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Die würdevolle Arbeit der Palliativ-Pflege

Dahmeland-Fläming Die würdevolle Arbeit der Palliativ-Pflege

Wenn klar ist, dass schwerkranke Patienten nicht mehr geheilt werden können, gibt es mit Palliativmedizin noch Mittel und Wege, Schmerzen zu lindern und ein würdevolles Sterben im eigenen Zuhause zu ermöglichen. Dazu besuchen Palliativpflegedienste ihre Patienten rund um die Uhr.

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Isabell Stronka vom Zeuthener Palliativpflegedienst „Kleeblatt“.

Quelle: Anja Meyer

Zeuthen. Isabell Stronka ist täglich mit dem Sterben konfrontiert. Als Palliativschwester begleitet die 32 Jahre alte Schulzendorferin schwerkranke Menschen auf ihrem letzten Weg im Leben. Sie verabreicht ihnen Infusionen, legt Katheter oder hört einfach nur zu. Für ihre Patienten und deren Angehörige sind Isabell Stronka und ihre Kolleginnen vom Zeuthener Palliativpflegedienst „Kleeblatt“ rund um die Uhr erreichbar. Was für viele Menschen deprimierend klingen mag, ist zu Isabell Stronkas großer Leidenschaft geworden. Sie brennt für ihren Beruf – dafür, ihren Patienten die letzte Lebensphase so schmerzfrei und würdevoll wie möglich zu gestalten.

Neun Pflegedienste in der Region

Um diese spezielle Pflegeform zu gewährleisten, gibt es in der Region Dahmeland-Fläming neun Pflegedienste, die sich auf Palliativpflege spezialisiert haben. Der Pflegedienst „Kleeblatt“, für den Isabell Stronka arbeitet, ist der jüngste von ihnen. Einrichtungsleiterin Heike Reitzig hat ihn mit ihren Kolleginnen in diesem Monat neu aufgebaut, zuvor war das Team geschlossen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) tätig – seit der Selbstständigkeit könnten sie sich noch individueller auf ihre Patienten einstellen. „Wenn mich ein Patient dreimal am Tag braucht, dann fahre ich eben dreimal zu ihm“, sagt Isabell Stronka. Auch wenn sie eigentlich schon Feierabend hätte. „Palliativarbeit muss man mit voller Leidenschaft leben, anders geht es nicht.“

Anspruch auf leidensmindernde Medikamente

Die Palliativpflege ist in Deutschland ein relativ junges Feld. 2007 wurde die gesetzliche Grundlage für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) geschaffen. Demnach haben unheilbar kranke Menschen einen Anspruch auf leidensmindernde Medikamente im eigenen Zuhause oder Pflegeeinrichtungen – auch wenn diese nicht immer lebensverlängernd sind.

Das Ziel ist also nicht, dem Leben um jeden Preis mehr Tage zu geben, sondern den letzten Tagen, Wochen oder auch Monaten selbstbestimmt mehr Leben zu verschaffen. So hat es die englische Ärztin Cicely Saunders beschrieben, die als Begründerin der Palliativmedizin gilt. Die SAPV steht jedem Menschen zu, juristische Voraussetzungen sind eine entsprechende Diagnose und eine Patientenverfügung.

Koordinierungsstellen in der Region

Um eine flächendeckende Palliativversorgung zu gewährleisten, wurden Palliativstützpunkte eingerichtet, die als Koordinierungsstellen Kontakte zu speziellen Pflegediensten, Ärzten, Apothekern, Physiotherapeuten und anderem Fachpersonal herstellen und Patienten und ihre Angehörigen umfassend unterstützen. Häufig sind diese Stützpunkte an Krankenhäuser angedockt, in der Region Dahmeland-Fläming liegt ein SAPV-Stützpunkt in Luckenwalde.

Friederike Schneider koordiniert den Stützpunkt in Luckenwalde. Bei ihr melden sich unter anderem Krankenhäuser, die SAPV-Patienten behandeln. Für diese Patienten organisiert Friederike Schneider mit ihrer Kollegin ein umfassendes Angebot. Die Arbeit von ambulanten Pflegediensten wie dem „Kleeblatt“-Palliativpflegedienst schätzt sie als große Bereicherung ein. „Die meisten Menschen haben den Willen, zu Hause zu sterben“, sagt sie. „Aber viele wissen auch gar nicht, dass das überhaupt möglich ist.“

Im Ländlichen fehlen die Fachkräfte

Allerdings gebe es – besonders in Teltow-Fläming – ein Problem bei der flächendeckenden Versorgung. „Wir haben viel zu wenig Fachkräfte, die dafür ausgebildet sind“, sagt Schneider. In einigen ländlichen Teilen des Landkreises könne die Versorgung daher nicht immer gewährleistet werden.

