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Dahme-Spreewald Dieses Start-up bringt die Blockchain in den Porsche
Lokales Dahme-Spreewald Dieses Start-up bringt die Blockchain in den Porsche
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20:45 14.03.2018
XAIN AG Felix Hahmann (links) und Leif-Nissen Lundbæk, Gründer der XAIN AG Quelle: Ronja Tillmann
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Dahmeland-Fläming

Sie ist die Technologie hinter Bitcoin und anderen Kryptowährungen, kann aber deutlich mehr: die Blockchain. In der Start-up Szene gilt sie bereits als das nächste große Ding nach dem Internet. Ganz vorne mit dabei die Xain AG mit Gesellschaftssitz in Wildau, die sich auf die Entwicklung Blockchain-basierter Anwendungen für die Industrie spezialisiert hat.

Vor einem Jahr gründeten Leif-Nissen Lundbæk und Felix Hahmann das innovative Unternehmen im Herzen des Luft- und Raumfahrtzentrums in Wildau. Die beiden lernten sich während einer früheren Tätigkeit beim Automobilkonzern Daimler kennen. Lundbæk schrieb gerade an seiner Doktorarbeit, die sich mit der Erweiterung der Blockchain-Technologie durch künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Datenanalyse beschäftigte, während Hahmann an einer IT-Lösung zur Qualitätsanalyse in der Automobil-Produktion arbeitete. Die Erfahrungen ihrer Arbeiten sowie das Hobby Blockchain ließen beide in die gemeinsam gegründete Firma einfließen. „Wir haben da ein riesiges Potenzial erkannt“, berichtet Hahmann.

Auto und Smartphone werden Teil des Blockchain-Netzwerks

Während viele Unternehmen die Blockchain-Technologie ausschließlich für Finanztransaktionen nutzen, widmet sich Xain anderen Anwendungsfeldern. Durch sogenannte Smart-Contracts können zwei Vertragspartner Verträge schließen, die durch die Blockchain gesichert und verifiziert werden – Vertragsbruch ausgeschlossen. Durch die Arbeit von Xain können erstmalig auch Maschinen derartig miteinander kommunizieren. „Das ist dann der Fall, wenn ich beispielsweise morgens meinem Paketboten für ein Zeitfenster erlauben möchte mit seiner Smart-Watch den Kofferraum meines Autos zu öffnen, um dort ein Paket abzulegen, während ich auf Arbeit bin“, erläutert Hahmann.

Damit das aber überhaupt möglich ist, entwickelte Xain eine Blockchain, die höchste Sicherheitsstandards erfüllen kann und trotzdem wenig Energie verbraucht. Damit Auto und Smartphone zum Teil eines Blockchain-Rechnernetzwerkes werden können, musste die ursprüngliche Blockchain umfangreich verändert werden. „Wir haben Algorithmen entwickelt, die es dem Netzwerk erlauben, auch bei niedrigem Energieaufwand zu arbeiten. Darüber hinaus haben wir die Stabilität der Prozesse angepasst, damit die Funktionen immer gleich schnell ausgeführt werden“, sagt Lundbæk.

SIeht so die Zukunft aus? Mit der Blockchain-Technologie dem Postboten erlauben, den Kofferraum zu öffnen. Quelle: XAIN AG

Die Xain AG leistet Pionierarbeit in Kooperation mit Porsche

Rund 20 Mitarbeiter arbeiten inzwischen an drei Standorten für Lundbæk und Hahmann, die das Unternehmen zunächst in Eigenregie finanzierten – und heute einige Partner haben. „Vor einem Jahr war das Thema noch zu neu und unbekannt in der Industrie – inzwischen hat sich das gewandelt“, sagt Hahmann. Mit dem Hauptsitz in Wildau sei man besonders nah an der Industrie. Zudem stellte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald dem Unternehmen vergünstigte Büroräume zur Verfügung, so der 30-Jährige.

