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Der Dichter-Baum soll weg

Zum Dehmel-Jubiläum gepflanzt Der Dichter-Baum soll weg

In Hermsdorf gibt es Streit um die für den dort geborenen Dichter Richard Dehmel gepflanzte Kiefer: Ein Grundstücksbesitzer fühlt sich verkehrstechnisch eingeschränkt durch den kleinen Baum, der 2013 zum 150. Geburtstag des Lyrikers gepflanzt worden war.

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Irgendwann, so die Idee, sollten Besucher selbst so wie einst angeblich Dehmel unter einer hohen Kiefer sitzen können.

Quelle: Karen Grunow

Hermsdorf. Nur wenig erinnert im Münchehofer Ortsteil Hermsdorf noch an den größten Sohn des Ortes, an den Lyriker Richard Dehmel, der um 1900 einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter war. Seit 2013 aber befindet sich just an der Stelle, an der Dehmel angeblich gern unter einer Kiefer gesessen und gedichtet haben soll, ein ebensolches Bäumchen. Das soll nun jedoch weg. So entschieden in ihrer jüngsten Sitzung sechs von acht anwesenden Münchehofern Gemeindevertretern.

Hintergrund

Richard Dehmel wurde am 18. November 1863 in Hermsdorf geboren. Aufgewachsen ist der Förstersohn auch in Kremmen. Er starb 1920 in Blankenese.

Er studierte Philosophie, Naturwissenschaften und Nationalökonomie in Berlin, promovierte über Versicherungsfragen und arbeitet in diesem Bereich.

1888 heiratete er die Märchenautorin Paula Oppenheimer. Ab 1895 bändelt er mit Ida Auerbach an, Heirat 1901.

1891 erscheint der erste Gedichtband Dehmels und wird ein Erfolg. Der freizügige Lyrikband „Weib und Welt“ (1896) wurde ein Skandal und Dehmel noch berühmter.

Seine Poesie inspirierte Komponisten wie Strauss oder von Zemlinsky.

Ein Grundstücksbesitzer hatte sich schon im vergangenen Herbst beschwert, dass das Bäumchen für ihn verkehrstechnisch ungünstig gepflanzt worden sei. Nun wurde zu seinen Gunsten abgestimmt. Damit wird ein Stück Erinnerung an Dehmel aus dem Ortsbild getilgt. Er wurde am 18. November 1863 in Hermsdorf geboren als Sohn eines Försters. Zum 150. Geburtstag im November 2013 wurde deshalb die kleine Kiefer gepflanzt. Vision war, dass später, wenn das Bäumchen ordentlich gewachsen sein würde, jeder selbst im Schatten der Kiefer Platz nehmen und sich auf den vier umstehenden Lesetafeln in Dehmels Dichtkunst vertiefen könne. Dass diese nicht in Hermsdorf entstanden ist und die schöne Geschichte mit der Kiefer, unter der Dehmel gedichtet haben soll, angesichts des baldigen Wegzugs der Familie mit dem Vorschulkind Dehmel eher eine charmante Legende sein dürfte, ist für die Idee egal. Es geht um das Erinnern selbst, um das sichtbare Zeichen.

Das Pikante: Es waren ursprünglich ja auch die Gemeindevertreter – wenn gleich in der betreffenden Legislaturperiode noch in etwas anderer Besetzung – die die Pflanzung der „Dehmel-Kiefer“ befürwortet hatten. Und der Baum war auf öffentlichem Grund gepflanzt worden. Zahlreiche Anwohner kümmerten sich liebevoll um das Bäumchen. Dem ging es seit einigen Monaten allerdings nicht mehr gut; es sollte demnächst durch einen frischen neuen Baum ausgewechselt werden.

Kiefer ist markanter Punkt

So klein die Kiefer auch ist, für so manchen Hermsdorf-Besucher ist sie ein markanter Punkt. Immer wieder kommen auch Touristen durch das Dorf, verweilen an der Kiefer, die von einer kleinen Bank umgeben ist. Unweit befindet sich noch ein Gedenkstein und ganz in der Nähe führt auch der literarische Wanderweg „Lesefährte Waldweisen“ vorbei. Dort wird Dehmel, der für seine naturnahe Lyrik berühmt war, gehuldigt.

In Hamburg wird demnächst das Haus, das Dehmel und seine Frau Ida 1912 für sich errichten und einrichten ließen, als museales Kleinod wiedereröffnet. In dem Ort aber, in dem er geboren wurde, sorgen kurzsichtige Entscheidungen dafür, dass zumindest sichtbare Hinweise auf Dehmels Zeit in Hermsdorf weiter dezimiert werden.

Von Karen Grunow

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