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Das Ende der Kreidezeit in den Klassenzimmern

Digitale Medien in der Schule Das Ende der Kreidezeit in den Klassenzimmern

Viele Schulen ersetzen die klassische Tafel inzwischen durch White- und Smartboards. Doch längst nicht alle Schulen sind bereits mit der neuen Technik ausgestattet oder nutzen sie ganz unterschiedlich. Ein Blick in die Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald zeigt, warum das so ist.

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Ein Lehrer nutzt im Unterricht ein Smartboard.

Quelle: Foto: DPA

Dahmeland-Fläming. Die Kreidetafel ist für Matthias Lehmann ein Dorn im Auge. Speziell, wenn es um die neuen Gerätschaften in den Klassenräumen des Goethe-Schüler-Gymnasiums in Jüterbog geht. Im Haus 1 der Schule, wo die Klassen 10 bis 12 untergebracht sind, stehen nur noch Whiteboards – weiße, mit speziellen Filzstiften beschreibbare Tafeln. „Kreide verträgt sich nicht mit Computertechnik“, sagt der Schuldirektor. Alle Räume der Schule sind inzwischen mit PCs und Beamern ausgestattet, die teilweise durch den Feinstaub der Kreide kaputt gehen.

Hausaufgaben vom USB-Stick direkt auf die Tafel

Seit Jahren verfolgt die Schule einen Medienentwicklungsplan, der in einer Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Teltow-Fläming ständig weiterentwickelt wird. Das Jüterboger Gymnasium hat drei Smartboards, interaktive digitale Tafeln, die mit einem Computer verbunden sind. Ein Beamer projiziert den Bildschirminhalt auf die weiße Fläche. Zwei- bis dreimal pro Woche arbeiten Lehrer und Schüler mit der Technik. „Unsere Schüler können Inhalte zu Hause vorbereiten und bringen dann einen USB-Stick mit oder sie schicken es per E-Mail“, erklärt Lehmann. Mit Hilfe der Smartboards lassen sich etwa Konstruktionen in Geometrie darstellen oder interaktive Karten im Geografieunterricht nutzen. „Wir können aber auch Filme zeigen oder interaktive Quizfragen abbilden“, so Lehmann. „Auch längere Herleitungen wie etwa im Physikunterricht lassen sich gut darstellen.“ Für Lehrer sei es enorm wichtig, regelmäßige Weiterbildungen im Hinblick auf neue Medien zu besuchen, sagt der Schulleiter. „Man ist durch die Entwicklung am Markt getrieben. Es gibt immer Handlungsbedarf bei den Anschaffungen: die Technik wird schnell alt.“ Für ihn wäre es konsequent, wenn die Schüler statt Bücher irgendwann Tablets mit PDF-Dateien mitbringen. Er fragt sich: Halten sich die Printmedien oder werden sie komplett ersetzt? Eine Antwort darauf hat er noch nicht.

Schriftbild sieht am Whiteboard deutlich besser aus

Viele Schulen in der Region bauen digitale Medien in den Unterricht ein, auch Lehrer und Schüler an der Grundschule Friedersdorf. „Wir nutzen unser Computerkabinett ständig und bekommen ein zweites Smartboard in diesem Jahr. Eigentlich brauchen wir noch mehr“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Birgit Grandt. Ein Vorteil bei der Nutzung des Smartboards sei, dass man den Kindern nicht den Rücken zukehren müsse. Zudem sehe das Schriftbild viel schöner aus. Man könne ein komplexes Tafelbild aufbauen und spontan sein. „Wenn ein Schüler eine schwierige Frage hat, googeln wir einfach. Es macht den Unterricht kreativer, man hat viel mehr Möglichkeiten als mit der Kreidetafel.“

Für Bettina Mitius, stellvertretende Schulleiterin am Oberstufenzentrum Teltow-Fläming, ist die Mediennutzung stark im Unterricht verankert. Im letzten Jahr wurde an den Standorten des Oberstufenzentrums viel Geld in Computer und Beamer investiert. Die Technik in den Schulen war teilweise sehr veraltet. „Vor allem im Bereich Gestaltungs- und Medientechnik am beruflichen Gymnasium ist es unerlässlich, für jeden Schüler einen PC bereitzustellen. Mehr Smartboards sind geplant, noch hängen normale Tafeln in fast allen Räumen“, sagt sie.

