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Das verlorene Schloss von Teupitz

Amt Schenkenländchen Das verlorene Schloss von Teupitz

Schon Theodor Fontane wusste das kleine Städtchen Teupitz zu schätzen. Doch der Sehnsuchtsort des Dichters, bis heute ein beliebtes Ausflugsziel, gibt Rätsel auf: Seit Jahren steht das Wahrzeichen der Stadt, das Wasserschloss auf der Schlossinsel, leer. Ein Teupitzer will das nicht länger hinnehmen.

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Autor Christian Hufen (l.) und Dietrich Wenske vor dem verriegelten Eingang zum Schloss.

Quelle: Josefine Sack

Teupitz. Schon Theodor Fontane schwärmte einst von der kleinen Stadt Teupitz mit ihrem See. Wer selbst einmal dort war, weiß warum. Auf dem Marktplatz stehen für die Region typische zweigeschossige Häuser aus dem 18. Jahrhundert. In einem von ihnen, bei der Wirtin Friederike Wilhelmine Bullrich, soll der Dichter bei seinem Besuch im Jahr 1862 eingekehrt sein. Ein paar Meter weiter thront die gotische Heilig-Geist-Kirche, links und rechts Wasser. Am Ende des Städtchens, das sich an einer Halbinsel befindet, liegt der wahre Schatz von Teupitz: das Schloss. Wer heute danach sucht, kommt jedoch nicht weit. Ein massives Eisentor, versehen mit „Zutritt verboten“-Schild, verwehrt den Zugang zur einstigen Residenz der Schenken von Landsberg.

Das war nicht immer so. Erst seit 2005, bis dahin befand sich auf der Halbinsel das Schlosshotel Teupitz – früher sollen dort Prominente wie der Schauspieler Harald Juhnke residiert haben, ist die Insel samt Schloss dicht. Zum Ärger vieler Ausflügler und der Teupitzer, allen voran Dietrich Wenske. 2008 ist der gebürtige Ostwestfale mit seiner Frau in das Haus ihrer Vorfahren an den Teupitzer See gezogen. Einmal wagte sich das Paar auf die Insel. Seither trägt Wenske eine tiefe Sehnsucht in sich: dass die Insel samt Schloss wieder geöffnet wird.

Autor erforscht die Historie des Schlosses

„Das Schloss ist die Seele des Orts. Es ist absolut unverständlich, dass ein solcher Schatz nicht öffentlich zugänglich ist“, sagt Wenske. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben der Teupitzer und seine Frau den in Berlin lebenden Kunsthistoriker Christian Hufen beauftragt, die jüngere Geschichte des Schlosses aufzuarbeiten und in einem Buch zu würdigen. Seit gut einem Jahr erforscht der Autor, der sich auf Familien- und Heimatgeschichte spezialisiert hat, die Historie des Schlosses. Er durchforstet Archive, spricht mit Zeitzeugen, sichtet historische Dokumente und versucht so, das Baugeschehen ab 1928 zu rekonstruieren. An Freitag, dem 18. November, präsentiert er seine bisherigen Erkenntnisse erstmals bei einem Vortrag in der Grundschule Teupitz am See (siehe Infokasten).

Mit ihrem alten Baumbestand und einer Burganlage, deren Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen, gilt die Schlossinsel als wichtigste Sehenswürdigkeit der Kleinstadt – mit einer sehr bewegten Geschichte. Die Besitzverhältnisse sind nach Hufens Recherchen äußerst komplex.

Nach Kriegsende wurde nach Kriegsende Volkseigentum der DDR

Bis 1927 war Teupitz Gutsbezirk. Nach der gesetzlich verfügten Auflösung der größtenteils am Wasser gelegenen Rittergüter wurde die Stadt ab 1928 ein beliebtes Feriendomizil für viele Berliner. Der jüdische Kaufmann Paul Hamburger eröffnete damals das Hotel auf der Schlossinsel, das in kurzer Zeit zu einer gefragten Adresse wurde. In den 1930er Jahren ging die Burg Teupitz an die Eheleute Karla und Gerhard Drabsch, die dort bis 1945 mit staatlicher Unterstützung eine Näherei im NS-Geist betrieben. Nach Kriegsende wurde das Schloss Volkseigentum der DDR. Von Mitte der 1950er Jahre bis 1989 residierten dort vor allem Mitarbeiter des Zentralkomitees der SED.

Erst in der Wendezeit erstritten sich die Teupitzer wieder freien Zugang zur Schlossinsel. In den Folgejahren konnte die Anlage als Sterne-Restaurant und Veranstaltungsort von sich reden machen. Doch der Versuch, die Teupitzer Schlossinsel als Nobeladresse zu etablieren, scheiterte.

Das Buchprojekt zum Teupitzer Schloss

Die Abhandlung von Christian Hufen soll 2017 erscheinen und etwa 100 Seiten umfassen. Der Anhang enthält eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse und einen umfangreichen Abbildungsteil mit Dokumenten und Fotografien aus öffentlichen Archiven und Privatbesitz.

Zeitzeugen und deren Angehörige werden um Mithilfe gebeten. Gesucht werden Berichte und Dokumente zum Wiederaufbau des Schlosses auf Initiative der Stadt Teupitz.

Vortrag zur Schlossinsel Teupitz : Freitag, 18. November, 19 Uhr, Aula Grundschule Teupitz am See, Lindenstraße 4, Eintritt frei.

Seit der Zwangsversteigerung 2005 steht das Wasserschloss leer. Heute gehört es einem privaten Investor, der noch weitere Güter in Brandenburg aufgekauft haben soll. Welche Pläne der Eigentümer in Teupitz hat, ist ungewiss. „Wir sind bereit, mit ihm zu reden, aber man kommt schwer an ihn heran“, klagt Dirk Schierhorn (Bürgernetzwerk). Wenigstens eine Teilöffnung der Schlossinsel möchte Teupitz’ ehrenamtlicher Bürgermeister langfristig erwirken. Schon vor Jahren stellte die Stadt dafür einen Bebauungsplan auf – jedoch ohne Erfolg. Der Investor hält sich bedeckt. Auch für die MAZ war er bislang nicht zu erreichen.

Endlich wieder in den Burggärten am Teupitzer See „lustwandeln“ – dafür kämpft auch Dietrich Wenske. Geht es nach ihm, soll das Schloss bald aus seinem Dornröschenschlaf erwachen – denkbar seien ein Veranstaltungsort, ein kleines Museum und ein Standesamt. Dabei helfen soll das Buchprojekt, das die Bedeutung des jahrhundertealten Wasserschlosses wieder ins Bewusstsein des Orts rufen soll.

Von Josefine Sack

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