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Dahme-Spreewald Der Waschbär erobert die Region
Lokales Dahme-Spreewald Der Waschbär erobert die Region
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00:43 25.07.2015
Der Waschbär ist in den Revieren ein ungeliebter Gast. Quelle: dpa
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Dahmeland-Fläming

Was so aussieht, als sei es liebevoll gemeint, nimmt ein jähes Ende: Regelmäßig legt Marietta Scheel Trockenpflaumen in längliche Gitterboxen in der Landschaft. Dafür interessiert sich im Wald ein Leckermaul ganz besonders – der Waschbär. Wenn er in die Box tappt, um die Früchte zu genießen, schnappt die Falle zu. Anschließend stülpt Marietta Scheel einen Plastiksack über das Tier und erlegt es. So brutal sich die Aktion anhört, so wichtig ist sie, um die heimische Fauna zu schützen.

Marietta Scheel ist Jägerin und Vorsitzende des Kreisjagdverbands Dahme-Spreewald mit Sitz in Lübben. Die Probleme, die sie in ihrem Jagdrevier mit Waschbären hat, gibt es auch in allen anderen Revieren in der Region Dahmeland-Fläming: Die Raubtiere bedrohen die Existenz anderer Wildtiere. „Waschbären sind Nahrungsopportunisten, also Allesfresser, die sich an jede Umweltsituation anpassen können“, sagt Scheel. Sie nehmen heimischen Tierarten die Nahrungsgrundlage, beziehungsweise fressen die Eier von Vögeln. Zudem seien sie bei ihrer Jagd nach Futter extrem aggressiv, erklärt die Jägerin. Deswegen stehen sie bei allen Jagdverbänden ganz oben auf der Abschussliste. In Scheels Revier sind im vergangenen Jahr 25 Tiere erlegt worden.

Waschbären verbreiten sich massiv

Dass Waschbären sich in der Region massiv verbreiten, bestätigt der jüngst veröffentlichte Wildbericht des Deutschen Jagdverbands (DJV). Die 60-seitige Dokumentation, die sich auf das Jahr 2013 bezieht, beinhaltet Daten zu heimischen Wildarten und Wildkrankheiten, die Jäger bundesweit in knapp 25 000 Revieren erhoben haben. In ganz Deutschland kommt der Waschbär mittlerweile in fast jedem zweiten Jagdrevier vor. In hiesigen Gefilden ist er sogar noch häufiger präsent: Laut Grit Greiser, Wildtier-Expertin vom Thünen-Institut in Eberswalde, fühlt sich der Waschbär in 80 Prozent der Jagdreviere in Dahme-Spreewald und sogar in 90 Prozent der Reviere in Teltow-Fläming zuhause.

„Der Waschbär ist hier das dominanteste Neozoon“, sagt Grit Greiser. Als Neozoen werden Tiere bezeichnet, die erst durch menschlichen Einfluss in ein ihnen eigentlich fremdes Gebiet kommen und sich dort langfristig ansiedeln. Ursprünglich ist der Waschbär in Nordamerika beheimatet. In Europa verbreitete er sich im 20. Jahrhundert, weil er aus Pelztierfarmen und Gehegen ausbrach.

„Wenn nichts Unvorhergesehenes wie eine Krankheit auftritt, werden wir die Waschbär-Ausbreitung hier nicht stoppen können“, ist sich Grit Greiser sicher. Das sieht auch Jägerin Marietta Scheel so. Beide Wildtier-Expertinnen weisen darauf hin, dass die Tiere nicht so niedlich sind, wie sie von vielen wahrgenommen werden. „Die Tiere heißen nicht umsonst Bären“, sagt Scheel.

Sie sieht es als problematisch an, dass die Kleinbären keine Distanz kennen und sich selbst in Siedlungsgebieten wohlfühlen. „Menschen sollten Waschbären nicht noch zusätzlich anlocken“, rät Grit Greiser. „Sonst sitzen die irgendwann auch noch mit im Wohnzimmer.“

Wildtierkrankheit Räude ist in der Region präsent

Andere Neozoen, die laut Wildtier-Bericht in der Region Dahmeland-Fläming immer häufiger vorkommen, sind Marderhunde, die Waschbären optisch ähneln. Die Wildtiere sind in beiden Landkreisen in 80 Prozent der Jagdreviere registriert worden. Auch der Marderhund gefährdet durch seine starke Ausbreitung einheimische Wildarten. Zudem trägt er zur Verbreitung der immer noch präsenten Wildkrankheit Räude bei.

Räude ist eine sehr umständlich zu behandelnde Krankheit, bei der sich Milben unter der Haut der befallenen Tiere ausbreiten. „Die Behandlung zieht sich oft über Monate hin“, sagt Greiser. Sie verbreitet sich, weil Wildtiere wie Füchse, Dachse und Marderhunde gegenseitig ihre Baue wechseln. Mit Räude können sich auch Haustiere wie Hunde anstecken. „Manche Hunde verlieren bei der Erkrankung einen Großteil ihres Fells“, sagt Greiser. Die Wildkrankheit Staupe scheint in der Region hingegen überwunden zu sein.

Das heimische Rebhuhn ist in Gefahr

So wie sich auf der einen Seite Neozoen wie Waschbär und Marderhund ausbreiten, gehen die Bestände andere Tierarten laut Wildtierbericht zurück. Dazu zählt vor allem das Rebhuhn. Sein Verschwinden betrifft laut Grit Greiser die Region Dahmeland-Fläming ganz besonders. „In ganz Brandenburg sind 2013 lediglich 1700 Rebhuhnpaare gezählt worden“, sagt sie. Im Jahr 2009 waren es noch mehr als 2500. In Dahme-Spreewald wurden 2013 nur 21 Brutpaare registriert, in Teltow-Fläming sogar nur zwölf. Das Erschreckende: Experten gehen davon aus, dass es anderen Vogelarten ähnlich schlecht geht. „Das ist eine traurige Entwicklung“, sagt Greiser. Sie sieht eine Ursache darin, dass in landwirtschaftlich geprägten Gebieten immer mehr Spritzmittel verwendet werden, woran die Vögel sterben.

Jägerin Marietta Scheel hat in ihrem Revier jüngst vereinzelt Rebhühner und Fasane gesichtet. „Das heißt keineswegs, dass der Trend allgemein nach oben geht“, sagt sie. Vielmehr führt sie es darauf zurück, dass sich vor Ort eine Agrargenossenschaft angesiedelt hat, die ohne Einsatz von Chemie produziert. Insgesamt sieht die Jägerin den Wildbestand in der Region jedoch positiv. Der Bestand von Rehwild und Rotwild sei in der Region stabil.

Bei den Rehen beginnt derzeit die Paarungszeit, die bis etwa Anfang August dauert. DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald warnt deshalb vor Wildunfällen – auch mitten am Tag. Denn liebestolle Rehe liefern sich speziell an heißen Tagen wilde Verfolgungsjagden. „Besonders gefährdet sind Straßen, die zwischen Wald und Feld verlaufen“, sagt Reinwald.

Von Anja Meyer

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