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Den Kindern einen Grund zum Lachen geben

Flüchtlinge engagieren sich in Luckenwalde Den Kindern einen Grund zum Lachen geben

Die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, haben noch keine Arbeitserlaubnis und verbringen den Tag damit, zu warten. Schrecklich langweilig, sagten sich zwei Luckenwalder Flüchtlinge und kümmern sich nun im Jugendzentrum um Kinder.

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Malicy Hakrmar pflanzt mit deutschen und Flüchtlingskindern Blumen für den Jugendtreff Klab in Luckenwalde.

Quelle: Anne-Kathrin FIscher

Luckenwalde. Clowns und Kriegsbilder, so etwas passt für Abdul Khalil eigentlich nicht zusammen. Dennoch war es genau eine Kombination dieser Bilder, die dem syrischen Familienvater auffiel, als er mit Kindern von Luckenwalder Flüchtlingsfamilien vor kurzem die Wände im Garten des Jugendtreffs Klab gestaltete. Er selbst entschied sich dazu, Bilder zu malen, die ihn an seine glückliche Kindheit erinnern: Clowns, Blumen, Katzen. Bei vielen Kindern musste er jedoch feststellen: „Sie wussten nicht, wie ein Clown aussieht. Sie sind zur Welt gekommen und haben bisher nur den Krieg gesehen.“ An die Wand der Luckenwalder Einrichtung malten sie also Motive, die ihnen präsent sind und die sie oft gesehen haben: graue Himmel, schwarze Wolken. Die dunklen Farben waren es, die Khalil so bedrückt haben.

Im Landkreis Teltow-Fläming leben momentan 1000 Flüchtlinge aus Krisengebieten – und es werden stetig mehr. Ein Gros der Asylsuchenden kommt in Gemeinschaftsunterkünften in Luckenwalde unter. Viele Kinder kommen in den nahe gelegenen Jugendtreff Klab, der von der sozialistische Jugendorganisation „Die Falken“ betrieben wird. Der Landkreis hat der Einrichtung dafür eine zusätzliche halbe Sozialarbeiterstelle bewilligt. Ein Schwerpunkt des Freizeitzentrums liegt somit in der Arbeit mit Flüchtlingskindern. „Sie brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf. Sie benötigen Rückzugs- und Spielmöglichkeiten, die in den Unterkünften nicht gegeben sind“, sagt Robert Sprinzl , Geschäftsführer des Landesverbands der Falken.

Abdul Khalil vor einem Clown, den er im Klab an die Wand gemalt hat

Abdul Khalil vor einem Clown, den er im Klab an die Wand gemalt hat

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Aus Syrien nach Luckenwalde

Abdul Khalil selbst ist mit seiner Frau und den drei Kindern aus Syrien geflohen, seit einem Jahr ist er nun in Luckenwalde und bewohnt mit seiner Familien eine eigene Wohnung. „Ich wollte den Flüchtlingskindern etwas Gutes tun“, erklärt er. Sein 13 Jahre alter Sohn nahm das Angebot, mit anderen Kindern im Klab zu spielen, wahr, so wurde auch er auf die gemeinnützige Einrichtung aufmerksam. Seine Frau, Sabiha Khalil, ist ebenso bemüht, sich in Luckenwalde einzubringen: Erst vor kurzem stellte sie ihr Land mit einer Präsentation bei einer Veranstaltung des Landkreises vor. „Ich war überrascht, wie interessiert die Luckenwalder waren“, sagt sie erfreut.

Hintergrund

In Übergangswohnheimen gibt es Personal, das Asylbewerber sozial betreut. Es unterstützt sie beispielsweise bei Behördengängen.

Außerdem gibt es Einrichtungen oder Vereine, die Flüchtlingen die Möglichkeit geben, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und sich sinnvoll zu beschäftigen.

Beim Technischen Hilfswerk in Luckenwalde engagieren sich zum Beispiel seit kurzem Asylbewerber.




Die Khalils sind froh, über die Möglichkeit, sich in der neuen Heimat einzubringen und auf diese Weise mit Anwohnern in Kontakt zu kommen. Sie konnten sogar schon neue Freundschaften schließen. Außerdem hofft Abdul Khalil, dass Kinder von Zuwanderern und Deutschen über den Jugendtreff früh zueinander finden. „Wenn die Integration schon im Kindesalter gelingt, dann klappt sie auch später“, ist der 47-Jährige überzeugt. Obwohl er selbst kein Englisch spricht und im Deutschkurs erst wenige Worte in der neuen Sprache gelernt hat, verläuft die Arbeit im Klab problemlos. „Manchmal braucht man nicht viel zu reden“, sagt Khalil. Den Kindern zeigt er durch Vorführen, wie sie malen können.

Etwas lustiges für die Kinder

Malicy Hakrmar ist es ebenso wie Abdul Khalil ein Anliegen, sich um die Kinder der Luckenwalder Flüchtlinge zu kümmern. „Ich will etwas Lustiges für die Kinder machen, auch wenn es nur etwas Kleines ist“, sagt der 41 Jahre alte Albaner, der seit drei Monaten in einem Asylheim in der Forststraße lebt. Deshalb kommt er nun mehrmals in der Woche in die Einrichtung, spielt mit den Kindern und zeigt ihnen, wie man Blumen pflanzt. In seinem Heimatland arbeitete er als Gärtner und Maler, ehe er sich dazu entschloss, mit seiner Frau und den Kindern nach Deutschland zu kommen. Zehn, sieben und eineinhalb Jahre sind seine Kinder – er hofft, dass er ihnen in Deutschland eine bessere Zukunft bieten kann. Noch wartet er jedoch auf eine endgültige Aufenthaltserlaubnis. Die Arbeit im Klab gibt ihm Kraft, wie er sagt – und es ist eine tolle Abwechslung. „Man wird verrückt, wenn man den ganzen Tag nichts zu tun hat.“

Auf die Idee, dort vorbeizuschauen, kam er durch Gulia Scoz, den alles organisierenden Wirbelwind des Jugendklubs, als sie die Einrichtung im Wohnheim vorstellte. Dass immer mehr Asylsuchende nach Deutschland kommen, macht sich auch in Luckenwalde bemerkbar, berichtet Scoz. „Seit August kommen noch viel mehr als vorher zu uns, vor allem Kinder.“

Abdul Khalil will sich ebenso wie Malicy Hakrmar weiterhin im Klab engagieren. In Syrien arbeitete er als Maler, Schriftsteller und Journalist. Er will sein Wissen weitergeben, in Zukunft zum Beispiel Mal-Workshops veranstalten. „Die Kinder brauchen viele Angebote. Sie sollen die Bilder des Krieges vergessen und durch bessere ersetzen“, erklärt er, „sie haben es so verdient, zu lachen.“

Von Anne-Kathrin Fischer

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