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Ein Auslandsjahr, das alles verändert

Dahmeland-Fläming Ein Auslandsjahr, das alles verändert

Viele junge Leute zieht es schon während der Schulzeit ins Ausland. Einer davon ist Sascha Olthuis aus Königs Wusterhausen, der im vergangenen Jahr die Chance nutzte, über eine Organisation nach China zu gehen. Was er dort erlebte, hat den 17-Jährigen stark geprägt. „Ein Auslandsjahr kann ich jedem empfehlen“, sagt er.

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Neue Freunde aus aller Welt: Sascha (hinten links) mit seiner internationalen Schulklasse.

Quelle: privat

Königs Wusterhausen. So ganz ist Sascha Olthuis noch nicht wieder in Deutschland angekommen. „Es war komisch, wieder zurück zu sein“, sagt der 17-Jährige aus Königs Wusterhausen. Ein ganzes Jahr hat der Schüler im chinesischen Lanzhou verbracht. Dort hat er die Schule besucht, in einer Gastfamilie gelebt und kennt sich jetzt gut mit chinesischer Kultur, Küche und Kampfkunst aus. „Durch mein Auslandsjahr bin ich ein anderer Mensch geworden“, sagt Sascha drei Monate nach seiner Heimkehr. Der Schüler wirkt ausgeglichen und entspannt, seine Augen leuchten, während er von seinen Erfahrungen erzählt.

Jedes Jahr reisen zwischen 25 und 40 Schüler aus den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming über die gemeinnützige Organisation „AFS Interkulturelle Begegnungen“ in die ganze Welt. Genauere Zahlen sind schwer zu ermitteln, denn es gibt deutschlandweit viele verschiedene Organisationen und Anbieter, die ein halbes oder ganzes Jahr für Schüler im Ausland möglich machen. Der Verein AFS ist nur ein Anbieter von vielen. Das Austauschjahr finanzieren viele Familien selbst – es gibt aber diverse Möglichkeiten, Stipendien zu beantragen.

Viele gute Gründe sprechen für ein Auslandsjahr

„Schüler entscheiden sich aus vielfältigen Gründen für ein Auslandsjahr“, sagt Melanie Siemer von AFS, der in Hamburg beheimatet ist. „Eine neue Sprache lernt man nie mehr so gut wie in jungen Jahren, und auch vorhandene Sprachkenntnisse vertieft man vor Ort direkt im täglichen Gebrauch.“ Das Leben in Gastfamilien fördere das interkulturelle Lernen. Und nicht nur das: „Die Schüler werden durch diese Erfahrung selbstständiger und selbstbewusster“, sagt Siemer. „Junge Menschen gewinnen im Ausland an Offenheit und Toleranz.“ Davon abgesehen mache sich ein Auslandsaufenthalt auch für spätere Bewerbungen gut.

Sascha Olthuis wollte unbedingt nach Asien. „Ich hatte aber nicht wirklich eine Ahnung, worauf ich mich einlasse“, sagt er. Am 18. August 2016 stieg der Teenager in Frankfurt am Main in ein Flugzeug und nahm Kurs auf Peking. Zuerst ging es dort in ein „Arrival Camp“, bevor der Brandenburger an seinen Aufenthaltsort reiste. Zusammen mit einer Gruppe internationaler Austauschschüler bestieg Sascha die Chinesische Mauer. „Das war der erste Meilenstein in meinem Austauschjahr“, erinnert er sich.

Neue Herausforderungen folgten. „Schon in Peking habe ich starkes Heimweh bekommen und mich gefragt: Worauf habe ich mich da eingelassen?“, sagt er. „Bis zum Start hatte ich nicht realisiert, dass ich tatsächlich losfliegen werde, alles hinter mir lasse und so lange von meiner Familie getrennt bin.“

Viel erlebt

Viel erlebt: Sascha Olthuis ist an seinen Erfahrungen im „Reich der Mitte“ gewachsen und möchte unbedingt wieder zurück nach China.

Quelle: Christina Koormann

„Diese Erfahrung ist ein Gewinn“

Lanzhou, sein neues Zuhause auf Zeit, ist eine Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern im Nordwesten Chinas. „Dort war alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte“, sagt Sascha Olthuis. „Anfangs habe ich mich geärgert, die Stadt war altmodisch und nicht sehr sauber, aber heute bin ich froh, dass ich dort gelandet bin – wäre ich in eine andere Stadt gekommen, wäre ich nicht so an mir gewachsen.“

Viele Schulen in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming unterstützen den Wunsch ihrer Schüler, ein Jahr in ein fremdes Land zu gehen. „Ich finde es immer lohnenswert, wenn sich jemand dafür entscheidet“, sagt Sabine Heß, Schulleiterin des Bohnstedt-Gymnasiums in Luckau. „Zum Sprachenlernen ist dieser Schritt eine tolle Sache, aber auch für die Persönlichkeit; die Schüler kommen viel gereifter zurück und haben ganz neue Ideen.“

Auch Steffen Szmala, Direktor des Fontane-Gymnasiums Rangsdorf, begrüßt es, wenn seine Schüler sich für ein Auslandsjahr entscheiden. „Diese Erfahrung ist ein Gewinn, er macht persönlich reicher, bereichert aber auch die Schule, wenn der Schüler von seinen Erfahrungen im Ausland erzählen kann“, sagt Szmala.

