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Der knisternde Klang von Vinyl

Record Store Day Der knisternde Klang von Vinyl

Als eine der letzten ihrer Art betreibt Daniele Brusgatis in ihrem Musikshop in Königs Wusterhausen einen Plattenladen – in der Region eine Seltenheit. Heute ist Record Store Day zu Ehren kleiner unabhängiger Plattenläden wie der von der 56-Jährigen aus Königs Wusterhausen. Für sie gibt es viele Gründe, warum Vinyl nicht aussterben wird.

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Die Betreiberin des Musikladens in Königs Wusterhausen: Daniele Brusgatis.

Quelle: Melanie Höhn

Dahmeland-Fläming. Daniele Brusgatis will nicht einfach nur eine Taste drücken, um Musik zu hören. Ihr ist es wichtig, mit Liedern und Gesang bewusst umzugehen – die Inhaberin des Musikladens in Königs Wusterhausen liebt es, eine LP in den Händen zu halten und sie dann wie ein rohes Ei in den Plattenspieler zu legen. „Für mich ist der Klang von Vinyl ein einzigartiges Erleben von Musik“, sagt die 56-Jährige, die privat etwa 200 Platten ihr Eigen nennt. „Das Cover einer Schallplatte ist mindestens vier Mal so groß wie das einer CD, es sticht sofort ins Auge“, so die Unternehmerin, die mit 17 Jahren in ihrer Heimatstadt Königs Wusterhausen anfing, Tonträger an den Mann zu bringen. Sie machte eine Lehre als Verkäuferin für Sport, Spiel und Freizeit und arbeitete von 1976 bis 1983 in dem Geschäft, das sie heute betreibt. Nach ihrer Babypause kamen Umwege in den Verkauf, doch eigentlich wollte sie immer wieder zurück zur Musik. 1997 eröffnete Daniele Brusgatis dann den Laden in der Bahnhofstraße 10. Gemeinsam mit ihrem Mann Helge, der ein Foto-Geschäft betreibt, teilt sie sich seit 2001 den Shop.

Mit Musik von Deep Purple und Led Zeppelin wuchs die Königs Wusterhausenerin auf. Doch am liebsten lauscht sie den Liedern der 1994 in Berlin gegründeten Gruppe Rammstein. Am heutigen Record Store Day, dem internationalen Tag unabhängiger Plattenläden, nimmt sie zwar nicht teil, im Oktober ist sie aber wieder an der Plattenladenwoche beteiligt. Dann werden limitierte Schallplatten-Editionen in ihrem Laden ausliegen und wieder schnell vergriffen sein. 2011 gab Eric Fish, Frontmann der Band Subway to Sally, in ihrem Shop eine Autogrammstunde. Im Oktober 2012 war der Sänger und Komponist Dirk Michaelis zu Gast.

Drei bis vier Monate Wartezeit für eine LP ist keine Seltenheit

Allein durch den Verkauf von Platten könnte Daniele Brusgatis’ Musikshop nicht überleben: „Es funktioniert hier nur in Kombination mit dem Ticketservice“, sagt sie. Unabhängige Plattenläden in der Region kennt sie nicht. „Der nächste Plattenladen, der mir einfällt, ist in Fürstenwalde“, so die gelernte Verkäuferin. Sie fügt hinzu: „Die meisten, die sich Platten kaufen wollen, fahren nach Berlin. Dort gibt es einfach mehr zu stöbern und die Leute können die Tonträger dort gleich kaufen. Bei mir müssen sie bestellen.“ Drei bis vier Monate Wartezeit für eine LP ist keine Seltenheit. Eine große Auswahl anzubieten lohnt sich für sie nicht, im Shop selbst liegen nur wenige Exemplare aus: „Dafür gibt es hier zu wenig Leute, in Berlin ist ein anderes Potenzial vorhanden.“