Seit der Gründung im Februar 2017 geht es für die Jungunternehmer steil aufwärts: Im Juni 2017 gewann das Start-up einen Wettbewerb, den Porsche zum Thema Blockchain ausgeschrieben hatte und setzte sich gegen mehr als 100 weitere Start-ups durch. Neben 25 000 Euro Preisgeld und der Teilnahme an einem umfangreichen Hilfestellungsprogramm für Start-ups der Leipziger Management Hochschule, folgte ein dreimonatiges Pilot-Projekt bei dem Stuttgarter Sportwagenhersteller. Während des Projekts gelang eine Weltpremiere: Porsche und Xain bestückten einen Porsche Panamera mit der Blockchain-Technologie – als erstes Auto überhaupt.

„Die Anwendungen der Blockchain im Automobilbereich sind vielfältig“, erklärt Lundbæk. „Zum einen lässt sich ein Auto noch sicherer und schneller per App ver- und entriegeln, zum anderen könnte man sich in Zukunft alle relevanten Informationen über den Zustand eines Autos unkompliziert und sicher auslesen lassen.“ Manipulationen, wie den Kilometerstand zurückzustellen oder an der Motorsteuerungssoftware zu tricksen, seien mit Hilfe einer Blockchain schnell aufgedeckt, so Lundbæk.

Blockchain bald eine selbstverständliche Technologie

Doch nicht nur Automobilhersteller wie Daimler, Toyota oder Porsche profitieren von dieser Transparenz. Xain arbeitet ebenfalls mit deutschen und japanischen Unternehmen an Lösungen für die Kommunikationen von Maschinen und Robotern in der „Industrie 4.0“ sowie für den Im- und Export von Waren und Dienstleistungen. Auch dort führe eine Blockchain zu mehr Vertrauen, Effizienz und geringeren Kosten, sagt Lundbæk. „An jedem Knotenpunkt einer Lieferkette kann mit der Blockchain nachvollzogen werden, welchen Weg die Ware genommen hat, wie der Zustand der Ware ist oder wie es mit ihr weiter gehen soll“, erläutert Lundbæk. Da diese Daten über einen komplexen Prozess verifiziert werden, können alle Gewerke von ihrer Richtigkeit überzeugt sein, eine Manipulation sei unmöglich.

Die Gründer der Xain AG sind sich sicher: In Zukunft wird die Blockchain-Technologie zur Selbstverständlichkeit. Selbst im Koalitionsvertrag der kommenden Bundesregierung kommt der Begriff Blockchain gleich sechs Mal vor, künstliche Intelligenz zehn Mal – während es das Wort Demokratie lediglich drei Mal in den Vertrag schaffte. „Wir haben die Chance, als Gestalter daran mitzuwirken und wollen natürlich auch gegen US-Initiativen in den Wettbewerb treten“, sagt Hahmann. Schon jetzt baue die Region an dem Ruf, der wichtigste Ort für die Blockchain-Technologie in Europa zu werden.

Hintergrund zu Blockchain

Eine Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, genannt „Blöcke“, welche miteinander verkettet sind. Jeder Block enthält dabei typischerweise die Informationen des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten. Im Grunde ist sie ein dezentrales Protokoll für Transaktionen zwischen Parteien, das jede Veränderung transparent erfasst.

Transaktionen können jede Art von Informationen sein. Diese können jederzeit von jedermann nachvollzogen werden. Die Datenbank ist auf viele Computer verteilt, so kann keine Einzelperson über sie bestimmen.

Neue Blöcke werden über ein Konsensverfahren geschaffen und anschließend an die Blockchain angehängt.

Aufgrund der aufeinander aufbauenden Speicherung von Daten in einer Blockchain können diese nicht nachträglich geändert werden, ohne die Integrität des Gesamtsystems zu beschädigen. Dadurch werden Manipulationen unmöglich gemacht.

Weitere Informationen zur Blockchain finden Sie hier.

Von Ronja Tillmann

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