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Der Dicke im Vorgarten

Großbeeren Der Dicke im Vorgarten

Ricardo Reiski hat in Großbeeren aus einem 300-Kilogramm-Kürbis ein Halloween-Gesicht geschnitzt. Mit dem Gabelstapler wurde der Kürbis in Klaistow in Reiskis Transporter geladen und dann im Vorgarten der Familie Haider bearbeitet.

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Ricardo Reiski (r.) hat sein Schnitzwerk fertiggestellt. Im Vorgarten der Familie Haider in Großbeeren kann die Halloween-Party beginnen.

Quelle: Andrea von Fournier

Großbeeren. Viele Suppen, Gratins und Muffins hätte der über 300 Kilogramm schwere Kürbis hergegeben, den Ricardo Reiski mit tatkräftiger Hilfe von Freunden am Halloween-Vorabend in den Vorgarten der Familie Haider in Großbeeren hievte. Dort machte er sich bei hereinbrechender Dunkelheit daran, dem hellgelben Kürbis ein letztes Leben als Halloween-Gesicht zu geben. Dieser größte geschnitzte Kürbis in Berlin-Brandenburg des Jahres 2017, im Rohzustand mehr als 400 Kilogramm schwer, war stolzes Ergebnis eines Züchters und im Oktober Ausstellungsobjekt auf dem Spargelhof Klaistow. Dort wurde er gewogen, bestaunt und in den letzten Tagen von den Besuchern des Spargelhofes „geschlachtet“.

Viele Titel für Kürbisschnitzen

„Das Innenleben der Kürbisse wird dabei entfernt und die Besucher können sich Kerne als Erbgut mitnehmen“, erzählt Ricardo Reiski. Der Dekorateur und Gestalter, der für die Kristall-Saunatherme Ludwigsfelde arbeitet, hat vor fünf Jahren das Dekorieren von Kürbissen für sich entdeckt und bekommt seit zwei Jahren unter anderem auf dem Hof in Klaistow Aufträge zum Schnitzen des Fruchtgemüses. Pumpkin Carving nennt man die Technik, bei der mit Modellierschlaufe, Spatel und Messer aus dem Töpfer-Bedarf gearbeitet wird. Reiski ist inzwischen Meister darin. Er heimst Titel ein und hat mit dem ersten unter Wasser gesetzten und sprudelnden Kürbis in Klaistow neue Wegmarken gesetzt.

So wusste Ricardo Reiski genau, dass dort nach dem großen Kürbisfest etwa 70 „leergeräumte“ Riesengemüse lagen, noch mehr oder weniger ansehnlich. Ihm kam die Idee, einen großen, noch festen Gesellen zu sich nach Haus zu holen, um die Schnitzkunst auch in Großbeeren zu zeigen und eine schaurig-schöne Party auszugestalten.

Zierkürbisse als Stoßzähne

Mit dem Gabelstapler wurde der Kürbis in Klaistow in Reiskis Transporter geladen. Zu Dritt und ohne den kleinen elektrischen Helfer war der Ausladevorgang in Großbeeren schwierig, doch erfolgreich. Ricardo Reiski und Ehefrau Petra feierten jahrelang mit zwei befreundeten Paaren und ihren Kindern in Wohngebiet an der Gartenstraße fantasievolle Halloween-Partys. Dazu gesellten sich auch Kinder aus der Straße. Es wurde ein regelrechtes Straßenfest. „Einmal hat das Ordnungsamt die Straße sogar für den Verkehr gesperrt“, erinnert sich Petra Reiski. Doch seitdem ihr Mann immer im Herbst dem Kürbis-Schnitzen verfällt und damit zunehmend Aufträge als Künstler bekam, war die Tradition fast eingeschlafen. Das sollte in diesem Jahr anders sein. „Ich habe den letzten Auftrag beendet. Nun bearbeite ich diesen Dicken hier zum Spaß für uns und die Großbeerener“, erzählt Ricardo Reiski. Er hat dem Kürbis mit stattlichen 4,30 Meter Umfang kein Gesicht „unter die Haut“ geschnitzt, sondern Augen, Nase und Mund ausgeschnitten, von innen illuminiert und mithilfe von Zierkürbissen lange Stoßzähne angearbeitet. Die, wie auch die Augäpfel, werden mit Holzspießen befestigt. Dabei musste auch Sascha Haider zufassen, denn die Augen sind für Ricardo Reiski immer besonders wichtig. Sie sind Dreh- und Angelpunkt des Gesichts, und wenn er ein fein geschnittenes Antlitz schafft, gelingt es ihm, dass die Augen den Betrachter aus jeder Position anzuschauen scheinen.

„Wie machen Sie das?“, wird der Großbeerener oft gefragt. Doch das verrät der Künstler nicht. Er filmt sein eigenes Gesicht in bestimmter Mimik, um den gewünschten Ausdruck bei seinen Kürbissen zu erschaffen. Nicht nur Trolle entstehen, auch die Ehefrau wurde so schon verewigt. Dass die Ewigkeit der Kürbisgesichter sehr endlich ist, stört den Künstler gar nicht, im Gegenteil: „Da kann ich wieder etwas Neues anfangen.“

Von Andrea von Fournier

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