Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
„Ein bisschen Aufregung ist immer dabei“

Friseurin im Fachgespräch „Ein bisschen Aufregung ist immer dabei“

Die MAZ-Interview-Serie „Das Fachgespräch“ geht mit Ondine Ballnus, Obermeisterin der Märkischen Friseurinnung, in die zweite Runde. Vor 41 Jahren begann die 56-Jährige mit ihrer Ausbildung. Im Gespräch erzählt sie, warum sie Friseurin geworden ist, welche Scheren sie verwendet und welches die schlimmste Frisur ihres Lebens war.

Voriger Artikel
Mittenwalde braucht neuen Bürgermeister
Nächster Artikel
Die Welt im Miniatur-Format

Friseurin mit Leib und Seele: Ondine Ballnus.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Königs Wusterhausen. Ondine Ballnus (56) ist Obermeisterin der Märkischen Friseurinnung. Vor 41 Jahren begann sie ihre Ausbildung.


MAZ
: Frau Ballnus, wenn Ihnen auf der Straße jemand mit fragwürdiger Frisur entgegenkommt, setzen Sie da im Geiste schon mal die Schere an?

Ondine Ballnus : Ja, das bringt der Beruf so mit sich. Man hat diesen Blick einfach. Auch nahestehenden Personen sage ich oft, was ihnen stehen könnte. Köpfe, die unfrisiert sind, gefallen mir gar nicht: Wenn zum Beispiel die Haare einfach nur lang herunterhängen wie bei manchen Fernsehmoderatorinnen. Etwas Haarspray oder eine Volumenwelle können Wunder bewirken.

Und wenn Frauen im Salon zu überambitioniert sind und einen Schnitt wollen, der ihnen gar nicht steht? Wie reagieren Sie da?

Ballnus : Dann versuche ich, der Kundin beizubringen, dass sie entweder nicht die passende Stirn dafür hat oder die Augenpartie nicht zum Schnitt passt. Bisher waren mir hinterher alle für die Beratung dankbar.

Beraten Sie auch, was die Pflege angeht?

Ballnus : Ja natürlich, und ich sage den Kunden immer, dass das Shampoo im Grunde nicht entscheidend ist. Wichtig ist, dass das Haar eine Abschlussbehandlung hat, denn meistens sind die Frisuren der Frauen chemisch behandelt. Eine Kopfmassage gehört auch immer dazu.

Kam es schon vor, dass Kunden dabei eingeschlafen sind?

Ballnus : Ja, durchaus. Diesen Teil des Friseurbesuchs mögen viele sehr, sie sind dann oft wie weggetreten.

Wenn es anschließend ans Eingemachte geht, benutzen Sie eigentlich spezielle Scheren?

Ballnus : Die ganz normale, mit Mikroschliff. Inzwischen gibt es aber immer mehr Zusatzscheren zum Modellieren.

Wie lange hält so eine Schere?

Ballnus : Um die zehn Jahre. Bei einer neuen Schere ist es manchmal wie verhext: Oft schneidet man sich immer wieder an ihr, weil man sie nicht gewohnt ist. Die Preisspanne ist enorm, es fängt bei 50 Euro an und geht bis zu 500 Euro.

Arbeitet es sich mit einer so teuren Schere leichter?

Ballnus : Nein, sie besteht nur aus anderen Materialien, zum Beispiel Titan. Solche Scheren werden vor allem zu Modenschauen oder Stylingterminen verwendet. Mir reicht eine einfache.

Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie einem Kunden ins Ohr geschnitten haben?

Ballnus : Ja, es gab schon die eine oder andere Schnittverletzung. Die Kunden reagierten aber immer sehr gelassen, den Satz „Ist ja noch alles dran“ hörte ich oft. Wenn die Blutung gestillt ist, dann schneidet man doch schon mit einer zittrigen Hand weiter und man selbst leidet am meisten. Manchmal passiert das aber auch bei Kindern, das sind dann prägende Ereignisse. Zu meiner Gesellen- und Meisterprüfung musste ich eine Nassrasur mit dem Messer durchführen, das lernt heute fast keiner mehr.

Was war die ungewöhnlichste Frisur, die Sie je schneiden mussten?

Ballnus : Die Zeit der Punker und rasierten Köpfe war sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Am Anfang dachte ich mir: Wer will denn so aussehen? Bei heutigen Farbtrends, wie zum Beispiel Pink oder Giftgrün, bin ich aber ganz schmerzfrei und offen.

Sind die Kunden auch so schmerzfrei, wenn Ihnen eine Frisur mal nicht gelingt?

Ballnus : Nein, leider nicht, manche kommen nie wieder. Aber einige, die eine Korrektur bekommen haben, sind hinterher die treuesten Kunden. Wenn jemand beleidigend wird und sein Geld wiederhaben will, macht mich das schon traurig. Ich bin dann auch erst einmal selbst von meiner Arbeit enttäuscht und das beschäftigt mich manchmal wochenlang. Trotzdem freue ich mich immer darüber, ein Feedback zu bekommen.

Hat man immer Angst, dass eine Frisur misslingt?