Wer Palliativ-Schwester werden will, muss vorher die Ausbildung zum Kranken- oder Altenpfleger absolviert und Berufserfahrung gesammelt haben. Die Spezialisierung läuft innerhalb eines Jahres über eine 160 Stunden umfassende Weiterbildung. Isabell Stronka hat sie 2013 absolviert – zu ihrem Traumberuf ist die gelernte Altenpflegerin durch einen Schubs ins kalte Wasser gekommen.

Der Ambulante Palliativ- und Hospizdienst in Luckenwalde veranstaltet jährlich eine Gedenkfeier für Angehörige von Verstorbenen

Der Ambulante Palliativ- und Hospizdienst in Luckenwalde veranstaltet jährlich eine Gedenkfeier für Angehörige von Verstorbenen.

Quelle: Elinor Wenke

Sie hatte Spätdienst beim DRK und fuhr zu einer krebskranken Patientin. Als sie ankam, sah sie, dass diese kurz vorm Sterben war. Sie wusste, dass sie Schmerzen lindern kann, indem sie den Portkatheter ansticht und eine Infusion verabreicht. Das Problem: So etwas machen Krankenschwestern und Altenpfleger eigentlich nicht, Isabell Stronka hatte Angst, etwas falsch zu machen. Also rief sie ihre Kollegin Jeannette Kreibich-Paris an. „Ich wusste, dass Isabell das kann“, erinnert sich Kreibich-Paris. „Deshalb habe ich sie am Telefon ermutigt und ihr gesagt, was sie tun muss.“ Stronka überwand sich. „Es war ein so tolles Gefühl, als ich das geschafft hatte“, sagt sie. Die Patientin verstarb drei Stunden später – drei Stunden, die sie durch die Infusion deutlich schmerzfreier erlebte und sich bewusster von ihren Kindern verabschieden konnte.

Isabell Stronka ist froh, dass ihre Kollegin sie damals zur Palliativpflege brachte. Die enge Zusammenarbeit mit ihrem aus vier Palliativschwestern und der Einrichtungsleiterin bestehenden Team sei wichtig. Anders würde es auch gar nicht gehen. „Man braucht jemanden, mit dem man über all das sprechen kann und der das alles versteht“, sagt Stronka. „Wir reden sehr viel bei uns im Team und nehmen uns auch mal in den Arm.“ Sonst würde man das Erlebte mit nach Hause nehmen und mit den Patienten mitsterben, sagt sie.

Palliativpflegedienste in der Region

In der Region Dahmeland-Fläming gibt es neun Palliativpflegedienste, die in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern zu ihren Patienten fahren und rund um die Uhr für sie da sind.

Die Pflegedienste im Überblick:
Palliativpflegedienst „Kleeblatt“ in Zeuthen;
Hauskrankenpflege Krüger in Mellensee;
Awo-Sozialstation Dahme;
Johannisches Sozialwerk Ludwigsfelde;
Pflegedienst Kehle in Mittenwalde;
DRK-Hauskrankenpflege Luckenwalde;
Hauskrankenpflege Beate Schäfer in Luckenwalde;
Private Hauskrankenpflege Beate Lewerenz in Nuthe-Urstromtal;
Hauskrankenpflege Barbara Pluntke in Blankenfelde.

So schafft Isabell Stronka es, die Erlebnisse auf der Arbeit zu lassen – auch wenn es immer mal wieder Schicksale gibt, die sie besonders berühren. Schließlich behandelt sie die Patienten in deren Zuhause und lernt sie intensiv kennen. „Es passiert schon mal, dass ich zur Bezugsperson für die Angehörigen werde“, sagt sie. Dann brauche sie ein bis zwei Tage länger, um den Tod zu verarbeiten. Auch wenn die Patienten besonders jung sind oder noch kleine Kinder haben, gehe das Schicksal näher. Das Durchschnittsalter der Patienten, die das Kleeblatt-Team in der Vergangenheit beim DRK betreute, liegt bei 65 Jahren. Der jüngste von ihnen war 18 Jahre alt – die meisten von ihnen waren Krebspatienten.

Es komme nicht selten vor, dass die Patienten mitten aus dem Leben gerissen werden. „Sie gehen mit Bauchschmerzen zum Arzt und wissen ein paar Stunden später, dass sie nur noch wenige Wochen zu leben haben“, erzählt Isabell Stronka. „Wenn die SAPV dann zumindest die Therapie organisieren kann, ist den Patienten und ihren Angehörigen schon eine große Last genommen.“

Von Anja Meyer

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