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Der Fall Alyssa

Chronologie Der Fall Alyssa

Im November 2013 ist die 14-jährige Alyssa aus Eichwalde (Dahme-Spreewald) auf offener Straße erstochen worden. Der Täter Maurice M. ist im April 2015 wegen Mordes zu 13 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Wir blicken im MAZ-Spezial auf den Fall und den Prozess zurück.

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Sie waren mit der Fantasie-Pappe unterwegs

Kurz vor dem Prozessbeginn: Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht mit einem Aktenordner.

Quelle: Oliver Mehlis

Cottbus. Im November 2013 ist Alyssa aus Eichwalde Opfer eines schrecklichen und brutalen Verbrechens geworden. Der damals 20-Jährige Maurice M. hatte der 14-Jährigen in der Nähe des S-Bahnhofs Eichwalde aufgelauert. Tags zuvor hatte das Mädchen eine Beziehung zu dem Schüler aus Nordrhein-Westfalen beendet. Nach einem kurzen Streit schlug er das Mädchen mit einer Flasche nieder und stach dann mit einem Messer dutzende Male auf Alyssa ein.

Im April 2015 ist M. wegen Mordes zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und 6 Monaten verurteilt worden. Die Verteidigung von M. hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Im November 2015 lag der Fall noch beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Dort wird entschieden, ob das Urteil gegen M. Bestand hat.

Gemetzel im Wäldchen

Laut Staatsanwaltschaft hatten sich die Maurice M. und die 14-Jährige im Internet kennengelernt. Vor der der schrecklichen Tat hatten sich die Beiden bereits getroffen, das zweite Treffen sollte jedoch tödliche Folgen haben.

Der Tatort: das Eichenpark-Stadion in der Heinrich-Heine-Allee.

Quelle: André Braune

Bei diesem Date soll Alyssia ihrer Internetbekanntschaft verdeutlicht haben, dass es zukünftig keine Treffen mehr geben wird. Maurice M. zog sich daraufhin zurück, lauerte ihr aber am nächsten Tag in einem Wäldchen auf, so die Anklagevertreter. Es entbrannte ein langer und lautstarker Streit, an dessen Ende der 20-Jährige mit einer Flasche auf das Mädchen einschlug. Schließlich zerrte er die 14-Jährige zu seinem Rucksack, zückte ein kleines Messer und stach auf die Wehrlose ein. Später soll er dem Rucksack ein zweites, größeres Messer entnommen und weiter auf sein Opfer eingestochen haben. Insgesamt 78 mal. Mindestens drei Stiche, so die Staatsanwaltschaft, sollen dabei tödlich gewesen sein.

Der aus Lohmar in Nordrhein-Westfalen kommende Mann wurde kurz nach der Bluttat in der Nähe des Tatorts festgenommen. In der 6300 Einwohner zählenden Gemeinde vor den Toren Berlins löste die tödliche Messerattacke Entsetzen aus.

Trauernde legten am Tatort Blumen, Tee- und Grablichter ab.

Quelle: Tim Brakemeier

Der Fall Alyssa – eine Chronik

18. November 2013

19. November 2013

  • Einen Tag nach dem Verbrechen ist man in Eichwalde geschockt.
  • Die 14-jährige Alyssa wird von ihren Mitschülern als "ruhiges und extrem liebes" Mädchen beschrieben.
  • Die Staatsanwaltschaft gibt zu dem Fall keine Auskünfte.
  • Wahrscheinlich war es nach einem Streit zu der Messerattacke gekommen. Der 20-jährige Täter fühlte seine Liebe nicht erwidert.
  • Im Internet wird eine Gedenkseite für Alyssa eingerichtet. Auch auf Facebook bekunden viele Betroffene ihre Trauer und Fassungslosigkeit.
  • Opfer und Täter haben sich im Internet kennengelernt und gechattet. Beide verbindet eine Leidenschaft für Mangas, japanische Zeichentrickfiguren.

