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Dichter zwischen Lust und Frust

Fontanekreis Zeuthen Dichter zwischen Lust und Frust

Die letzte Veranstaltung des Fontanekreises Zeuthen im Jahr 2015 stand unter dem Motto „UIk, Radau, Mumpitz – gefeiert und auch wieder nicht“. Roland Berbig, Literaturprofessor und Vizevorsitzender der Fontane-Gesellschaft, sprach im Desy Zeuthen zum Thema „Fontanes Feiern und Feste“.

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Etwa 40 Literaturinteressierte kamen zu der Veranstaltung.

Zeuthen. Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Theodor Fontane zu den bekanntesten Persönlichkeiten und öffentlichen Erscheinungen in Preußen. Jubiläen wie seine Feier zum 70. Geburtstag im Januar 1890 waren Großereignisse. Gefeiert wurde im „Englischen Haus“ in der Berliner Mohrenstraße. Zur Festdekoration gehörte eine rot angeleuchtete Gipsbüste des Poeten, sogar ein Minister sprach „Worte voller Mut, Freiheit und Humor“. Hübsch sei das Fest gewesen, aber zum Glück vorbei, bemerkte Fontane danach. Ein Ausdruck dafür, dass er wohl selbst keine große Freude an derlei Anlässen hatte. „Fontane sagte, ihm habe es für den richten Sinn für Feierlichkeiten gefehlt“, stimmte Joachim Kleine, der Vorsitzende des Fontankreises Zeuthen, am Samstag in die letzte öffentliche Veranstaltung des Vereins in diesem Jahr ein. Sie stand unter dem Motto „Ulk, Radau, Mumpitz – gefeiert und auch wieder nicht“.

Literaturprofessor Roland Berbig (l) und Joachim Kleine, der Vorsitzende des Fontanekreises Zeuthen

Literaturprofessor Roland Berbig (l.) und Joachim Kleine, der Vorsitzende des Fontanekreises Zeuthen.

Quelle: Uta Schmidt

Roland Berbig vom Institut für Deutsche Literatur der Humboldt-Universität in Berlin beleuchtete unterhaltsam „Fontanes Feiern und Feste“. „Das ist ein absolut neuer Vortrag, den ich extra für Zeuthen ausgearbeitet habe“, so der Kenner in Respekt vor der Arbeit der Fontane-Freunde in Zeuthen. Berbig ist Vizevorsitzender der Fontane-Gesellschaft und hat eine fünfbändige Fontane-Chronik erarbeitet. „Die Faszination an Fontane besteht für mich in dessen absolut unverwechselbarem Ton, der nicht auf einen Nenner zu bringen ist. Mit ihm würde ich heute im Dialog bleiben“, so der Literaturprofessor. Fontane (1819-1898) schildere Tischgesellschaften mit so viel Süffisanz, dass man sich selbst darin wiederfinde. Feiern hätten es zu seinen Zeiten in sich gehabt und wären ein Gemisch aus Patriotischem und Privatem gewesen, meinte Berbig.

Aber wie war es mit dem Verhältnis des Meisters zu Feierlichkeiten bestellt? Eine Frage, die auch die Diskussionsteilnehmer der Veranstaltung im Desy beschäftigte. Berbig schilderte, wie intensiv Fontane als „verlässlicher Gratulant und Gelegenheitspoet“ in Erscheinung getreten sei. Er habe oft als „Festdienstleister“ zu preußischen Festtagen gereimt. Am Ende seines Lebens distanzierte er sich jedoch zunehmend von diesen Arbeiten. „Feste waren für Fontane Last und Lust, Vergnügen und Pflicht. Aber auch Quelle für Menschenstudien“, so Berbig. Fontanes Fazit lautete: „Man bringt es nicht weit bei fehlendem Sinn für Feierlichkeit“. Zwanglosigkeit sei das Beste, das man seinen Gästen anbieten könne.

Den kurzweiligen Vortrag wollten neben weiteren 35 Zuhörern auch Susanne Manske und Regina Bayr nicht verpassen. „Als Deutschlehrerin habe ich mich viel mit dem Werk Fontanes beschäftigt und mich darüber gefreut, wenn Schüler Interesse daran gezeigt haben. Vor allem an seinen Arbeiten, die in Zeuthen entstanden sind“, so Manske.

Seit April 1985 erinnert der Fontane-Kreis Zeuthen mit Veranstaltungen an die vielschichtige Beziehung Fontanes zu Zeuthen, die Bedeutung seines literarischen Werkes und somit an ein einzigartiges Stück Heimatgeschichte. Der Verein wurde 1990 Mitbegründer und Mitgestalter der weltweit verbreiteten Theodor-Fontane-Gesellschaft Neuruppin.

Von Uta Schmidt

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