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Dahme-Spreewald Eine scheinbar verrückte Welt
Lokales Dahme-Spreewald Eine scheinbar verrückte Welt
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06:00 19.01.2016
Wladimir Kaminer in Königs Wusterhausen. Quelle: Foto: Chr. Dederke
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Königs Wusterhausen

Wer zu Lesungen von Wladimir Kaminer geht, erlebt mit, wie er seine Gäste mit detaillierten Situationsbeschreibungen, Charme und intelligentem Humor unterhält. Am Sonntagabend las der Schriftsteller im Eventcenter in Königs Wusterhausen aus seinem aktuellen Buch „Das Leben ist (k)eine Kunst“ – ergänzt mit Lesestoff aus seinen früheren Werken und Anekdoten und Erlebnissen von seiner Reise durch Deutschland.

Das letzte Mal besuchte der Schriftsteller Wladimir Kaminer vor drei oder vier Jahren Königs Wusterhausen, wie er sagte. Kaminer selbst hat eine Kleingartenparzelle in Lindow.

Die Lesung eröffnete er mit Auszügen aus seinen Büchern über Pubertät bezogen auf seine Tochter und seinem Sohn. Das Thema war interessant für ihn, weil wie er sagte: „In der Sowjetunion gab es ja keine Pubertät.“ Kaminer selbst ist in Moskau geboren und verbrachte dort auch seine Jugend. Er las eine Geschichte vor, in dem sein Sohn eines seiner Bücher im Deutschunterricht behandelt hat. Auszüge aus seinen Büchern werden in Schulen diskutiert. Auf seine Frage, wie das Buch den Freunden des Sohnes gefallen habe, sagte er nur, nicht so gut. Kaminer hat die deutsche Staatsbürgerschaft und ist als Schriftsteller und Kolumnist tätig.

Kaminer schreibt seine Texte in deutscher Sprache und nicht in seiner Muttersprache Russisch. Beeindruckt ist er von den russischen Sprachkenntnissen der Ostdeutschen, die damals in den Schulen Russisch lernten, da es nicht selten ist, dass er auf Russisch begrüßt wird.

Im Eventcenter erzählte Kaminer auch, wie gern er ein Buch über Flüchtlinge schreiben würde, auf seine humorvolle Art und Weise, weil ihm die Geschichten auf seiner Reise durch Deutschland förmlich anspringen würden. Kaminer erzählte: „Über die Tragödie lachen lernen“, und ergänzte: „Nur so kann man sie lösen oder zumindest mit ihr leben.“ Einen Titel hätte er auch schon: „Ausgerechnet Deutschland“. Leider gestattet es sein Verleger nicht, darüber zu schreiben – noch nicht.

Doch vielleicht überlegt es sich der Herausgeber bei dieser Geschichte doch anders: Kaminer war vor einiger Zeit nachts in einer bayrischen Kleinstadt unterwegs und begegnete an der städtischen Bibliothek einer Gruppe von Syrern, wie er gern sagte. Er fragte sich, ob die Liebe zur deutschen Literatur dieses Treffen ermöglichte. Nein, es war einfach nur das frei empfangbare WLAN-Netz.

An diesem Sonntagabend gab Wladimir Kaminer seinen Einblick in eine Welt, die scheinbar verrückt geworden ist. Und er zeigte sich dabei ganz nach seinem Lebensmotto: „Privat bin ich ein Russe, beruflich ein deutscher Schriftsteller“.

Von Christian Dederke

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