Unterricht in traditionell chinesischen Schulfächern

Sascha Olthuis wurde von seiner Gastfamilie freundlich aufgenommen, aber Unterhaltungen waren schwer, denn seine Gasteltern sprachen nur Chinesisch. Nicht nur an die fremde Sprache, auch an die Umgangsformen und Bräuche musste sich der Schüler gewöhnen. „Beim Essen gibt es viele Regeln, man darf beispielsweise die Stäbchen nicht in den Reis stecken; das bedeutet, man wünscht seinem Gegenüber den Tod“, erklärt er. „Wenn die Familie zusammenkommt, darf man sich erst setzen, wenn die Großeltern Platz genommen haben.“ Nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnte er sich für die asiatischen Gerichte begeistern. „Irgendwann wollte ich nichts anderes mehr essen – die chinesische Küche ist unbeschreiblich!“

Ganz anders als in Deutschland lief auch der chinesische Schulalltag ab. Mit Schülern aus Amerika, Dänemark, Italien und Frankreich bildete Sascha eine Austauschklasse. „Die Lehrer unterrichteten uns in traditionellen Fächern – chinesisches Malen, traditionelle Musik, Kampfsportarten und Mandarin.“ So bekam Sascha Einblicke in die chinesische Kultur und konnte sich in der Sprache ausprobieren. „Ich komme damit klar, muss aber alles regelmäßig wiederholen, um es nicht zu vergessen“, sagt er. Mit 3000 Schülern machte Sascha jeden Tag nach dem Vormittagsunterricht auf dem Schulplatz Sportübungen. „Den Rest des Tages hatten wir mit den Chinesen Unterricht“, sagt Sascha. „Dort waren bis zu 60 Schüler in einer Klasse.“

„Am besten ein komplettes Jahr weggehen"

Der beste Zeitpunkt für ein Auslandsjahr bietet sich nach Jahrgangsstufe 10 – nach ihrer Rückkehr können die Schüler mit der elften Klasse beginnen. „Wir empfehlen, ein komplettes Jahr wegzugehen, weil es schwierig ist, nach ein paar Monaten wieder in ein laufendes Schuljahr einzusteigen“, sagt Steffen Szmala. Die schulischen Leistungen aus dem Ausland anzurechnen, sei kompliziert, besonders, wenn sie in außereuropäischen Ländern erbracht wurden. Mit der Organisation eines Auslandsjahres sollte ein Schüler rechtzeitig anfangen, sich etwa schon zum Ende der neunten Klasse Gedanken darüber machen.

Spaß in Shanghai

Spaß in Shanghai: Eine Pyramide aus internationalen Schülern sehen die Passanten auf der Uferpromenade „The Bund“ in Chinas bedeutendster Industriestadt nicht alle Tage. Sascha Olthuis und seine Freunde sind hier mit ihrer sportlichen Einlage eine Attraktion.

Quelle: privat

Zu anderen Deutschen hatte Sascha in Langzhou keinen Kontakt. „Ich habe mich gut mit meinen Mitschülern angefreundet“, erzählt Sascha Olthuis. „Wir sind oft ins Stadtzentrum gegangen, haben Karaoke gesungen, Fußball- und Basketballspiele angeschaut und waren zusammen essen.“ Chinesische Freunde hat der 17-Jährige auch gefunden, weil er neben dem Unterricht an einer englischen Schule half. „Es war mir wichtig, auch Chinesen kennenzulernen.“

Das Land auf Reisen entdecken

Ein Großteil der Zeit in China bestand für Sascha Olthuis aus Reisen. „Das Land zu entdecken stand für mich an erster Stelle“, sagt er. Den Städten Nanjing, Shanghai, Hongkong, Guangzhou, Peking, Xi‘an, Shenzhen und Changsha stattete der Schüler mit seinen neuen Freunden Besuche ab. „In manchen Städten war ich mehrmals, weil sie mir so gut gefallen haben“, sagt der Schüler. Seinen 17. Geburtstag feierte er in Hongkong. Vom eiskalten Norden über die gemäßigte Mitte bis in den extrem warmen Süden Chinas hat der Schüler viel gesehen. „Wir waren mit Zügen und Flugzeugen unterwegs, die Entfernungen haben dort eine ganz andere Dimension als in Deutschland.“ Mehrfach habe er wegen der geringen Sprachkenntnisse Anschlüsse verpasst. „In solchen Fällen waren die Leute aber immer sehr freundlich und hilfsbereit.“

Auf einer Reise mit der Austauschorganisation hat Sascha Olthuis auch einen Tempel in Baoshan in der Provinz Yunnan besucht

Auf einer Reise mit der Austauschorganisation hat Sascha Olthuis auch einen Tempel in Baoshan in der Provinz Yunnan besucht.

Quelle: Sascha Olthuis/privat

Wieder zuhause, sagt Sascha Olthuis: „Mein Auslandsjahr war perfekt, ich würde alles noch mal genau so machen.“ An den Konflikten und dem Heimweh, mit dem anfangs er zu kämpfen hatte, ist Sascha gewachsen. „Ich musste damit alleine klar kommen und alles selbst regeln“, sagt er, „ich konnte die Probleme nicht auf andere schieben.“ Vor seiner Zeit in China sei er unselbstständig und ziemlich schüchtern gewesen, jetzt fühlt er sich erwachsener und selbstbewusster. „So eine Erfahrung kann dir keiner mehr nehmen“, ist sich der Brandenburger sicher.

Nach China will Sascha Olthuis unbedingt zurück, studieren möchte er in Shanghai oder Guangzhou. An seiner Schule, dem Friedrich-Schiller-Gymnasium in Königs Wusterhausen, ist er zum laufenden Schuljahr in die 11. Klasse eingestiegen. Mit seinen neuen Freunden, die über die ganze Welt verteilt sind, bleibt er über soziale Netzwerke in Kontakt. „Ich bin sicher, wir sehen uns bald wieder.“

Von Christina Koormann

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