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Eine Ära geht zu Ende

Königs Wusterhausen Eine Ära geht zu Ende

Seit mehr als 120 Jahren wird im Königs-Wusterhausener Hafen Kohle umgeschlagen. Doch damit ist es bald vorbei. Das Heizkraftwerk in Berlin-Rummelsburg stellt den Kohlebetrieb ein. Der Hafen muss für sein wichtigestes Geschäft nun schnell Ersatz finden.

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Im Hafen wird die Braunkohle aus der Lausitz auf Lastkähne gekippt. Sie bringen die Ladung nach Berlin.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Königs Wusterhausen. Die Ankündigung des Energieerzeugers Vattenfall, im Heizkraftwerk Klingenberg in Berlin ab 2017 keine Kohle mehr zu verbrennen, hat unmittelbare Folgen für den Hafen Königs Wusterhausen. Hier wird die Kohle für Klingenberg umgeschlagen. Sie kommt mit Zügen aus der Lausitz und wird auf Transportkähne gekippt, die sie direkt zum Heizkraftwerk nach Berlin-Rummelsburg bringen.

Kohlegeschäft macht die Hälfte des Umsatzes aus

Jährlich rund 1,2 Millionen Tonnen Braunkohle werden im Hafen bewegt. Das Kohlegeschäft macht mehr als die Hälfte des Umsatzes der kommunalen Hafengesellschaft aus, sagt Königs Wusterhausens Bürgermeister Lutz Franzke (SPD). Vattenfalls vorzeitiger Kohle-Ausstieg in Berlin bringt ihn nun in Zugzwang. „Wir müssen die Ansiedlung neuer Firmen im Hafen beschleunigen“, sagt er. „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen.“

Die Stadt war davon ausgegangen, dass noch bis Ende 2018 Braunkohle in Berlin verheizt wird. Die Suche nach neuen Firmen für den Hafen beginne daher nicht erst jetzt. „Der Druck ist nun für uns aber größer geworden“, sagt Franzke. Er rechnet damit, dass der Kohle-Umschlag schon Mitte kommenden Jahres eingestellt werden könnte. Die Hafengesellschaft Lutra beschäftigt 36 Mitarbeiter, mehr als 300 Arbeitsplätze gibt es an dem Standort. 15 Firmen haben sich bisher hier angesiedelt. Eine Aussage darüber, ob Arbeitsplätze durch die Einstellung des Kohle-Umschlags bedroht sind, machte Franzke nicht.

Gute Chancen für Ansiedlung neuer Firmen

Nach seiner Ansicht sind die Voraussetzungen zur Ansiedlung neuer Firmen im Hafen günstig. Das Gewerbegebiet sei perfekt erschlossen, vor allem aber steige im Moment wieder das Interesse von Investoren am Standort Königs Wusterhausen. Hauptgrund sei die Entwicklung am Schönefelder BER-Flughafen, wo gerade der Umbau der Brandschutzanlage behördlich genehmigt worden ist.

Mängel beim Brandschutz waren einst der Grund für die geplatzte Eröffnung des Flughafens. Beobachter sehen jetzt den Durchbruch. Zum Monatsende sollen die letzten Bauakten beim Landkreis Dahme-Spreewald eingehen. Vorausgesetzt, es gibt keine Beanstandungen, ist der BER als Bauwerk fertig. Franzke berichtet, dass seit der Brandschutzgenehmigung vor zwei Wochen die Investorenanfragen im Königs-Wusterhausener Rathaus zugenommen haben – nicht nur zu den Hafenflächen.

Im Jahr 1854 fing alles an

Die Geschichte des Königs-Wusterhausener Hafens geht zurück bis ins Jahr 1854. Damals wurde der Standort erstmals als Umschlagstelle erwähnt. Seinerzeit wurden vor allem Baustoffe nach Berlin transportiert. 1894 bekam der Hafen einen Gleisanschluss, etwa um diese Zeit begann auch der Kohle-Umschlag. Diese mehr als 120-jährige Ära endet nun.

1990 begann die Entwicklung des Hafens zum Gewerbegebiet, die Fläche wurde auf Wildauer Gebiet erweiter. 2014 wurde der Hafen Königs Wusterhausen/Wildau zum Güterverkehrszentrum (GVZ) Schönefelder Kreuz. Güter können hier von Straße, Wasser und Schiene verlassen werden. Diese Kombination ist einmalig in Brandenburg.

Von Frank Pawlowski

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