Ballnus : Ein bisschen Aufregung ist immer dabei, aber ich lasse mir das nicht anmerken. Ich würde es als angenehme Anspannung bezeichnen. Ich besinne mich einfach darauf, was ich gelernt habe. Und man muss sich auch bewusst sein, dass kein Haarschnitt exakt wie der vorherige wird. Zwischendurch frage ich den Kunden immer wieder, ob ihm das so gefällt.

Friseure erzählen viel bei der Arbeit. Suchen Sie von sich aus das Gespräch beim Haare-Schneiden?

Ballnus : Wenn ich merke, der Kunde ist still, lasse ich ihn in Ruhe. Ich zwinge ihm kein Gespräch auf. Natürlich ist dieses Thema am Anfang einer Friseurausbildung schwer, weil man sich da noch mehr konzentrieren muss. Ich denke aber, man sollte diesen Beruf nicht wählen, wenn man nicht gern kommuniziert. Oft macht es Spaß, an Gespräche anzuknüpfen, vor allem bei langjährigen Kunden. Viele von ihnen erwarten, dass man sich an Details erinnert. Das schaffe ich auch spätestens, wenn derjenige vor mir sitzt.

Schneiden Sie sich eigentlich selbst die Haare?

Ballnus : Selten. Bei mir wird das nie so wie bei meinen Kunden. Ich lasse es von meinen Kollegen machen.

Erinnern Sie sich denn noch an die schlimmste Frisur, die Sie selbst je getragen haben?

Ballnus : Meine Angela-Davis-Dauerwelle in den 1980er Jahren. Aber je jünger man ist, desto mehr wagt man und als Friseur sollte man ohnehin Lust haben, etwas Modernes und Neues auszuprobieren. Natürlich ändert sich Mode, heute wollen Frauen keine Dauerwelle mehr, aber meiner Meinung nach täte eine Volumenwelle vielen gut.

Wenn Sie Ihre Laufbahn Revue passieren lassen: Was ist die beliebteste Frauenfrisur der vergangenen 40 Jahre?

Ballnus : Definitiv der Pagenschnitt von Mireille Mathieu. Alle wollten damals so aussehen. Aber auch heute ist der Bob noch hochaktuell. Daran sieht man: Auch Frisuren können nicht neu erfunden werden. Eigentlich kann diesen Schnitt jede Frau in abgewandelter Form tragen. Auch die Mähnen von Madonna, Heidi Klum oder den „Spice Girls“ waren sehr beliebt, aber Mireille Mathieu liegt unangefochten auf Platz eins.

Und was sind die heutigen Trendfrisuren?

Ballnus : Einige Kundinnen möchten die Haare etwas länger und welliger tragen, so wie die Sängerin Adele. Verschiedene Blondtöne sind immer angesagt, aber blond ist nicht gleich blond! Es gibt Abstufungen von metallisch bis leicht rosé. Viele Männer wollen ihr Haupthaar gerne länger lassen, bei den Jungs ist die Frisur von Justin Bieber sehr gefragt.

Sind Männer eigentlich unkomplizierter als Frauen, was eine neue Frisur angeht?

Ballnus : Nein, es ist sogar schwieriger, Männer zu einer neuen Frisur zu überreden. Sie sind ihren Schnitt über Jahre gewohnt, doch wenn sich die Haarstruktur ändert, muss sich auch der Haarschnitt anpassen. Lustigerweise denken aber viele Männer, dass sie unkomplizierte Kunden sind. Frauen sind bei neuen Frisuren eher Feuer und Flamme.

Kochen nach einem neuen Haarschnitt auch mal die Emotionen hoch?

Ballnus : Es passiert oft, dass Frauen überglücklich aus dem Salon gehen, weil sie eine komplette Typveränderung hinter sich haben. Einmal hatte ich den Fall, dass ich lange dunkle Haare raspelkurz schneiden und blond färben sollte. Wenn es wirklich schönes Haar ist, tut mir das natürlich weh. Aber ich denke mir immer: Die Frau wird schon ihre Gründe haben.

Ein solcher Schritt setzt sicherlich großes Vertrauen in Ihr Können voraus.

Ballnus : Ja, natürlich müssen die Frauen großes Vertrauen in mich haben, denn abgesehen vom Arzt kommt sonst niemand so dicht an sie heran. Friseur zu sein ist eine sehr intime Sache und das Vertrauen muss von der ersten Minute an aufgebaut werden. Wenn das vorhanden ist und ich meine Sache gut mache, sind meine Kunden am Ende ein Stückchen glücklicher. Das macht meinen Beruf aus. Mir gefällt, dass ich dazu noch kreativ sein kann und in Kontakt mit vielen unterschiedlichen Charakteren komme.

Wie hat sich Ihr Beruf im Laufe der Jahrzehnte gewandelt?

Ballnus : Früher war das Friseurhandwerk sehr standardisiert, heute ist alles viel kreativer. Man kann in Modeteams oder in Studios arbeiten und in viel mehr Bereiche gehen. Nagelpflege und Kosmetik habe ich auch eine Weile gemacht. Friseur ist ein Modeberuf und man muss am Puls der Zeit sein. Ideen aus Zeitschriften sind für uns ganz wichtig. Coco Chanel hat einmal gesagt: Es gibt keine hässlichen Frauen, nur faule. Man muss etwas aus sich machen.


Von Melanie Höhn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg