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Die erste Frau an der Spitze der BHG

Friedersdorf Die erste Frau an der Spitze der BHG

Pläne für den Ausbau der BHG in Friedersdorf hat Chefin Annett Rothe schon im Kopf. Für ihre Umsetzung sind allerdings noch einige Gespräche mit der Unteren Bauaufsicht erforderlich. Die 51-Jährige ist optimistisch. Ein Wesenszug, mit dem sie es als erste Frau in der über 120-jährigen Geschichte der Raiffeisengenossenschaft Friedersdorf bis an die Spitze brachte.

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Chefin Annett Rothe ist nach ihrer Visite im Friedersdorfer Haus- und Garten- sowie im Baumarkt zufrieden.

Quelle: Franziska Mohr

Friedersdorf. Ohne die tägliche Visite morgens gegen 8 Uhr durch den Haus- und Garten- sowie den Baumarkt in Friedersdorf geht bei Annett Rothe gar nichts. „Ich muss das aktuelle Angebot kennen und sehen, dass alles läuft“, sagt die diplomierte Ingenieurökonomin, die fast auf den Tag genau seit drei Jahren in der Raiffeisengenossenschaft Friedersdorf als hauptamtlicher Vorstand tätig ist. Erst danach könne sie sich an ihren Schreibtisch setzen und ihr meist randvolles Mailfach checken.

Pläne längst im Kopf

Für den Umbau des schon 1893 eröffneten und mehrfach erweiterten Marktes hat Rothe aktuelle Pläne längst im Kopf. Sie will die derzeitige „Hüttenstruktur“ auf dem Hof beseitigen. Stattdessen schwebt ihr der Bau einer großen Halle mit einer Verkaufsfläche von etwa 1200 Quadratmeter vor, in der das Angebot des Haus- und Garten- sowie des Baumarktes zusammen präsentiert werden kann.

Damit könnte das Gesamtareal weitaus kundenfreundlicher gestaltet werden. Allerdings müsse Rothe zufolge gemeinsam mit der Gemeinde Heidesee und der Unteren Bauaufsicht noch kräftig an den Bauplänen gefeilt werden, sodass sie sich auch in das Ortsbild einfügen. Die Chefin ist diesbezüglich optimistisch: „Mein Lebensmotto lautet schließlich, dass es keine Probleme, sondern nur Lösungen gibt.“

Leitmotiv hat sich bewährt

Ein Leitmotiv, das sich in den 14 Jahren, in denen die kleine, agile Frau im Unternehmen ist, bereits bewährte. Bei der BHG begann sie 2002 als Hauptbuchhalterin noch unter dem damaligen Leiter Heinz Heckert, der mehr als 50 Jahre in diesem Markt arbeitete. „Obwohl der Handel eigentlich eine Frauen-Domäne ist, bin ich als Chefin eines Baumarktes mit über 30 Mitarbeitern noch immer eine Exotin“, sagt Rothe. Über die Gründe kann auch sie nur spekulieren. Möglicherweise liege es daran, dass viele Frauen nur Teilzeit arbeiten, vielleicht scheuen sie auch ein wenig die Verantwortung oder aber sie werden von der Führungsriege der Männer erst gar nicht so weit vorgelassen. Die 51-Jährige weiß es nicht.

Sie jedenfalls hat sich getraut, in der 123-jährigen Geschichte des Friedersdorfer Marktes als erste Frau die Regie zu übernehmen. Neben ihrer beruflichen Erfahrung bei der Deutschen Reichsbahn sowie der Dussmann AG kam ihr dabei in der Rückschau sicher auch ihre – wenn auch anfänglich nicht unbedingt angestrebte – schon sehr früh erworbene soziale Kompetenz zugute. Bereits mit 17 Jahren Mutter geworden, legte sie das Abitur schon mit einer einjährigen Tochter ab und ging anschließend mit ihr zum Studium nach Dresden. „Da habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen und mich durchzusetzen“, sagt Rothe rückblickend.

Tugenden kommen ihr zugute

Tugenden, die der seit 28 Jahren glücklich verheirateten, zweifachen Mutter und nun auch schon vierfachen Großmutter bis heute zugutekommen. Bewertet sie doch das Auswählen der etwa 30 000 im Markt sowie an der Raiffeisen-Tankstelle am Abzweig nach Blossin erhältlichen Artikel keinesfalls als das Schwierigste. „Eine echte Herausforderung ist die Arbeit mit dem Personal“, sagt sie. Zumal es gerade bei den jüngeren Mitarbeitern immer wieder den einen oder anderen gäbe, der zwar viele eigene Bedürfnisse und Rechte, aber leider kaum Pflichten kenne. Sie findet es auch schade, dass sich bei der BHG für August noch immer kein geeigneter Azubi beworben hat. Interessenten sind hoch willkommen.

Aber auch die Kunden hätten sich ein verändert. Nicht wenige kaufen hier wie der Blossiner Harald Grund schon seit 45 Jahren ein. Sie schätzen es, dass sie vom Personal gleich mit ihrem Namen begrüßt werden. „Die Beratung hier ist top“, lobt Grund, der gerade spezielle Leisten für seine Treppe sucht. Aber auch hier spüren die Mitarbeiter Rothe zufolge den zunehmenden Druck des Internethandels. Da werde dann zwar die ausführliche Vor-Ort-Beratung genutzt, die Bestellung erfolge aber im Netz. Einige wenige Kunden würden auch sofort aggressiv, sobald eine bestimmte Ware nicht gleich vorrätig ist.

Annett Rothe rät ihren Mitarbeitern, in jedem Fall die Ruhe zu bewahren. Sie selbst versucht bei der Arbeit im eigenen Garten oder bei Radtouren ihren Akku wieder aufzuladen. Und bisher gelingt ihr dies offenbar recht gut. Das jedenfalls weist die Geschäftsbilanz des Friedersdorfer Haus- und Garten- sowie des Baumarktes aus.

Von Franziska Mohr

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