20. November 2013

7. Dezember 2013

27. März 2014

18. August 2014

Der Prozess

  • 18. August: Dramatische Szenen im Gerichtssaal: Als die Anklage verlesen wird, kann die Mutter von Alyssa ihre Tränen nicht zurückhalten. Der Täter hat bei seiner Attacke 78 Mal auf die 14-jährige Alyssa eingestochen.
  • 5. September: Der Angeklagte lässt eine Erklärung vorlesen in der er die Tat gesteht. Außerdem bittet er die Eltern um Verzeihung und zahlt an ein anderes Opfer ein Schmerzensgeld.
  • 15. September: Die Schulkameraden des Angeklagten Maurice M. zeichnen ein Bild eines Einzelgängers, der aber zu agressiven Ausbrüchen neigt und davon spricht, Ausländer und Feinde zu vergasen oder abzustechen.
  • 17. September: Lehrer des Angeklagten werden verhört. Maurice M. wird als ruhig und zurückhaltend beschrieben. Kurz vor der Tat hat er oft im Unterricht gefehlt und das unter anderem mit einer Krankheit entschuldigt.
  • 9. Oktober: Erschreckende Erkenntnisse am fünften Prozesstag im Fall Alyssa. Der Angeklagte Maurice M. hat am Tat-Tag wahrscheinlich stundenlang auf sein Opfer in Eichwalde gewartet. Zwei Zeugen wollen den mutmaßlichen Mörder bereits Stunden vor der tödlichen Messerattacke gesehen haben.
  • 4. November: Der Prozess um die getötete Alyssa aus Eichwalde ist vor dem Landgericht Cottbus fortgesetzt worden. Allerdings handelte es sich um einen Pro-Forma-Termin, um eine längere Pause zu überbrücken. Zuletzte wurde Anfang Oktober verhandelt, der nächste Termin ist am 17. November. Einen Tag vor Alyssas erstem Todestag.
  • 18. November: Am siebten Prozesstag im Mordfall Alyssa haben Freunde des getöteten Mädchens ausgesagt. Vor dem Landgericht Cottbus haben sie Alyssa als liebevollen und einfühlsamen Teenager beschrieben. Alyssa war von dem Angeklagten gestalkt worden. Vor einem Jahr wurde sie in Eichwalde brutal getötet.
  • 25. November: Polizisten schildern dramatische Szenen - Der achte Prozesstag im Fall Alyssa hat der Mutter des getöteten Mädchens schwer zugesetzt. Als Polizisten schilderten, wie sie den Tatort und die Leiche der erst 14-Jährigen vorfanden, musste sie den Gerichtssaal verlassen – zu drastisch waren die beschriebenen Szenen.
  • 28. November: Maurice M. hat Mord an Alyssa offenbar geplant - Am neunten Prozesstag im Mordfall Alyssa haben am Freitag Kriminalpolizisten vor dem Landgericht Cottbus ausgesagt. Ihre Schilderungen lassen den Schluss zu, dass der Angeklate Maurice M. die Tat offenbar geplant hat. In einem Abschiedsbrief hat er nicht nur von seinem Tod, sondern vom gemeinsamen Tod geschrieben.
  • 5. Dezember: Mordfall Alyssa: Sie war nicht die Einzige - Der zehnte Prozesstag im Mordfall Alyssa hat neue Erkenntnisse gebracht. Offensichtlich war die 14-Jährige nicht das erste Mädchen, das der mutmaßliche Mörder Maurice M. im Internet kennengelernt hat. Mit 16 Jahren verschwand er wochenlang, um eine Internetbekanntschaft zu besuchen. Zeugenaussagen formen langsam ein Bild seiner Persönlichkeit.
  • 12. Dezember: Fassungslose Notärztin beim Alyssa-Prozess - Als die Notärztin von dem Einsatz an jenem 18. November 2013 berichtet und ihre Stimme immer wieder versagt, wird allen im Gerichtssaal klar, wie grausam das junge Mädchen zugerichtet war. So etwas, sagt die Ärztin, habe sie "noch nie erlebt". Umso unangemessener habe sie das Verhalten des Angeklagten gefunden.
  • 15. Dezember: Gerichtsmediziner: Brutalität mit nichts vergleichbar. Am 12. Prozesstag im Mordfall Alyssa hat am Montag in Cottbus der Gerichtsmediziner ausgesagt. Er bezeichnet die Brutalität der Tat als "mit nichts vergleichbar" und schließt unter anderem auch deswegen aus, dass die Tat im Affekt begangen wurde.
