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Die Angst vor dem Verkehrskollaps am BER

Schönefeld Die Angst vor dem Verkehrskollaps am BER

Das „Dialogforum Airport“ schlägt Alarm. Um bei der Eröffnung des BER einem Verkehrskollaps zu entgehen, fordert das Forum Sofortmaßnahmen für den Ausbau der Infrastruktur rund um den neuen Flughafen in Schönefeld – und mehr Initiative des Landes. Eine Studie gibt konkrete dringliche Handlungsempfehlungen.

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Die Straßen rund um den BER sind bereits jetzt häufig an der Grenze dessen, was sie an Verkehr bewältigen können.

Quelle: Uta Schmidt

Schönefeld. Spät, aber vielleicht noch nicht zu spät schlägt jetzt auch das „Dialogforum Airport“ Alarm, um noch rechtzeitig vor der BER-Eröffnung die Grundlagen für eine bessere Verkehrsinfrastruktur im Airportumfeld zu schaffen. Die Mitglieder der Informations- und Kommunikationsplattform aus Vertretern von Kommunen, der Landkreise Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming sowie der Flughafengesellschaft und deren Gesellschaftern fordern von den Landesregierungen in Berlin und Brandenburg deutlich mehr Initiative beim Ausbau der Verkehrswege und Verkehrseinrichtungen in der BER-Region.

Begründet wird diese Forderung mit den Ergebnissen aus einer Studie zur Evaluierung des Gemeinsamen Strukturkonzepts Flughafenumfeld aus dem Jahre 2006. Das Ergebnis auf 130 Seiten: Die Flughafenregion wird als Wohn- und Arbeitsstandort zwar immer attraktiver und ein weiterer Schub wird mit der Eröffnung des BER erwartet, doch daraus resultieren auch konkrete Handlungsempfehlungen. Vier von den insgesamt 18 Punkten sind „Sofortmaßnahmen mit besonderer Dringlichkeit“: Die Ertüchtigung des S-Bahnhofs Schönefeld, der Ausbau der Osdorfer Straße und der Radschnellverbindung BER-Königs Wusterhausen sowie ein elek­tronisches Verkehrsleitsystem für Fluggäste.

35 Millionen Fluggäste erwartet

„Wir müssen heute diese Verkehrsthemen anpacken, ansonsten stehen wir nach der BER-Eröffnung im Dauerstau“, sagte Carl Ahlgrimm, Vize-Vorsitzender des Dialogforums. Schon jetzt würden zehn Millionen Passagiere pro Jahr in Schönefeld abgefertigt, jeder kenne den aktuellen Zustand auf der Berliner Stadtautobahn. Was passiert, wenn 35 Millionen Fluggäste ab Schönefeld fliegen wollen? Die Notwendigkeit des massiven Nachlegens in Sachen Verkehrswegebau resultiere ebenso aus dem geplanten Offenhalten des alten Flughafenterminals sowie zu erwartenden Verkehrsbehinderungen durch den Regierungsflughafen.

„Noch ist es ein Bauchgefühl, aber wenn Tegel nach der Inbetriebnahme des BER schließt und alle Passagiere, Besucher und BER-Mitarbeiter von und nach Schönefeld fahren, dürfte es zum Verkehrskollaps kommen“, sagte Detlef Gärtner, Arbeitsgruppenleiter im Dialogforum und Beigeordneter des Landkreises Teltow-Fläming. Die zu erwartenden Entwicklungen müssten daher genauer analysiert sowie ein Mobilitäts- und Verkehrskonzept für die ganze Flughafenregion aufgestellt werden. Gebraucht werde schnellstens eine verlässliche Datenbasis über Verkehrsströme und Anforderungen nach der Flughafeneröffnung.

Gesamtregion soll betrachtet werden

Ahlgrimm formulierte es drastischer: „Wir erwarten eine Katastrophe und halten es für sträflich, den Kopf in den Sand zu stecken.“ Beispiel Osdorfer Straße in Großbeeren: Die Gemeindestraße führt nach Berlin und wird als länderübergreifende Verbindung schon jetzt von rund 10 000 Fahrzeugen am Tag genutzt. „Sie ist aber zum Teil auf nur 4,60 Meter ausgebaut und entspricht nicht den Vorgaben einer Landesstraße. Sie muss dringend ertüchtigt werden“, berichtete der Bürgermeister von Großbeeren. Die Gemeinde werde deshalb im kommenden Jahr die Ausbaukosten von vier Millionen Euro übernehmen, damit die Straße noch vor Inbetriebnahme des BER entsprechend ausgebaut werden kann. Der Ausbau muss dann auf Berliner Seite fortgeführt werden.

Die Planer und Vertreter des Dialogforums empfehlen die Betrachtung der Gesamtregion, um angemessene Verkehrsbeziehungen zu entwickeln. „Da gibt es Konsens, dass diese Handlungsfelder nicht von einzelnen Gemeinden geschultert werden können. Das geht nur zusammen“, sagte Ahlgrimm. Herausforderungen bestehen aber nicht nur für die Steuerung des Individualverkehrs, sondern auch für den Öffentlichen Nahverkehr, der über Landesgrenzen hinweg führt. Allein der Pendlerverkehr zwischen Berlin und dem Umland sei im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent gestiegen.

Flughafengemeinde Schönefeld besonders gebeutelt

Die aktuelle Studie macht zudem einen erhöhten Bedarf an Wohnungen, Kitas, Schulen und Freizeitstätten aus, sollte die Einwohnerzahl in der Flughafenregion um weitere 12 500 Bürger steigen. „Besonders gebeutelt ist da die Gemeinde Schönefeld, die viele Infrastrukturmaßnahmen stemmen muss, gleichzeitig aber durch den Landesfinanzausgleich besonders stark zur Kasse gebeten wird“, safte Detlef Gärtner. 30 Millionen Euro fließen pro Jahr aus den Flughafenumfeld-Kommunen an das Land ab. Mittel, die jedoch dringend in der Region benötigt würden.

Am 7. Dezember werden sich die Vertreter des Dialogforums Airport in Schönfeld treffen, um die Handlungsempfehlungen der Studie zu diskutieren. Erwartet wird ein Beschluss, mit dem diesen Forderungen nach Sofortmaßnahmen an die Landesregierung Nachdruck verliehen wird. Rechtskraft hat ein solcher Beschluss allerdings nicht.

Ansprechpartner vor Ort

Das Dialogforum tagt im Bürgerberatungszentrum in der Mittelstraße 11 von Schönefeld. Dort werden auch alle Schallschutzangelegenheiten für die Flughafenanwohner bearbeitet. In den Räumen können sich die Bewohner der BER-Region von den Experten detailliert über Fluglärm und Schallschutz informieren lassen.

Die Ausstellung ist montags und dienstags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr, donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17.30 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr im Flughafen-Beratungszentrum geöffnet. Kontakt:  0 30/6 34 10 79 00,
www.flughafen-beratungszentrum.de

Von Uta Schmidt

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