiten trotzdem, dank der ungeschminkten Erzählungen des Zeitzeugen Wolf. Seine Familie wurde selbst von der Stasi überwacht: „Da hörte man dann immer ein Klicken im Hörer.“ Die Spitzel saßen im Obergeschoss des Postamts, am Telefon war Vorsicht geboten. „Nach der Wende hat man den Leuten vielleicht mal eine spitze Bemerkung mitgegeben, aber Blutrache hat es hier zum Glück nicht gegeben.“ Und selbst den Flugabsturz vom August 1972 hat Uwe Wolf unmittelbar miterlebt: „Wir saßen gerade im Garten und hörten schon, dass etwas nicht stimmte.“ 148 Menschen starben damals: „Das war furchtbar und hatte ja auch nichts mit Politik zu tun.“

Bislang hat Madeleine Petschke keine weiteren Stationen in der Region geplant. Für Anregungen ist sie allerdings offen.

Info: madeleine.petschke@deutsche-gesellschaft-ev.de

Von Martin Küper

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