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Der Rebell tritt ab

Teupitz Der Rebell tritt ab

Karsten Kuhl (CDU) gibt sein Mandat für den Sitz in der Teupitzer Stadtverordnetenversammlung zurück. 26 Jahre in der Lokalpolitik seien genug, sagt der 1961 geborene Ex-Politiker. Künftig wolle er sich mehr Beruf und Familie widmen. Kuhl ist Zahnarzt und Vater von drei Kindern. In der letzten Zeit fehlte er schon häufig bei den Zusammenkünften des Stadtparlaments.

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Karsten Kuhl (CDU) ist aus der Stadtverordnetenversammlung zurückgetreten.

Teupitz. Es ist derzeit die Top-Nachricht aus Teupitz: Das langjährige Mitglied der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, Karsten Kuhl, hat sein Mandat zurückgegeben. „26 Jahre in der Lokalpolitik sind genug“, sagte Kuhl auf Anfrage der MAZ. Er wolle sich nun mehr seinem Beruf – er arbeitet in Teupitz als Zahnarzt – und seiner Familie widmen. Es gäbe keinen anderen Hintergrund, erklärte er weiter.

Kuhl gehörte seit 1990 – also mit der Wende – zum Stadtparlament. Hier war er schnell als Rebell bekannt geworden. Schon zu DDR-Zeiten war er aufgefallen, als er den SED-Bürgermeister angriff, weil der und die Schuldirektorin die Abc-Schützen am Kindertag Panzer angucken schickten. Nach der Wende kündigte Kuhl seine Arbeit in der Berliner Charité und ließ sich als zunächst Parteiloser zur Wahl aufstellen. Und wurde gewählt. Seine Ära war spektakulär. Faktisch gab es keine Stadtverordnetenversammlung ohne einen Eklat – meist von ihm selbst ausgelöst. Immer wieder stellte sich Kuhl, nun Mitglied der CDU, quer. In Sachen Gemeindegebietsreform ging er im Jahr 2000 sogar gegen den damaligen Brandenburger Innenminister und Parteifreund Jörg Schönbohm vor. Als man ihm seitens der CDU mit Rausschmiss drohte, verglich er das Vorgehen mit dem Handeln von DDR-Bonzen, die Leute aus ihren Reihen entfernten, wenn sie nicht systemkonform waren. Ein erneuter Eklat.

Staatsanwaltschaft hat ermittelt

2004 hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen „Stimmankauf“ für das Volksbegehren gegen die Gemeindegebietsreform gegen Kuhl als Vorsitzenden des Gemeindetags ermittelt. Er soll veranlasst haben, dass jeder 100. Unterzeichner 100 Euro erhält. Beim Radwegebau zwischen Schwerin und Teupitz – er ist jetzt erst gerade in der Fertigstellung – gab es ebenfalls Streit zwischen Stadt und Kuhl. Ein Ehepaar, Anlieger, sollte 30 000 Euro für diesen Radweg bezahlen. Der Beitrag richtet sich nach der Größe des Grundstücks. „Die haben doch wohl ein Rad ab“, kommentierte Kuhl damals den Bescheid.

Nachdem er selbst als Bürgermeister abtreten musste, weil Dirk Schierhorn (Bürgernettzwerk) das Zepter im Jahr 2014 übernahm, boykottierte er über Jahre den Bauausschuss. In letzter Zeit soll er auch kaum noch zu den Sitzungen des Stadtparlaments erschienen sein. Bürgermeister Dirk Schierhorn: „Er war lange nicht da.“ Kuhl selbst bezeichnet seine Mitarbeit in der Stadtverordnetenversammlung als „unregelmäßig“. Schierhorn respektiert die Entscheidung Kuhls, der in vielen Zusammenkünften sein direkter Widersacher gewesen ist. „Das Leben ist wie es ist“, kommentierte Schierhorn Kuhls Abtreten. Ob es gut für die Stadt sei, wäre abzuwarten. In jüngster Zeit habe man in den Sitzungen fraktionsübergreifend gut zusammen arbeiten können. Ob das an der Abwesenheit Kuhls lag, wollte der Bürgermeister nicht bestätigen. Kuhl hatte sein Mandat stillschweigend im Amt Schenkenländchen aufgekündigt. Nun soll bei der nächsten Sitzung des Stadtparlaments am 5. September der Rücktritt offiziell bekannt gegeben werden. Gleichzeitig wird sein Nachfolger begrüßt.

Von Andrea Müller

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