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Der Wildauer Schulleiter Ulrich Fischer geht in den Ruhestand

Grundschule Wildau Der Wildauer Schulleiter Ulrich Fischer geht in den Ruhestand

Mehr als 43 Jahre gaben Schulstunden und Pausenklingeln den Takt seines Lebens vor. Der Wildauer Schulleiter Ulrich Fischer geht Ende dieser Woche in den Ruhestand, wobei ihm der Abschied von den 396 Schülern und 23 Lehrern keinesfalls leicht fällt.

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Schulleiter Ulrich Fischer auf dem Schulhof umringt von den Viertklässlern Liam, Emil, Nicolas und Elena (v.l.).

Quelle: Franziska Mohr

Wildau. „Vor einigen Tagen habe ich ein Hausaufgabenheft mit nach Hause genommen“, erzählt der Wildauer Schulleiter Ulrich Fischer und lacht. Darin will er mit Beginn seines Ruhestandes im Februar all die Aufgaben vermerken, die ihm seine Frau Ilona, gleichfalls Lehrerin, in Haus, Hof und Garten sowie für den Einkauf so aufträgt. Der Mensch benötige schließlich eine Struktur im Tag. Und diese war bei Ulrich Fischer seit mehr als 43 Jahren durch den Takt der Unterrichtsstunden und das Pausenklingeln bestimmt. Beides wird ihm fehlen.

Der Abschied von der Schule fällt dem 65-Jährigen schwer, verdammt schwer. Das sagen auch all seine Kollegen, die aufgrund jahrelanger Zusammenarbeit wissen, dass hinter jedem „das mache ich jetzt zum letzten Mal“ auch eine Portion Wehmut steckt.

Schon mit 22 Jahren stand Ulrich Fischer an der damaligen Erweiterten Oberschule „W.I. Lenin“, dem heutigen Schillergymnasium, das erste Mal vor der Klasse, nachdem er in Chemnitz zum Mathe- und Physiklehrer ausgebildet wurde, ehe er sich später mehr und mehr dem Sportunterricht verschrieb. „Einige meiner Schüler waren damals nur vier Jahre jünger als ich“, sagt Fischer. Dabei ist er schon ein bisschen stolz darauf, dass selbst der heutige Schulleiter des Schillergymnasiums, Mario Bengsch, sowie der Schulzendorfer Grundschulleiter Frank Freese einst seine Schüler waren.

1990 kam Fischer als Chef an die Grundschule in Wildau. Damals lag noch tonnenweise Rohbraunkohle auf dem Hof, mit der ein speziell angestellter Heizer die 1955 eröffnete Schule befeuerte. „Die Stadt Wildau als Schulträger hat sich nie kleinlich gezeigt“, lobt Fischer. Seit 1990 wurde hier vom Dach bis zum Keller unablässig gebaut – ein zweistelliger Millionenbetrag investiert. „Schule ist lebhafter geworden. Aber die Kinder haben sich kaum verändert. Sie sind noch genauso neugierig und haben Spaß wie vor 40 Jahren. Das soziale Umfeld aber hat sich gewandelt“, sagt Fischer. Fast jeder fünfte seiner 396 Schüler wächst in einem Elternhaus auf, das auf Sozialtransfers angewiesen ist. Schon in der Grundschule treten heute die sozialen Gegensätze deutlich hervor. „Während das eine Kind in totalem Überfluss lebt und schon mit zehn Jahren ein Handy für 600 Euro besitzt, ist in dem anderen Elternhaus eben nicht einmal ein Besuch im Tierpark drin“, sagt Fischer. Er bewertet es daher als große Leistung des gesamten Kollegiums, dass es bisher gelungen ist, dass noch kein Kind auf eine Klassenfahrt oder einen Schulausflug verzichten musste, bloß weil die Eltern einkommensschwach sind. In Rage aber bringen Fischer jene Eltern, die die Spaßgesellschaft ausleben und, wenn bei ihrem Kind Probleme auftreten, die Fehler ausschließlich in der Schule suchen.

Der Schulleiter sagt, dass es sehr viele schöne Momente im Schulalltag gegeben habe. Zwei allerdings sind ihm besonders in Erinnerung geblieben. Das war vor acht Jahren die vor allem den Lehrerinnen Eva-Maria Haule und Karin Kirchner zu verdankende Einführung der Flex-Klassen. Dabei kann entsprechend des Leistungsvermögens bei den Mädchen und Jungen die normale Schuleingangsphase von zwei Jahren entweder auf ein Jahr verkürzt oder aber auf drei Jahre ausgedehnt werden. Als sensationell bewertet Ulrich Fischer auch die Zusammenarbeit mit dem „1. Ostdeutschen Projektcircus“, bei dem es 2014 gelang, innerhalb von nur einer Woche mit allen Grundschülern ein Zirkusprogramm vor den Eltern und Großeltern aufzuführen. „Das war großartig“, ist Fischer noch heute voll des Lobes.

Im Ruhestand will der Schulleiter vor allem seinen Hobbys frönen. Der bekennende Werder-Bremen-Fan freut sich schon auf Anfang April, wenn er im Dortmunder Westfalenstadion seine Bremer anfeuern wird. Jüngst hat der in Schulzendorf wohnende Fischer auch Golf für sich entdeckt, nachdem er nach 49 Jahren die Fußballschuhe aufgrund kaputter Gelenke mehr und mehr an den Nagel hängen musste.

Von Franziska Mohr

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