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Ehrfurcht vor dem Leben gefordert

Königs Wusterhausen Ehrfurcht vor dem Leben gefordert

Rund 60 Menschen beteiligten sich am Sonnabend an einer Demonstration gegen die Erhöhung der Schlachtkapazität im Wiesenhof-Betrieb im Königs Wusterhausener Ortsteil Niederlehme. Die Demonstranten zogen vom Königs Wusterhausener Bahnhof durch die Innenstadt.

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Die Demonstranten zogen vom Bahnhof durch die Stadt und verliehen auch in Sprechchören ihren Forderungen Ausdruck.

Quelle: Heidrun Voigt

Königs Wusterhausen. „Tiere sind keine Ware“, „Bauernhof statt Tierfabriken“, „Wiesentod“. Diese und andere Losungen waren auf den Plakaten der Demonstranten zu lesen, die am Samstag gegen die Erhöhung der Kapazität im Niederlehmer Schlachtbetrieb auf die Straße gingen. Sie zogen vom Bahnhof Königs Wusterhausen durch die Stadt und stoppten vorm Aldi in der Luckenwalder Straße.

Das Bündnis Tierfabriken-Widerstand, ein Zusammenschluss von Menschen, die sich gegen Neubauten von Tieranlagen in Ostdeutschland einsetzen, hatte die Demo organisiert. Friederike Schmitz vom Bündnis erläuterte zu Beginn der Veranstaltung, dass die Märkische Geflügelhof Spezialitäten GmbH, die zur Wiesenhofgruppe gehört, die Zahl der Hühnerschlachtungen um ein Drittel auf 160 000 Tiere erhöhen will, zur Grillsaison auf 240 000 (die MAZ berichtete). Schmitz verwies auf die Gefahr für Mensch und Natur, die ihrer Meinung nach insbesondere aus der Geruchs- und Lärmbelästigung, der Kontaminierung der Luft mit Keimen und des Wassers resultiere.

Anwohner sorgen sich um ihre Gesundheit

Benjamin Raschke, Landtagsabgeordneter der Grünen und Mitinitiator des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung, fragte, wo bei Wiesenhof die Wiese und wo der Hof sei. „Die Gesetze erlauben eine Ausbeutung der Natur und der Profit geht an wenige“, so der Politiker. Er empfahl, beim Einkauf genauer hinzusehen.

Etwa 60 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil. Die Glaschkes aus Bindow hatten ein Plakat gebastelt, auf denen sie „Ehrfurcht vor dem Leben“ anmahnten. „Ich bin als Installateur mal einen Tag in Wiesenhof hineingekommen; ich weiß, warum ich hier bin“, sagte Fritz Glaschke. Simone Nitzsche wohnt in Niederlehme in der Erich-Weinert-Straße, ganz in der Nähe des Schlachtbetriebes, und stört sich nicht nur an den Geruchsbelästigungen. „Es geht doch nicht nur um unsere Generation, sondern auch um die Gesundheit unserer Enkelkinder“, spielte sie auf resistente Keime in der Luft an.

Vertreter aus anderen Kommunen

Unter den Demonstranten waren auch einige aus der Bürgerinitiative Am Mellensee, die sich erfolgreich gegen die Schweinemast in Klausdorf wehrte. „Ich bin schon richtig wütend, was diese Dinge betrifft. Mit Billigfleischexporten nach Afrika machen wir die Geflügelbauern in Ghana kaputt und verursachen die Flucht der Menschen dort“, stellte Christine Barthel fest.

Matthias Fischer von „Wir für KW“ hatte dem Tierfabriken-Widerstand geholfen, Infoveranstaltungen öffentlich zu machen. „Zernsdorf ist von den olfaktorischen Faktoren betroffen. Leider sind sehr wenige Leute heute hier. Sie glauben wohl, dass das Landesumweltamt alles regelt“, sagte er.

Große Nachfrage am Infostand

Positiv überrascht war das Bündnis von der großen Nachfrage am Infostand vor der Demonstration. Bei der im Anschluss an die Demo angesetzten Einwendungswerkstatt in der Paul-Dinter-Halle waren die Organisatoren unter sich. „Wir haben mit Vertretern der Grünen und von ‚Wir für KW’ überlegt, welche Wege es gibt, um etwas zu bewirken“, sagte Sandra Franz vom Bündnis. Mit BUND und Nabu sollen Gespräche geführt werden, damit sie Einwendungen einreichen. Und am 30. November wird es im Bioladen am Bahnhof in Königs Wusterhausen um 19 Uhr eine Informationsveranstaltung zu Einwendungsmöglichkeiten geben.

Infoabend am 30. November um 19 Uhr im Bioladen am Bahnhof in Königs Wusterhausen. Einwendungen können bis 2. Dezember beim Landesumweltamt in Groß Glienicke eingereicht werden. Weitere Informationen unter www.tierfabriken-widerstand.org/koenigs-wusterhausen

Von Heidrun Voigt

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