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Dahme-Spreewald Ein neues Zuhause für Susan Azizi
Lokales Dahme-Spreewald Ein neues Zuhause für Susan Azizi
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11:35 18.06.2016
Susan Azizi fand bei Familie Gronau in Schulzendorf ein neues Zuhause. Quelle: Andrea Müller
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Schulzendorf

Susan Azizi ist Künstlerin. In ihrer Heimat im Iran verdiente sie mit ihrer Kunst gutes Geld. Sie hatte die staatliche Anerkennung als geprüfte Künstlerin und das Recht, andere in Malerei und Bildhauerei zu unterrichten. Doch dann konvertierte Susan Azizi zum Christentum. Als sie in ihrer Heimat eine Jesus-Figur schuf, musste sie fliehen. Mit Hilfe der Familie gelangte sie von Teheran nach Istanbul, von dort nach Eisenhüttenstadt. Von dort kam sie nach Pätz in die Gemeinschaftsunterkunft. Heute wohnt sie bei Familie Gronau in Schulzendorf.

Conni und Dieter Gronau gehören in ihrem Ort der Gruppe „Schulzendorf hilft“ an. Die Mitglieder sorgen sich um die Bewohner von drei Gemeinschaftsunterkünften. Sie organisieren Spenden, schauen, was gebraucht wird, besuchen die Flüchtlinge und pflegen persönliche Kontakte. Über die Vermittlung von Ute Schilde – ebenfalls eine rührige Freiwillige – lernten sie Susan Azizi kennen. „Ihr ging es damals in Pätz wirklich nicht gut“, berichtet Conni Gronau. Als Frau aus der arabischen Welt, unverheiratet und obendrein noch Christin hatte sie es sehr schwer. Sie sei hier plötzlich vor die gleichen Probleme wie in der Heimat gestellt gewesen.

Wegen der Jesus Figur wurde Susan Azizi im Iran verfolgt und musste flüchten. Sie kam nach Deutschland. Quelle: Andrea Müller

„Wir haben viel Platz“, sagte kurz Ehemann Dieter. Gemeinsam mit seiner Frau hat er den Souterrain zu einer kleinen Wohnung gemacht. Susan Azizi nennt hier ein Wohnzimmer, einen Schlafraum, Bad und eine kleine Küche ihr eigen, erklärt Conni Gronau, die für die neue Mitbewohnerin zugleich Freundin und Mutter ist. Susan bezahlt für die Wohnung 320 Euro Miete. Darüber hinaus erhält sie monatlich 340 Euro entsprechend der Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Die Gronaus und Susan Azizi führen getrennte Haushalte, laden sich aber häufig zu gegenseitigen Besuchen ein. Conni Gronau bietet Susan Azizi gern Gulasch an, weil sie weiß, dass die das Gericht besonders mag. Wenn Susan Azizi ihren Gastgebern einen Gefallen tun will, kocht sie für sie persisch. „Unglaublich lecker“, lobt Gronau die Kochkünste ihrer Untermieterin.

Ein halbes Jahr leben die drei nun unter einem Dach. Susan Azizi ist innerlich etwas zur Ruhe gekommen. Bis es ihr richtig gut geht, wird aber noch eine Weile ins Land gehen. Sie ist nervös, knackt ihre Finger, puhlt an den persischen Schriftzeichen, die ihr der Großvater in der Kindheit in die Unterarme gebrannt hat: Einmal Muslimin, immer Muslimin. Nein, Susan Azizi sieht das anders. Sie ist eine mutige Frau. Sie ist Künstlerin. Sie setzt sich mit der Realität auseinander. Deswegen lebt sie jetzt nicht mehr bei ihrer Familie im Iran. Deshalb ist sie fern der Heimat in einem für sie sehr fremden Land, in dem sie vor allem erst einmal eines macht: Stillhalten, stillsitzen, warten. Noch immer hat Susan Azizi keine Anerkennung als Flüchtling. Die Verfahren dauern sehr lange. Solange nichts entschieden ist, darf sie nicht arbeiten. Da kann sie schon von Glück reden, dass sie in einer eigenen Wohnung leben darf. Dabei würde sie so gern arbeiten, zeichnen, Skulpturen schaffen, malen. Sie zeigt eine Mappe mit ihren Arbeiten. Darunter ist auch die Figur des Jesus, der sie der Skulptur nachempfunden hat, die sie im Iran schuf und die den Bruch in ihrer Biografie herbei geführt hat.

Azizi findet Heimat für die Seele in ihrem Glauben

Susan Azizi hat in der evangelischen Gemeinde Schulzendorf auch eine Heimat für die Seele, den Glauben an Gott, gefunden. Regelmäßig besucht sie die Kirche. Seit kurzem fährt sie auch nach Berlin-Ahrensfelde, wo sie in eine „Willkommen-Klasse“ aufgenommen wurde. Hier will sie vor allem besser Deutsch lernen. Das ist in ihrem Fall nicht so einfach, denn sie spricht weder Englisch noch Arabisch. Brücken über diese Sprachen helfen ihr wenig, denn Susan Azizi spricht Persisch beziehungsweise Farsi, wie die Sprache im Iran genannt wird. Dennoch kommt sie jeden Tag voran, täglich lernt sie hinzu und mit jeder Woche traut sich die scheue Frau Anfang 40 etwas mehr hinaus ins Leben.

Eines Tages will sie wieder die sein, die sie einmal war: Eine selbstbewusste Frau, eine Künstlerin, eine, die ihr eigenes Geld verdienen kann mit ihrer Hände Arbeit, die Freunde und Kollegen hat, vielleicht sogar eine kleine Familie. Der Weg dahin ist noch weit. Nicht jeder versteht, will verstehen, warum sie geflohen ist, weshalb sie jetzt in Deutschland lebt. So wie ihr geht es vielen Menschen, die bis heute in den Gemeinschaftsunterkünften in Egsdorf, Pätz oder anderswo auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten. „Sie brauchen Hilfe, ein neues Zuhause“, so die Gronaus, die sich wünschten, es handelten viele so wie sie.

Von Andrea Müller

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