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Deutsche Sprache, schwere Sprache

MAZ-Serie „In der neuen Heimat“ Deutsche Sprache, schwere Sprache

Familie Yassin lernt Deutsch – die einen mit mehr Erfolg, die anderen mit weniger. Eigentlich sollten Rabiha und ihr Mann Mohammed an einer Schule unterrichtet werden sollen. Doch der Kurs war Anfang April gestrichen worden. Seither lernt Rabiha zweimal wöchentlich die deutsche Sprache bei einer Ehrenamtlerin.

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Rabiha übt schreiben.

Quelle: Oliver Fischer

Ludwigsfelde. Ich mache mir Sorgen. Du machst dir Sorgen. Er, sie, es macht sich Sorgen. Diese Pronomen, dieses Verb mit den unterschiedlichen Endungen. Ich, mir, du und dir. Wer bitte soll das verstehen? Rabiha kritzelt mit einem Bleistift arabische Schriftzeichen auf ihr Arbeitsblatt und schaut konsterniert. „Ich mache mir Sorgen“, murmelt sie.

Der Satz wäre eigentlich ihrer. Sie könnte ihn täglich sagen, zu irgendjemandem. Schließlich hängt die drohende Abschiebung wie eine dunkle Wolke über der Familie. Aber einfach nur da sitzen und sich Sorgen machen, das nutzt ja nichts, sagt Rabiha. Lieber will sie Deutsch lernen. Wenn es doch nur nicht so kompliziert wäre.

Deutsch bei einer Ehrenamtlerin

Sie und ihr Mann Mohammed hätten eigentlich Unterricht an einer Schule bekommen sollen, aber der Kurs war Anfang April gestrichen worden. Seither lernt Rabiha Deutsch bei einer Ehrenamtlerin, die zweimal in der Woche in die Unterkunft kommt. Die Lehrerin teilt Zettel mit Vokabeln aus, sie lässt Zeitungsartikel übersetzen und gibt Hausaufgaben. Das Tempo ist hoch, sagt Rabiha, es geht auch ein bisschen durcheinander, viel versteht sie nicht. Und die Aussprache – unmöglich. Im Arabischen gibt es nicht so viele Vokale. O und Ö kann Rabiha nicht unterscheiden. Wenn sie „Wörter“ sagt, klingt es wie Worter. „Schwein“ indes geht besser. Schwein muss sie oft sagen. Beim Einkaufen fragt sie, ob irgendetwas Schwein enthält. Muslime dürfen kein Schwein essen. „No Schwein“, sagt Rabiha. Es klingt passabel.

Für mehr fehlt ihr die Zeit. Sie hat Familie, drei Kinder. Erst nachts, wenn alle im Bett sind, setzt sie sich in die Küche und blättert sich durch ihre Vokabeln. Ich habe. Ich bin. Ich werde. Darüber hat sie drei Stunden gebrütet, aber dass sie die Verben beherrscht, kann man nicht behaupten.

Firas hilft beim Lernen

Heute ist ein Freund da, der ihr ins Gewissen redet. Firas ist ein junger Syrer, zu dem viele seiner Landsleute in Teltow-Fläming aufschauen. Er ist erst seit etwas mehr als einem Jahr in Deutschland, aber weil er die ganze Zeit kaum etwas anderes gemacht hat, als „zu büffeln“, wie er es ausdrückt, spricht er fast wie ein Muttersprachler. Ich habe, ich bin, ich werde. „Das ist die Grundlage!“, sagt Firas zu Rabiha. „Das musst du können, diese Wörter benutze ich jeden Tag!“ Dann nimmt er sich ihre Aufgaben vor, korrigiert, was sie geschrieben hat, und geht die Zeitformen durch. Präsens: Ich besuche dich. Perfekt: Ich habe dich besucht. Präteritum: Ich besuchte dich. Plusquamperfekt ... da hört Rabiha schon nicht mehr hin.

Ihren Kinder fällt das leichter. Rabi ist einer der Besten in seiner Willkommensklasse, auch seine Schwester Hala kann inzwischen ziemlich gut lesen und sich unterhalten. Mit Problemen oder Fragen müssen sie allerdings selbst fertig werden – ihre Eltern sind keine große Hilfe. „Das ist schrecklich. Ich habe meinen Kindern immer bei allem geholfen“, sagt Rabiha. Das müsse bald auch beim Deutschen so sein. Das sagt sie freilich auf Englisch. Und sie schaut dabei, als machte sie sich Sorgen. Ernsthaft.

Info: Die Yassins sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und leben seit 13 Wochen in einer Flüchtlingsunterkunft in Ludwigsfelde. Die MAZ begleitet die Familie auf ihrem Weg und berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. Alle Folgen sind zu finden unter: www.maz-online.de/Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Oliver Fischer

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