Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Debatte zum Familiennachzug
Lokales Dahme-Spreewald Debatte zum Familiennachzug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:54 07.02.2018
Das Asylbewerberheim in Wassmannsdorf stand wegen seiner mangelhaften Bausubstanz in der Kritik, derzeit wird es saniert. Quelle: Gerlinde Irmscher
Anzeige
Dahmeland-Fläming

Manchmal überlegt Sadif* einfach alles hinzuschmeißen, alle Zelte hier in Deutschland abzubrechen und wieder zurückzugehen. Zurück in ihr Dorf in Afghanistan und zurück zu ihrer Tochter. Seit 2014 ist die Mutter in Deutschland, ihr wurde hier subsidiärer Schutz zugesprochen. Deshalb darf sie weiter in Ludwigsfelde bleiben, weil sie in ihrem Heimatdorf terroristische Rebellengruppen erwarten. Sie hat das alles kleinteilig nachgewiesen, hat alle Dokumente zusammengetragen. Es war ein langer Prozess und eine Erleichterung, als der Schutz genehmigt wurde.

Ihre Tochter aber ist noch immer bei Freunden in der Heimat. Fünf Jahre hat Sadif sie jetzt nicht mehr gesehen. Wie viele es noch werden, weiß sie nicht. Wie so viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, hatte sie all ihre Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung mit ihrer Tochter auf den 15. März gelegt. Es ist der Stichtag, an dem die Beschränkungen für den Familiennachzug von Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutz auslaufen sollten. Ab dann, so glaubten viele durch die Flucht getrennte Familien, könnten wieder Anträge eingereicht werden, um die in der Heimat verbliebenen Familienmitglieder nachzuholen – um endlich wieder irgendwann vereint zu sein.

Rettung vor Krieg und Folter: Das ist subsidiärer Schutz

Wer keinen Anspruch auf Asyl hat und nach der Genfer Konvention nicht als Flüchtling anerkannt wird, kann dennoch Schutz erhalten. Die Entscheidung für diesen sogenannten subsidiären Schutz hängt von der Situation im Heimatland der Flüchtlinge ab. Wer dort eine unmenschliche Behandlung, Folter, die Todesstrafe oder Krieg zu erwarten hat, kann eine Aufenthaltserlaubnis bekommen.

In den meisten Fällen ist diese Erlaubnis zunächst auf ein Jahr begrenzt, kann aber verlängert werden, wenn sich die Situation im entsprechenden Heimatland nicht substanziell verändert hat.

Es sieht düster aus

Doch die Aussicht ist trüb, seit die Beschränkungen am vergangenen Donnerstag von März bis Juli ausgedehnt wurden. Mit den Stimmen der SPD und der CDU wurde zudem im Bundestag ein Gesetzesentwurf verabschiedet, nachdem ab August 2018 maximal 1000 Menschen pro Monat ihren Angehörigen nach Deutschland folgen dürfen. Dazu soll es eine neue Härtefallregelung geben. Doch wie die genau aussehen soll, weiß noch niemand. Bis Juli soll entschieden werden.

Bei den Koordinatoren der Flüchtlingsarbeit in der Region und den Helfern der sozialen Einrichtungen sorgt die Entscheidung für Unverständnis. „Die neue Regelung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt die Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte des Landkreises Teltow-Fläming, Christiane Witt. Natürlich hätten die Menschen darauf gesetzt, dass sie ihre Familien ab März nachholen dürfen. Dass sie jetzt wieder enttäuscht wurden und weiter von ihren Familien getrennt leben müssten, sei menschenunwürdig, so Witt. „Die psychische Belastung dieser Menschen ist immens. Ich mag mir das selber gar nicht vorstellen, über so viele Jahre von meiner Familie getrennt zu leben“, berichtet Christiane Witt.

„Tropfen auf den heißen Stein“

Die Begrenzung auf 1000 Menschen pro Monat kann auch Dirk Krause, Flüchtlingskoordinator in Ludwigsfelde, nicht nachvollziehen. „Es ist ein einziges Bangen für die Menschen, die gehofft haben, ihre Familien nun nachholen zu können“, sagt Krause. Er schildert Fälle von Flüchtlingen aus den kurdischen Gebieten Syriens, die eine Aufenthaltserlaubnis für zwei Jahre bekommen haben. Nach den alten Bestimmungen dürften sie nun eigentlich ihre Familien nachholen, wurden nun aber erneut vertröstet und müssen bis zum Sommer warten. Und auch dann weiß noch niemand, wie die 1000 Nachzüge unter den zahlreichen Anträgen verteilt würden.

Auch Birgit Kaselow vom Migrationsfachdienst der Diakonie in Lübben, der für den Landkreis Dahme-Spreewald zuständig ist, berichtet von vielen Menschen, die auf den 15. März gesetzt hatten. „Wir können nun nur sagen, dass es uns leid tut und versuchen die Menschen mit ihren Ängsten und Sorgen aufzufangen“, sagt Birgit Kaselow. Sie kann sich noch nicht vorstellen, wie das Verfahren ab Sommer funktionieren soll und hofft wenigstens auf klare Regelungen, um den Menschen in der Beratung plausible Antworten geben zu können.

Sadif will hier bleiben

Sadif hätte diese Antworten gerne schon früher gehabt. Sie wollte schon im Dezember alle Anträge für ihre Tochter vorbereiten, um sie im März schnell einreichen zu können. Als Anna Wunder vom Diakonischen Hilfswerk in Teltow-Fläming ihr die Nachricht überbrachte, dass es auch im März damit nichts werden würde, sei die Frau fast zusammengebrochen, erzählt Wunder. Doch Sadif will bleiben. So lange, wie es noch Hoffnung gibt, dass sie ihre Tochter in Deutschland wiedersehen kann.

Von Ansgar Nehls

Gleich zwei berauschte Autofahrer sind Polizisten in Königs Wusterhausen ins Netz gegangen. Bei beiden Männern reagierten Drogentests auf Amphetamine, bei einem zusätzlich auf Kokain.

06.02.2018

Nicht nur die Wildauer sollen sich in ihrem Kurpark wohlfühlen. Er soll auch eine Heimstatt für heimische Kleintiere sein. Die Stadtverwaltung will es mit der Pflege deshalb nicht übertreiben, unaufgeräumte Ecken sollen als Nistplätze erhalten bleiben. Die öffentlichen Wiesen werden nicht zu kurz geschnitten.

09.02.2018

Der Jugendklub in Mittenwalde wird in die Mehrzweckhalle umziehen. Was zunächst auf Ablehnung stieß, wird jetzt begrüßt. Sozialarbeiterin Anja Audorf und die rund 30 Jugendlichen, die regelmäßig kommen, sehen den Umzug als Chance an. Sie freuen sich, den Klub selbst mitzugestalten und das Außengelände mit nutzen zu dürfen.

09.02.2018
Anzeige