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Dreieinhalb Stunden Fahrzeit: Schulweg wird zum Marathon

Heidesee Dreieinhalb Stunden Fahrzeit: Schulweg wird zum Marathon

Hannes und Elias aus der Gemeinde Heidesee (Dahme-Spreewald) werden bald dreieinhalb Stunden am Tag für den Schulweg nach Zeuthen und zurück brauchen. Ihre Eltern finden das unzumutbar, doch für die Schüler ändert sich nichts. Die Politik hat fällige Änderungen verschlafen.

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Versammlung im Blossiner Buswartehäuschen: Steffi Nerreter (l.) und Vicky Klode-Hammitsch (r.) kämpfen dafür, dass ihre Kinder weniger Zeit für den Schulweg brauchen. Hannes (2.v.l.) aus Dolgenbrodt und Elias (3.v.l.) aus Blossin sind eine halbe Ewigkeit unterwegs.

Quelle: Frank Pawlowski

Heidesee. Wenn in zwei Wochen die Schule wieder beginnt, wird der Weg dorthin und zurück für Hannes aus Dolgenbrodt zum wahren Marathon. Der 15-Jährige braucht mit Bus und Bahn gut eindreiviertel Stunden, um zur Gesamtschule nach Zeuthen zu kommen. Nach Hause dauert es sogar noch ein paar Minuten länger. Er geht morgens kurz vor sechs aus dem Haus und wird, im Extremfall, erst abends um halb sieben wieder daheim sein. Da bleibt keine Zeit mehr für das Fußballtraining oder andere Freizeitaktivitäten. „Das ist schlecht“, sagt Hannes nachdenklich.

230 Minuten Fahr- und Wartezeit täglich sind „zumutbar“

Bisher hat der Landkreis ein Taxi geschickt, um ihn zum nächst gelegenen Bus zu bringen, der in Dolgenbrodt morgens nicht hält. Doch für das neue Schuljahr ist der sogenannte Spezialverkehr vom Schulamt nicht mehr genehmigt worden. Eine Fahr- und Wartezeit von 115 Minuten für eine Strecke ist laut Nahverkehrsplan des Landkreises für Schüler der Sekundarstufen zumutbar.

Hausaufgaben im Wartehäuschen?

Hannes’ Mutter Vicky Klode-Hammitsch kann darüber nur den Kopf schütteln. „Wie kann man das für Kinder und Jugendliche entscheiden, die doch unsere Zukunft sind?“, sagt sie aufgebracht. Die Dolgenbrodterin hat dafür nur noch Galgenhumor übrig. „Die Schüler können die Wartezeit auf dem Schulweg effektiv nutzen und Hausaufgaben im Wartehäuschen, soweit vorhanden, im Bus oder der Bahn erledigen.“ Sie wolle keine Sonderrechte für ihre Kinder, erwarte aber, dass Familien besser unterstützt werden. Kritikwürdig findet sie zudem den Umgang der Kreisverwaltung mit Eltern. „Ziehen Sie doch in die Stadt“, sei ihr einmal am Telefon gesagt worden, als sie das Problem Schülerbeförderung ansprach. Und als sie Fahrscheine für eine Kostenerstattung einreichte, wurde sie aufgefordert, die Fahrkarten chronologisch aufzukleben und erneut einzureichen. „Unmöglich, wie man uns behandelt“, sagt sie.

Schulweg sollte nicht länger als zwei Stunden dauern

Steffi Nerreter aus Blossin sieht da ebenso. Auch ihrem Sohn Elias, der ebenfalls zur Gesamtschule in Zeuthen muss, steht eine tägliche Fahrzeit von dreieinhalb Stunden bevor. Für den zweiten Sohn David, der in die Wildauer Oberschule geht, wurde für die Hinfahrt ein Spezialtransport genehmigt. Sie berichtet, dass Eltern aus Heidesee schon seit Jahren bessere Nahverkehrsverbindungen für Schüler anmahnen. „Es müssen doch endlich Lösungen gefunden werden“, sagt sie. Die Zumutbarkeitsklausel hält sie für weltfremd. Nach ihrer Ansicht sollten Kinder und Jugendliche nicht länger als gut eine Stunde zur Schule und ebenso lange zurück unterwegs sein. Sie ist überzeugt, dass sich das erreichen ließe, wenn Schulen und Busgesellschaft sich besser abstimmen.

Ein Arbeitskreis lieferte noch keine Ergebnisse

Eine Sprecherin des Landkreises verwies auf die bestehenden Regelungen, erklärte zugleich: „Da offenbar aus dem Nahverkehrsplan noch in einigen Fällen zu lange Fahrt- und Wartezeiten resultieren, wurde ein Arbeitskreis gebildet, der diese Problematik unter die Lupe nimmt.“

Doch der Arbeitskreis, der im Februar auf Antrag von SPD/Grüne im Kreistag gebildet wurde, tagte bisher nur einmal im April. Ergebnisse sind nicht bekannt. Seine Aufgabe ist es, die Fahr- und Wartezeiten für Schüler deutlich zu reduzieren.

Kreispolitiker: Bedauerlich, dass sich noch nichts ändert

Der bündnisgrüne Kreistagsabgeordnete Lothar Treder-Schmidt: „Eigentlich sollte sich schon zum neuen Schuljahr etwas bewegen. Bedauerlich, dass es nicht geklappt hat. Aber die Sache ist nicht vom Tisch.“ Er plädiert für einen gestaffelten Unterrichtsbeginn zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr, damit die RVS-Busse besser getaktet werden können. Fraktionschefin Sylvia Lehmann (SPD) unterstützt die Forderung der Eltern: „Deshalb haben wir das aufgegriffen. Wann sollen die Schüler denn Hausaufgaben machen oder sich gesellschaftlich einbringen, wie wir es von ihnen erwarten?“, sagt sie.

Lesen Sie dazu auch: Philipp hat einen Schulweg von 90-Minuten

Von Frank Pawlowski

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