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Eine Stadt wird von der Entwicklung überrollt

Königs Wusterhausen Eine Stadt wird von der Entwicklung überrollt

Die Einwohnerzahl von Königs Wusterhausen steigt unaufhörlich. Der positive Trend stellt Politik und Verwaltung vor große Herausforderungen. Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) spricht im MAZ-Interview über den Mangel an Kitaplätzen, Millioneninvestitionen und die Zukunft des Hafens.

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Lutz Franzke in seinem Arbeitszimmer im Rathaus in der Schlossstraße.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Königs Wusterhausen. Die Einwohnerzahl von Königs Wusterhausen nähert sich der 40 000-Grenze. Im MAZ-Gespräch sagt Bürgermeister Lutz Franzke (63, SPD), was das für die Stadt bedeutet.

Kommunen im Umfeld der Hauptstadt Berlin locken Firmen und neue Einwohner an. Wie stark wächst Königs Wusterhausen?

Als ich 2009 als Bürgermeister anfing, hatten wir gut 33 000 Einwohner. Aktuell sind es schon knapp 37 200. Das ist ein Zuwachs von weit über zehn Prozent. Wenn man nur die Baugenehmigungen zu Grunde legt, haben wir in zwei Jahren 40 000 Einwohner in Königs Wusterhausen. Mit dieser Dynamik habe auch ich nicht gerechnet.

Nicht jedes Kind wird einen Platz bekommen

Die Stadt wird teilweise von der Entwicklung überrollt. Kitaplätze fehlen. Bekommen Sie das Problem in den Griff oder werden Eltern trotz Anspruch ohne Kitaplatz dastehen?

Die Zahl der Kitaplätze ist seit 2009 um 35 Prozent gestiegen. 2883 sind es derzeit, aber der Bedarf ist noch größer. Da die Geburtenzahlen in der selben Zeit relativ stabil geblieben sind, zeigt das, welchen großen Zuzug wir hatten. Ich kann aktuell nicht garantieren, dass wir im September für jedes Kind einen Platz anbieten können. Das ist ärgerlich. Alle, die das beklagen, haben recht. Ich nehme das politisch auf meine Kappe. Leider verzögern lange Genehmigungsverfahren und die Baustandards aktuell unsere geplanten Erweiterungen.

War der Engpass nicht vorhersehbar?

Wir haben die Entwicklung teilweise nicht vorhergesehen. Bei den nächsten Neubauten planen wir mit mehr Puffer. Allerdings wollen wir auch keine zu großen Einrichtungen haben. Die Infrastruktur wird sich verbessern. Der Ersatzneubau der Kita „Spielspaß“ in Königs Wusterhausen und der spätere Kita-Neubau sind beschlossen. Im Zernsdorfer Quartier Wohnen am See entsteht eine Kita mit 120 bis 150 Plätzen, und im Königspark sind die vorbereitenden Gespräche für den Kita-Neubau fast abgeschlossen. Wir müssen schneller werden, deshalb setzen wir auf private Bauherren wie in Zernsdorf und im Königspark. Sie sind anderen Regeln als öffentliche Bauherrn unterworfen.

Beitragsfreiheit eine Frage der Zeit

Wann kommt die Beitragsfreiheit?

Ich glaube, innerhalb der nächsten fünf Jahre. Im Landeshaushalt wurde schon ein erster vernünftiger Schritt gemacht, aber das reicht aus kommunaler Sicht bei weitem nicht aus.

Warum übernimmt die Stadt nicht komplett die Kosten? Die Haushaltslage würde das hergeben.

Ich bin politisch sehr für die beitragsfreie Kita, aber die Auswirkungen für die Stadt wären unübersehbar. Wenn wir diese Kosten selber zahlen, würden wir die kommunale Solidarität brechen und keine Schlüsselzuweisungen vom Land mehr bekommen, zuletzt waren das jährlich im Durchschnitt immerhin 15 Millionen Euro.

Die Stadt will in den kommenden fünf Jahren bis zu 80 Millionen Euro investieren, unter anderen für neue Grundschulen in Senzig und Zeesen, die Feuerwachen in Senzig und Königs Wusterhausen. Reicht für diese Megaprojekte das Personal im Rathaus?

Dank eines Stadtverordnetenbeschlusses können wir noch Baufachleute einstellen, aber wir werden zunehmend externe Dienstleister für die großen Bauvorhaben binden müssen. Ohne sie ist das nicht mehr zu schaffen.

Wie ist die Baubilanz?

Im Tiefbau sehr gut. Seit 2012 haben wir in der Stadt und in den Ortsteilen 18 Kilometer Geh- und Radwege gebaut, acht Kilometer Straßen. Der privat finanzierte Straßenbau gewinnt an Fahrt. Diese Bilanz freut mich sehr. Der Kirchplatz ist ein attraktiver innerstädtischer Platz geworden. Das sind nur einige Beispiele.

Schnelle Ansiedlungen für den Hafen

Wie geht es nach dem Ende des Kohle-Umschlags mit dem Hafen weiter? Wird er Container-Umschlagplatz?

Nein, dieses Projekt ist vom Tisch, weil Investitionen nicht absehbar sind und die Förderung zu lange dauert. Wir brauchen schnelle Ansiedlungen von Investoren. Der Umschlag wird nicht ganz verschwinden, da geht es auch im Arbeitsplätze. Baustoffe könnten die Kohle ersetzen. Sie werden für den Bauboom nach der BER-Eröffnung gebraucht. Hafen, Funkerberg und Königspark sind die Zukunftsthemen der Stadt.

Die Parksituation am Bahnhof ist ein großes Problem. Wann wird das endlich gelöst?

Wir prüfen den Bau eines Parkhauses, aber wie ich jetzt erfahren habe, wird der neue Bahntunnel nicht vor 2022 gebaut. Es ist völlig absurd, dass sich Land und Bund da nicht einigen können. Der Tunnel sollte dieses Jahr fertig werden. Ohne ihn gibt es keinen Kreisverkehr in der Storkower Straße und auch kein Parkhaus. Wir werden uns etwas anderes überlegen müssen. Wir brauchen eine schnelle Lösung. Beim Fahrrad-Parkhaus am Bahnhof neben dem Wasserturm mit 450, teils abschließbaren Plätzen, sind wir viel weiter Es soll nach aktuellen Planungen im nächsten Jahr fertig werden.

Sie treten nicht wieder zur Bürgermeisterwahl an. Was machen Sie als Privatmann?

Ich gehe davon aus, dass ich ab 1. November eine Tätigkeit im Bereich des Flughafenumfeldes ausüben werde. Ich will künftig praktisch arbeiten und weg vom politischen Raum. Ich freue mich, wenn ich meine Erfahrungen einbringen kann.


Von Frank Pawlowski

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