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Ein Denkmal für Angelika Schrobsdorff

Pätz Ein Denkmal für Angelika Schrobsdorff

Für die Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff soll in Pätz ein Denkmal gesetzt werden. Während die Unabhängigen Bürger mit Ortsvorsteherin Anette Lehmann einen Bürgertreff im Schrobsdorff-Haus favorisieren, sieht Bürgermeister Klaus Dieter Quasdorf (parteilos) eher eine Info-Tafel, einen Gedenkstein oder eine Stele zur Erinnerung an die Autorin.

Pätz, Hörningweg 52.2286554 13.6578695
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Das Schrobsdorff-Haus in Pätz: Zurzeit befinden sich hier eine Bücherstube und eine Wohnung. Das Grundstück ist verwildert.

Quelle: Andrea Müller

Pätz. Die Nachricht vom Tod Angelika Schrobsdorffs hat in Bestensee und vor allem in Pätz Bestürzung ausgelöst. Und dazu geführt, dass man die Überlegungen neu belebt, der Schriftstellerin hier in ihrer Ferien-Heimat ein – wie auch immer geartetes – Denkmal zu setzen.

Die alte Schrift über dem Gartentor verkündet von der einstigen Nutzung des Gebäudes im Hörningweg als Kindergarten

Die alte Schrift über dem Gartentor verkündet von der einstigen Nutzung des Gebäudes im Hörningweg als Kindergarten.

Quelle: Andrea Müller

Angelika Schrobsdorff verbrachte als Kind ihre Ferien auf dem idyllischen Grundstück zwischen Dorfaue und Waldrand. Auch der See ist nicht weit entfernt. Das Haus liegt quasi auf einer Halbinsel im Pätzer Vordersee. Angelika Schrobsdorff wurde 1927 geboren. 1939 musste sie gemeinsam mit den Eltern – Else Kirschner, eine assimilierte Jüdin, und Erich Schrobsdorff – sowie Schwester Bettina, vor den Nazis fliehen. Asyl fanden sie in Bulgarien, wo die Familie bis Kriegsende blieb. Ihre Großmutter Minna Kirschner wurde im KZ Theresienstadt umgebracht. 1947 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Angelika Schrobsdorff heiratete den französischen Filmemacher Claude Lanzmann. Nach einigen Jahren in Paris und München ging Angelika Schrobsdorff 1983 nach Israel und lebte in Jerusalem. Erst 2006 kehrte sie dem Land aufgrund der politischen Situation den Rücken und siedelte nach Berlin über, wo sie am 30. Juli verstarb.

Das Haus in Pätz, in dem die Schriftstellerin glückliche Kinderjahre verbrachte, hatte sie der Gemeinde geschenkt. Die nutzte es als Bürgermeistersitz, dann als Kindergarten – ein Schild zeugt bis heute davon – und schließlich als Bücherstübchen, in dem auch die Bücher von Angelika Schrobsdorff zur Ausleihe bereit stehen. Auf der anderen Seite des Hauses befindet sich der Eingang für die Wohnung im Obergeschoss. Seit über 35 Jahren bewohnt sie Renate Kietz.

Zu Füßen des Schrobsdorff-Hauses liegt ein verwilderter Garten

Zu Füßen des Schrobsdorff-Hauses liegt ein verwilderter Garten. Ab und zu lässt die Gemeinde im oberen Teil den Rasen mähen. Unten wuchern Brennnesseln.

Quelle: Andrea Müller

Anette Lehmann (Unabhängige Bürger), Ortsvorsteherin in Pätz , ist unbedingt dafür, dass man der bekannten Schriftstellerin ein Denkmal setzt. Am besten, indem das Schrobsdorff-Haus nicht nur so heißt, sondern auch eins wird. „Denkbar wäre eine Informationstafel mit den wichtigsten Lebensdaten und der Auflistung ihrer Bücher“, so die Ortsvorsteherin. Die unabhängigen Bürger setzen sich schon sehr lange dafür ein, dass das Haus zu einem Bürgertreff wird. „Ein Architekt hat jetzt auch die Kosten ermittelt“, sagt Lehmann. Sie beliefen sich auf rund 120 000 Euro. Ihrer Meinung nach sollte das Geld in den Haushalt 2017 eingestellt werden. „Wir werden die Angelegenheit jetzt noch einmal forcieren“, kündigte sie an. Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (parteilos) möchte auch, dass an die Schriftstellerin erinnert wird – ob mit einer Info-Tafel, einem Gedenkstein oder Stele. „Ich werde bei der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung vorschlagen, dass sich die Ausschüsse damit beschäftigen“, erklärte er. Das Haus als Bürgertreff umzubauen sieht er nicht als Priorität. Es gebe wichtigere Vorhaben: Etwa die Erweiterung der Feuerwehr für die Jugend.

Auf dieser Seite des Hauses wächst ein Blumen-Paradies

Auf dieser Seite des Hauses wächst ein Blumen-Paradies. Die Gemeinde hat daran keinen Anteil. Angelegt wurde es von der Mieterin hier.

Quelle: Andrea Müller

Von Andrea Müller

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