Einige Schulen halten sich bei Nutzung von Smartboards zurück

Andreas Scheibe, Schulleiter der Oberschule Villa Elisabeth in Eichwalde, hat eine andere Meinung, was die Nutzung moderner Technik in der Schule betrifft. „Wir handhaben das nicht so inflationär und möchten unsere Schüler nicht mit Technik überfrachten. Der tägliche Umgang mit digitalen Medien hat so schon ein hohes Maß erreicht“, sagt Scheibe. Wichtig ist für ihn, dass die Schüler Recherchekompetenzen erlangen, sicher mit dem Internet als Nachschlage-mittel umgehen und wissen, wie man Excel und Word beherrscht. „Ich wehre mich nicht gegen Smartboards, aber in der Praxis werden sie meist nur als Abspielgeräte für Filme genutzt.“ Noch nutzt seine Schule kein Smartboard. Es gebe Anwendungen, die ähnlich funktionieren, etwa der Beamer, der in manchen Fächern eingesetzt wird. An der Eichwalder Oberschule wird ansonsten die klassische Tafel verwendet. Dahingehend sind Lehrer für Andreas Scheibe Vorbilder für Schüler, was die Entwicklung von Schrift angeht. „Viele Schriftbilder von Kindern haben sich schlecht entwickelt. Das wird dann oft als Leserechtschreibschwäche gedeutet, dabei ist es nur fehlendes Üben.“

Neben den Schulleitern hängt der Einsatz und die Beschaffung von neuen Medien auch stark vom Schulträger ab, sagt Gerald Boese, Leiter des Schulamtes in Cottbus. „Der Ausstattungsgrad mit modernen Medien ist in den einzelnen Schulen und Fächern sehr unterschiedlich. Es ist ein laufender Prozess.“ Zwar sei die Situation an vielen Schulen schon verbessert worden, doch bestehe Handlungsbedarf. In der Regel hätten weiterführende Schulen einen höheren Ausstattungsgrad. Die Schulträger seien stark auf Förderungen angewiesen. Für Boese ist es enorm wichtig, dass die Schüler einen kritischen Umgang mit Daten erlernen, vor allem was Missbrauch und Beeinflussung angeht und sie sich in den Netzwerken schützen können.

Medienbildung ist längst im Rahmenlehrplan verankert

Noch stehen in vielen Klassenräumen klassische Tafeln. Doch er prophezeit: Whiteboards werden Schulen erobern. Inwieweit immer wieder die neueste Technik in den Klassenräumen Einzug halten werde, hänge aber stark von der Preisentwicklung der Geräte ab. Er appelliert an die Schulen, moderne Technik für den Unterricht einzusetzen, denn sie biete besseren, interaktiveren Unterricht. Dafür müsse sich aber erst eine bestimmte Kommunikationskultur herausbilden und es sei Aufgabe der Lehrer, sich mit den Methoden zu beschäftigen, die „fast unerschöpflich“ sind.

Inzwischen gehört die Medienbildung zu einer Basisaufgabe, die im neuen Rahmenlehrplan festgesetzt ist, sagt Medienpädagogin Susanne Schmitt. Sie hat ein Projekt zum Cybermobbing entworfen, das hauptsächlich an Schulen in Teltow-Fläming durch die Aktion Kinder- und Jugendschutz umgesetzt wird. Auch sie weiß, dass die Medienausstattung der Schulen unterschiedlich ist. Im neuen Rahmenlehrplan, der bis 2017 durch die Schulen umgesetzt werden muss, ist vorgeschrieben, dass die Schüler in jeder Klassenstufe Kompetenzen mit Hilfe von digitalen Medien erwerben müssen. „Sie sollen beispielsweise ab einem bestimmten Alter selbstständig im Internet recherchieren und Quellen bewerten können. Medienkompetenz nimmt eine immer größere Bedeutung im Lehrplan an.“

Eltern wünschen sich Unterstützung bei Vermittlung von Medienkompetenz

Viele Eltern wünschen sich, dass Schulen ihren Beitrag dazu leisten, dass Kinder den Umgang mit Medien lernen, sagt Ulrike Schwenter, Vorsitzende des Kreiselternrates Teltow-Fläming. „Es kommt immer auf die Lehrer an und ihren Willen, Fortbildungen zu machen. Als Eltern können wir nur Wünsche äußern.“ Sie weiß, dass die Unterschiede an den Schulen hoch sind, was die Vermittlung von Medienkompetenz angeht. Viele Lehrer würden den Einfluss der Medien unterschätzen. „Eltern können das aber nicht allein leisten. Sie brauchen beim Thema Medien Unterstützung der Schulen.“

Von Melanie Höhn

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