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Dahme-Spreewald Der Weg der Geschichte
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00:21 01.05.2018
Vor der Kirche und am Friedhof wurden informative Granitstelen enthüllt. Quelle: Karen Grunow
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Märkisch Buchholz

Der Wald duftet nach Frühling, Sonnenlicht dringt durch das noch zarte Grün. Brigitte Bürse und Renate Pacholke gehören zu den ersten, die den neuen Wanderweg in Märkisch Buchholz ausprobieren. Es wird für sie ein Spaziergang in die eigene Geschichte, denn beide erinnern sich an jene Tage am Ende des Zweiten Weltkriegs, als dort, wo sie nun entlang laufen, Soldaten der Roten Armee gegen die Wehrmacht kämpften und die Menschen aus der Stadt in den Wald flohen, um sich zu verstecken. „Das sitzt so tief drin“, sagt Renate Pacholke leise.

Zehn Kilometer langer Wanderweg

Sie hat Blümchen dabei, die Schüler der Groß Köriser Oberschule ihr kurz zuvor vor dem Märkisch Buchholzer Literatur- und Begegnungszentrum „Franz Fühmann“ überreicht haben. Denn sie gehört zu denjenigen Märkisch Buchholzern, die ihre Geschichte für diese Wanderroute aufgeschrieben haben. „Dunkler Weg“ heißt die rund zehn Kilometer lange Strecke, die am Freitag offiziell eröffnet worden ist. An markanten Stellen im Wald stehen Holzpfeiler, auf denen solche Erinnerungsberichte angebracht sind. Aber auch Erläuterungen zu dem, was die Wanderer dort sehen können, zu Schützengräben und den Erdlöchern, in die sich die Einwohner der Stadt eingegraben hatten.

Auftakt des Wanderweges ist eine Granitstele vor dem Friedhof, auf der über die Kampfhandlungen, die so genannte „Kesselschlacht von Halbe“, informiert wird und über die Zerstörung der einst blühenden kleinen Stadt Buchholz. Bewusst ist der Haupttext auch in russischer Sprache zu lesen, denn immer wieder, weiß Hans-Jürgen Oehne, kommen auch Angehörige von ehemaligen Rotarmisten, um zu begreifen, wo und wie ihr Verwandter bei den Kämpfen damals umgekommen ist. Oehne ist aktiv im Heimatverein der Stadt und gehört zu denjenigen, die sich intensiv dafür eingesetzt haben, dass es diesen „Dunklen Weg“ nun gibt. Eine weitere Infostele steht an der Kirche, eine Tafel mit der Wanderroute am Literatur-und Begegnungszentrum.

Grauen als Kind erlebt

„Es fing damit an, dass wir schon Tage vorher von der Oder das Artilleriefeuer gehört haben“, erinnert sich Helmut Hoffmann an den April vor 73 Jahren. Dann aber sei es still geworden. Eines Morgens sah seine Mutter vom Fenster aus die Rote Armee anrücken. Während sich die Familie im Keller versteckte, kämpften in ihrem Garten sowjetische und deutsche Soldaten gegeneinander. Als er das erzählt, sitzt er mit seiner Frau vor dem Literatur- und Begegnungszentrum bei Kaffee und Kuchen. Wenig später wird auch er sich den Wanderweg anschauen, er geht allein, abseits der anderen. Elf Jahre war er alt, als das Grauen über die Stadt kam. Die Erinnerungen daran hat er mit um die halbe Welt nehmen müssen – Helmut Hoffmann lebt seit 1963 in Kanada.

Gespräche und persönliche Erinnerungen am Wegesrand: Brigitte Bürse, Hans-Jürgen Oehne und Renate Pacholke (v. l.). Quelle: Karen Grunow

Die Idee zu dem Wanderweg keimte auf, als 2015 in Halbe eine Freiluftausstellung zur Kesselschlacht eröffnet wurde. Im Jahr darauf lud der Heimatverein alle Märkisch Buchholzer über 80 ein; sie sollten erzählten von jenen Tagen Ende April 1945. „Die Hauptleistung liegt beim Heimatverein“, betont deshalb auch Oliver Theel, der amtierende Amtsdirektor des Schenkenländchens. Erarbeitet wurde das Konzept mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Dessen Landesvorsitzender, der frühere Landtagspräsident Gunter Fritsch, lobt das Projekt: „Hier ist Geschichte wirklich erlebbar.“ Das sei wichtig in einer Zeit, in der es nicht wirklich friedlicher geworden ist, betont Andreas Henne, Bundeswehr-General für Standortaufgaben Berlin. Mit Soldaten war er schon in und bei Märkisch Buchholz unterwegs, und sie wollen, sagt er, wiederkommen.

Bei der Realisierung des Weges habe alles so gut Hand in Hand funktioniert, heben die Märkisch Buchholzer Bürgermeisterin Bianca Luban (Buchholz: offen und bunt) und Landrat Stephan Loge (SPD) hervor. Die Stadt, sagt Luban auch, will das Projekt trotz schwieriger Finanzlage unterstützen. Die Hauptlast trägt bisher der Heimatverein, der sich Unterstützer organisiert hat, unter anderem für einige Sitzgelegenheiten am Weg.

Von Karen Grunow

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