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„Der erste Schritt beginnt im Kopf“

Jugendarbeit in Königs Wusterhausen „Der erste Schritt beginnt im Kopf“

Jugendlichen wird in und um Königs Wusterhausen keine einzige Möglichkeit mehr zum Tanzen angeboten. Mit der Six-Disko ist alles dicht. Das Freizeitangebot für junge Leute wird immer geringer. Der Geschäftsführer des Stadtjugendrings, Thomas Thiele, fordert diesbezüglich ein Umdenken in der Stadt.

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Thomas Thiele ist seit 25 Jahren Geschäftsführer des Stadtjugendrings Königs Wusterhausen.

Quelle: Franziska Mohr

Königs Wusterhausen. Im 25. Jahr der Wiedervereinigung kann auch der Sozialpädagoge Thomas Thiele sein kleines Jubiläum feiern. Er ist seit 25 Jahren ehrenamtlicher Geschäftsführer des Stadtjugendrings Königs Wusterhausen.

MAZ: Was ist derzeitig die dringlichste Aufgabe in der Jugendarbeit?

Thomas Thiele: Im Unterschied zu vielen anderen Regionen im Land Brandenburg verzeichnet Königs Wusterhausen erfreulicherweise einen ständigen Zuzug. Das gilt auch für Jugendliche. Allerdings hat die Stadt einen Punkt erreicht, wo sie verdammt aufpassen muss, dass sie nicht komplett in den Status der Schlafstadt abrutscht. Für Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren wird es hier immer schwieriger, sinnvoll ihre Freizeit zu verbringen. Ihnen bleibt oft wirklich nur noch die Fahrt nach Berlin, die sich aber längst nicht alle Jugendlichen leisten können. Mit der Schließung der Six-Disco gibt es in und um Königs Wusterhausen nicht eine einzige Tanzmöglichkeit. Früher war das neben der Six in Riedl’s Gasthof in Neue Mühle, in der „Gräbenperle“ in Gräbendorf oder auch im Volkshaus in Wildau möglich. Es bleiben nur noch zwei oder drei Konzerte im Jahr wie der „Bergfunk“ – und das war’s auch schon. Die Videothek in der Scheederstraße hat jetzt auch noch geschlossen. Der Billard-Tempel in der A 10-Erlebniswelt ist seit Jahren dicht.

Wo sehen Sie realistische Chancen dies zu ändern?

Thiele: Hier genügt ein Blick in die Kreisstadt. In Lübben ist die Nutzung von Sportstätten für Vereine, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren, komplett kostenfrei. In Königs Wusterhausen ist das nicht möglich. Hier muss das Wochen vorher beantragt werden und am Ende wird einem wie bei unserem Mittelalter-Spektakel im vorigen Jahr auch noch eine fette Rechnung für die Nutzung des Sportplatzes in der Erich-Weinert-Straße präsentiert. Bei der Kommunalwahl 2014 haben übereinstimmend alle Parteien und Bündnisse versprochen, dass sie sich für bessere Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in der Stadt einsetzen. Passiert aber ist nichts. In der Kommunalpolitik muss endlich ein Umdenken stattfinden. Neben dem Schul- und dem Straßenbau sind auch Freizeitstätten für Jugendliche und junge Familien wichtig. Es ist einfach nicht richtig, dass Jugendliche nur noch vor dem Computer hängen. Aber wo sollen sie denn in der Region hin? Eine Kinokarte wie im A 10 für zehn oder 14 Euro können sie sich mal, aber nicht ständig leisten.

Woran mangelt es den Jugendlichen in der Stadt am meisten?

Thiele: Viele Jugendliche wünschen sich eine Skater-Bahn oder eine Motocross-Strecke. Auch die Jugendklubs sind viel zu klein, um ordentliche Konzerte oder eine Disco auf die Beine stellen zu können. In unserem Jugendfreizeitzentrum in der Erich-Weinert-Straße können wir, wenn wir alle Möbel rausräumen, maximal 140 Stehplätze anbieten. Es gibt sogar schon eine Facebook-Gruppe „KW-will-feiern“. In den Ortsteilen sieht es nicht besser aus. Hier kommen oft vor allem in den Abend- und Nachtstunden die fehlenden Busverbindungen hinzu.

Aber wie kommt die Stadt aus dem Desaster raus?

Thiele: Der erste Schritt beginnt im Kopf. Viele Einwohner setzen Jugendarbeit heute fast automatisch mit Krach, Vandalismus und Schlägereien gleich. Sie soll daher keinesfalls vor ihrer eigenen Haustür stattfinden. Dabei wäre es durchaus eine Option, dass beispielsweise die alte Kaufhalle unweit der Bredow-Oberschule in ein Freizeithaus umgewandelt wird. Langfristig könnte auch der Jugendverein „Stubenrausch“ ein Sendehaus auf dem Funkerberg betreiben. Dort wäre zudem Platz für die Proben von Jugendbands. Anwohner würden bei Konzerten nicht großartig gestört und die Erreichbarkeit auch mit Fahrrädern gesichert. Aber man muss dies eben auch wollen und nicht nur reden.

In der Stadt wird immer wieder der Vorwurf laut, dass viele Jugendliche nur noch konsumieren wollen und zu wenig selbst auf die Beine stellen. Was sagt Ihre Erfahrung?

Thiele: Das ist Unsinn. Im Landkreis sind über 8000 Mädchen und Jungen in Kinder- und Jugendverbänden organisiert. Es ist großartig, wie viele von ihnen allein jetzt in der Ferienzeit in den unterschiedlichsten Camps ehrenamtlich als Betreuer tätig sind. Das Schlimme aber sind bei Events die bürokratischen Hürden. 20 Prozent der Zeit erfordert das eigentliche Event, 80 Prozent gehen für das Verwalten drauf. Da sollen Jugendliche zu Behörden rennen, auf jeden Bedenkenträger hören, diverse Anträge stellen, Versicherungsfragen klären und minuziös jeden Cent Fördergeld abrechnen. Und bitteschön auch jede Rechnung aufkleben und mit jedem Getränkeanbieter einen eigenen Vertrag ausarbeiten. Wen wundert es denn da, wenn sie letztlich sagen: ,Lass mal gut sein, das mach‘ ich nicht’?


Von Franziska Mohr

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