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Die vierte Wand fällt

Schultheater Villa Elisabeth Die vierte Wand fällt

Schüler des Gymnasiums Villa Elisabeth führten Molières Komödie „Der Geizige“ auf. Die Inszenierung überzeugte die Zuschauer im Wildauer Seniorenheim, die die jungen Akteure mit viel Applaus belohnten. Als Besonderheit beschränkten sich die Schüler nicht auf die Bühne, sondern durchbrachen mehrfach die sogenannte vierte Wand zum Publikum.

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Das junge Schauspiel-Ensemble in der Schlussszene.

Quelle: Philip Ziche

Wildau. Der französische Adelige Harpagon ist ein Mann, der sein ganzes Leben einer einzigen Liebe gewidmet hat: dem Geld. Trotz seines Reichtums lebt er in völliger Enthaltsamkeit – es heißt, er stehle sogar seinen Pferden den Hafer aus der Krippe. Seine Kinder wiederum geben gerne Geld aus, sehr zum Ärger des Vaters. Auf diesem Szenario beruht die Komödie „Der Geizige“ des französischen Dramatikers Molière, welche am Mittwoch von Schülern des Gymnasiums Villa Elisabeth im Seniorenheim Wildau gespielt wurde.

Erstmals 1668 im Pariser Palais Royal aufgeführt, zählt „Der Geizige“ zu den bekanntesten Stücken Molières. Damals fiel der satirische Kommentar zu Geldgier und Materialismus beim Publikum durch, erst später kam der große Erfolg.

Einiger Erkältungserscheinungen zum Trotz war das Ensemble vollzählig, um dem Publikum ihre Interpretation des Stückes zu präsentieren. Abgesehen von einem zu Beginn und am Ende vorgetragenen Lied wurden Molières französische Texte in ein modernes Deutsch übersetzt. Und statt sich in Kostüme aus der französischen Mode des 17. Jahrhunderts zu werfen, blieben die Darsteller hauptsächlich modern gekleidet. Nur Harpagon trug traditionelle Kleidung, Kniebundhose und weiße Perücke inklusive. Auch das Bühnenbild wurde auf das Mindeste reduziert und bestand hauptsächlich aus fünf großen Holzwürfeln, die je nach Anlass umgestellt wurden.

Dem zu Grunde liegenden Stoff wurden kleine Zusätze beigefügt, die das Theaterstück gut erweitern. So wurde aus der Heiratsvermittlerin Frosine das Duo Frosine und Francine, das sich den Text teilt. Dadurch erhielt ein Dialog zwischen Harpagon und Frosine eine ganz neue Dynamik. Zudem wurde eine kurze Rahmenhandlung eingebaut, die in das eigentliche Stück einleitet. Interaktion gab es durch häufiges Durchbrechen der vierten Wand: In einer späten Szene begab sich Harpagon in die Zuschauerränge, um in Handtaschen und unter Stühlen nach seinem Schatz zu suchen, und hin und wieder wandten sich Figuren direkt an das Publikum. Dieses war von der komödiantischen Darstellung der Schüler begeistert. Die durchweg gut besetzten Rollen wurden ebenso gut gespielt. Besonders Hauptdarsteller Nicholas Pooch sorgt mit seiner Darstellung des Harpagon immer wieder für Lacher. Die absurden Stimmungsschwankungen des Geizigen tragen viel zur Komik des Stückes bei. Zwölftklässler Pooch ist seit der siebten Klasse Mitglied der Theatergruppe und möchte auch nach der Schule Schauspieler werden. Nur in einer Szene wurde er durch Jonas Gericke ersetzt.

Der stürmische Applaus des Publikums belohnt die Schauspieler für ihre Mühen; die Proben für „Der Geizige“ begannen bereits im September. In früheren Theaterproduktionen zeigten die Schüler unter anderem Goethes „Faust“, Schillers „Kabale und Liebe“ und Shakespeares „Der Sturm“. Welchen Klassiker die Theater AG im kommenden Jahr aufführen wird, bleibt aber vorerst ein Geheimnis.

Von Philip Ziche

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