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Dialog mit Flüchtlingen in Zeuthen

Asylbewerber berichten Dialog mit Flüchtlingen in Zeuthen

Nicht über, sondern mit Flüchtlingen zu reden, stand bei einer Veranstaltung in Zeuthen unter dem Motto „Auf der Flucht“ im Mittelpunkt. Mitglieder der Basisorganisation der Linken aus Zeuthen, Schulzendorf, Eichwalde und Schönefeld hatten dazu eingeladen und rund 60 Interessierte kamen.

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Die afghanische Familie Salari erzählte von ihrem Leben im Iran. Sie hat jetzt in Zeuthen eine Wohnung gefunden.

Quelle: Uta Schmidt

Zeuthen. Einmal nicht nur über Flüchtlinge sondern mit ihnen reden, das war das Anliegen einer Veranstaltung am Donnerstagabend unter dem Motto „Auf der Flucht“ in der Paul-Dessau-Gesamtschule Zeuthen. Eingeladen hatten Mitglieder der Basisorganisationen der Linken aus Zeuthen, Schulzendorf, Eichwalde und Schönefeld, die in ungezwungener Atmosphäre mit Flüchtlingen und Bürgern ins Gespräch kommen wollten. „Wir reden viel über Integration, meinen aber Assimilation. Wir reden im besten Fall viel über Toleranz, machen uns aber nicht klar, dass Toleranz Duldung heißt. Dulden kann ich viel, ohne es kennen lernen zu müssen“, stimmte Gastgeber Jens Wollenberg aus Schulzendorf die gut 60 Gäste ein.

Gastgeber Jens Wollenberg (l) bedankte sich bei Jossif Gebrhiwet aus Eritrea für seine bewegenden Schilderungen

Gastgeber Jens Wollenberg (l.) bedankte sich bei Jossif Gebrhiwet aus Eritrea für seine bewegenden Schilderungen.

Quelle: Uta Schmidt

Zum Auftakt berichtete der Meeresbiologe Jossif Gebrhiwet von seinem wochenlangen Weg aus Eritrea über den Sudan und Libyen, das Mittelmeer bis nach Europa. Als Fluchtgründe nannte er ein Leben in Diktatur und Unfreiheit sowie den Zwang zu einem zeitlich unbegrenzten Militärdienst. „Studierte Leute dürfen in Eritrea oft nicht in ihrem Beruf arbeiten. Ich konnte nur zwei Jahre arbeiten, danach sollte ich zum Militär“, sagte Gebrhiwet. Vor zwei Jahren in Deutschland angekommen, beherrscht der junge Mann die deutsche Sprache bereits so gut, dass er Vorträge vor einer großen Runde halten kann. Bewegend waren nicht nur seine persönlichen Schilderungen. Er zeigte Fotos aus seiner Heimat, Bilder von Folteropfern ebenso wie von fröhlichen Feiern. Der Weg durch die Wüste in engen Fluchtautos oder zu Fuß bis nach Libyen könne bis zu 30 Tagen dauern. Nur die Hälfe der Menschen würde den Weg bis nach Europa schaffen, so sein Fazit.

Asylbewerber schilderten Erfahrungen von der Flucht

In sechs unterschiedlichen Gesprächsrunden schilderten die Gäste aus Syrien, Eritrea, Somalia und dem Iran anschließend ihre Fluchtgründe und Wünsche für ein Leben in Deutschland. Die deutschen Teilnehmer formulierten die Erwartungen an ihre neuen Mitbürger. So freut sich die afghanische Familie Salari jetzt nach einem fünfmonatigen Aufenthalt im Asylbewerberheim von Pätz auf den Umzug in die eigene Wohnung in Zeuthen. Die siebenjährige Tochter Setayesch möchte in der neuen Schule Freunde finden und gut Deutsch sprechen lernen.

Auf eine Ausbildung als Mechaniker hofft der 19-jährige Roble aus Somalia, der auch gern das Abitur machen würde. Er sei aus seinem Heimatland geflohen, weil der Vater gegen die Drogenmafia gekämpft habe, erklärte der Jugendliche. Seit einigen Tagen lebt er in einer Wohngemeinschaft in Königs Wusterhausen. „Hier habe ich einen Patenonkel gefunden, der mir immer im Alltag hilft“, so der junge Mann. Der 27-jährige Kurde Hussain Hamki verließ Syrien, weil er nach dem Studium in die Armee eintreten und kämpfen sollte. In gutem Deutsch schilderte er, dass er sich mehr Kontakt zu deutschen Menschen wünscht, um die Sprache und die Regeln im Lande noch besser beherrschen zu können. „Vor allem wünsche ich mir Arbeit als Ingenieur, würde auch ein Praktikum beginnen“, so der Syrer.

Senziger will Flüchtlingspate werden

„Heute haben wir die Möglichkeit mit Menschen zu reden, die auf der Flucht waren, mit der Aussicht, dass der Titel unserer Veranstaltung in ‚Auf der Flucht – angekommen’ geändert wird, fasste Wollenberg die Gespräche zusammen. „Die Begegnung hat gezeigt, dass wir gut zusammenleben können.“ Die Runde sei Auftakt für weitere Veranstaltungen.

„Ich würde mich gerne als Pate einbringen“, sagte Wilfried Vollmer aus Senzig. Der Beamte weilte viele Jahre als Auslandslehrer des Goethe-Instituts in Namibia und Südamerika und möchte seine Erfahrungen weiter nutzen. Linke-Gemeindevertreterin Marina Scholz lud die Runde bereits zum „Bürgerfest in der Kastanienallee“ am 28. Mai ein, wo die Neu-Bürger und Dahmeländer erneut zueinander finden können.

Von Uta Schmidt

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