Mit ihrer Begeisterung für Schallplatten ist Daniele Brusgatis nicht allein, denn Vinyl erfreut sich zurzeit wieder größter Beliebtheit. „Nachdem die kleinen Plattenläden es nicht aussterben lassen haben, sind große Märkte wieder auf den Zug aufgesprungen. Die Schallplatte ist das einzige Segment, das stetig wieder wächst“, erzählt sie. Vor der Wende konnten Platten in den Rundfunk- und Fotoläden der Kreisstädte gekauft werden, heute gibt es die unabhängigen Plattenläden oder eben große Elektronikfachmärkte, die die Tonträger anbieten. Die Nachfrage nach Vinyl ist bei ihr in den letzten Jahren wieder gestiegen; an den CD-Absatz komme sie aber noch nicht heran. „Viele Leute stellen wieder fest, dass Schallplatten ein tolles Hörerlebnis bieten. Vor allem die, die mit diesen Tonträgern aufgewachsen sind“, erzählt sie.

Geschmäcker verschieben sich mit den Generationen

Generell stellt die Musikliebhaberin fest: Je bekannter der Künstler, desto besser verkauft sich die Platte. Klassiker wie Led Zeppelin, Deep Purple und Kraftwerk gehen bei ihr oft über den Ladentisch. „Rock, Pop oder Jazz sind immer beliebt. Aber auch Kinderschallplatten wie Pipi Langstrumpf oder Tabaluga werden immer mal wieder nachgefragt“, so Daniele Brusgatis. Viele ihrer Stammkunden mögen auch Bob Dylan, Elvis Presley oder Musical-LPs à la West Side Story. „Geschmäcker verschieben sich mit den Generationen. 1997 habe ich noch viel Volksmusik verkauft, das ist inzwischen fast weg. Schlager sind aber gut dabei“, so Brusgatis. „Es ist jetzt nicht mehr so, dass man automatisch Marianne und Michael hört, wenn man 60 ist. Ich habe viele Kunden, die über 70 sind und Rockmusik mögen.“ Durch den Einkaufsverband A.M.M. bekommt sie als Mitglied viele Tipps und kann sich über Platten-Neuerscheinungen informieren. DJs, die mit Platte auflegen, kenne sie im Landkreis nicht mehr, die meisten sind auf virtuelle Mischpulte umgestiegen.

Daniele Brusgatis’ Kunden, vorwiegend ältere Herren, die Rock und Pop hören wollen, kommen nicht nur aus Königs Wusterhausen und Umgebung, sie reisen auch aus Lübben, Teupitz oder Zossen an. Inzwischen zählt sie aber auch junge Frauen zu ihren Kundinnen. Für die Shopinhaberin steht fest: „Ich denke nicht, dass Vinyl in den nächsten zehn Jahren aussterben wird.“

Ein reiner analoger Klang

Im Moment ist die Schallplatte jedenfalls weit weg vom Verschwinden und es gibt viele Spekulationen, warum Vinyl wieder im Trend ist. Klaus Schliebner, Anbieter von Elektronikbauteilen und Unterhaltungselektronik in Luckenwalde, glaubt, dass es etwas mit dem Retro-Gedanken zutun hat. „Es ist eine Hommage an die Vergangenheit, wieder Platten zu hören“, ist er überzeugt. Auch Schliebner hat in den letzten Jahren ein leicht steigendes Interesse an Plattenspielern in seinem Geschäft beobachtet. Im Gespräch mit seinen Kunden konnte er feststellen, dass viele an der Musikqualität interessiert sind: „Es ist einfach ein reiner Klang, analog, nicht digital. Das ist am dichtesten dran an der Natürlichkeit.“ Auch er weiß, dass es sich nicht lohnen würde, in Luckenwalde einen Plattenladen zu eröffnen. Seine Kunden erzählen ihm oft, dass sie in Berlin oder Potsdam eine sehr große Musikauswahl haben: „Es ist einfach praktisch, dass wir so dicht dran sind an der Hauptstadt.“

Von Melanie Höhn

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