  • 19. Dezember: Maurice M. hatte Mordphantasien - Manipulativ, nicht zur Empathie fähig und Mordphantasien: Der 13. Verhandlungstag im Prozess um den brutalen Mord an Alyssa in Eichwalde hat Erkenntnisse über die Persönlichkeit des Angeklagten Maurice M. gebracht. Eine Chatpartnerin und eine Gefängnispsychologin sagten aus. Offenbar distanziert sich M. von seinem Geständnis.
  • 16. Januar: Entscheidende Phase im Alyssa-Prozess. Der Prozess um den Mord an der 14-jährigen Alyssa in Eichwalde geht in die entscheidende Phase. Ein Psychologe stellt sein Gutachten über die Persönlichkeit des Angeklagten Maurice M. (21) vor. Das Gutachten entscheidet darüber, ob Maurice M. schuldfähig ist. Im Februar könnte das Urteil in dem spektakulären Mordprozess fallen.
  • 21. Januar: Maurice M. hat eine gestörte Persönlichkeit. Spannender Prozesstag im Mordfall Alyssa: Vor dem Landgericht Cottbus haben ein psychologischer Gutachter und eine Sozialpädagogin ausgesagt. Ihr Fazit: Der Angeklagte Maurice M., der die 14-jährige Alyssa mit 78 Messerstichen in Eichwalde getötet haben soll, hat eine Persönlichkeitsstörung.
  • 01. April: Hohe Haftstrafe im Alyssa-Prozess gefordert: Der Mord an der 14-jährigen Alyssa in Eichwalde hat die Menschen im Ort schwer erschüttert. Die Schülerin war von einer Internetbekanntschaft grausam getötet worden. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers gehalten. Sie wirft dem 21-jährigen Maurice M. vor, das Mädchen aus verschmähter Liebe mit Dutzenden Messerstichen ermordet zu haben.
  • 07. April: Maurice M. ein "feiger und brutaler Mörder": Entgegen der Ankündigung ist heute im Alyssa-Prozess nicht das Plädoyer der Verteidigung gehalten worden. Neuer Termin ist der 27. April. Der Anwalt der Nebenklage, der Alyssas Eltern vertritt, fand in seinem Plädoyer jedoch deutliche Worte. Der angeklagte Maurice M. sei ein "feiger und brutaler Mörder", so Anwalt Sven Peitzner.
  • 27. April: Verteidigung fordert Strafe wegen Totschlags: "Es tut mir leid" sind die letzten Worte von Maurice M., die er an das Gericht im Prozess um die erstochene Alyssa aus Eichwalde mit leiser Stimme richtet. Nach langem Prozess haben am Montag die Anwälte des 21-Jährigen ihre Abschlussplädoyers gehalten. Sie sehen weder Heimtücke noch niedere Beweggründe erfüllt, denn das Opfer hätte sich wehren können.
  • 30. April: Alyssas Mörder für „grausige Tat“ bestraft: Das Urteil ist gefallen: Der 21-jährige Maurice M. muss für 13 Jahre und sechs Monate hinter Gitter. „Eine der grausigsten Taten“, die ihm je untergekommen wäre, sagt der Richter. Der Anwalt der Nebenklage spricht von Abschlachten.
  • 06. Mai: Die Verteidigung von Maurice M. legt gegen das Urteil Revision ein. Der Prozess um die getötete 14-jährige Alyssa aus Eichwalde ist trotz Urteils nicht zu Ende. Die Anwälte des Angeklagten haben gegen die Verurteilung wegen Mordes Revision eingelegt. Sie sehen die Mordmerkmale nicht erfüllt, obwohl der Täter Alyssa brutal aus dem Leben gerissen hat.
  • 19. Juni 2016: Termin für Revisionsverhandlung steht fest: Am Mittwoch, 22. Juni,  wird in Leipzig über den Revionsantrag von Maurice M.' Verteidigern gesprochen. Vor dem 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Leipzig wird über die Anträge verhandelt.

MAZonline

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Bewegende Trauerfeier für getötete 14-Jährige in Zeuthen

Rund 200 Angehörige, Freunde und Mitschüler haben die getötete 14-Jährige am Sonnabend in Zeuthen zu Grabe getragen. Ein filigranes Porträt ziert die weiße Urne im Altarraum der Martin-Luther-Kirche in Zeuthen. Es ist Alyssa B., gezeichnet nach Art der japanischen Manga-Comics, die der 14-Jährigen so viel bedeuteten. Zwischen Kränzen und Blumen steht ein postergroßes Foto der hübschen Jugendlichen.

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