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Dahme-Spreewald Eine traurige Geschichte vom Schallschutz
Lokales Dahme-Spreewald Eine traurige Geschichte vom Schallschutz
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09:17 24.07.2013
Michael Jungclaus (r.), Politiker und gelernter Tischler, schaut sich die bei Michael Schirmer in Mahlow eingebauten Fenster an. Quelle: Bischoff
Mahlow

 „Vier Jahre mussten vergehen“, berichtet der Mahlower weiter, „bis ich die 2009 beantragten Schallschutzeinbauten bekam – noch nicht einmal alle, aber immerhin die meisten.“ Es ist das erste Kapitel einer Geschichte wie sie sich so oder ähnlich oftmals in der Flughafenregion abspielt. Michael Jungclaus, einer von fünf Landtagsabgeordneten der Grünen und ihr verkehrs- sowie umweltpolitischer Sprecher, hat sich auf Schirmers Terrasse niedergelassen, um sie sich bis zu Ende anzuhören. Auf seiner jährlichen Sommertour will er sehen, wie Politik im Alltag der Bürger ankommt. Gerade ließ er sich die Nöte der Anwohner einer Straße schildern, denen Lkw auf der Flucht vor der Autobahn-Maut an der Hauswand vorbeidonnern. Jetzt geht es um den Lärm von oben.

„Wenn wir Glück haben, werden wir morgens von unserem Kater geweckt“, bemerkt der Gastgeber. „Wenn nicht, übernimmt das immer kurz nach fünf eine Propeller-Maschine. Bald danach reihen sich die Flugzeuge wie auf einer Perlenkette aneinander.“ Zum Glück hat sich der Besucher zur Mittagszeit angesagt. Aber auch in der dauert es von einem Krach bis zum nächsten gerade mal sieben Minuten. „Meist geht es dann los, wenn ich gerade telefonieren will“, sagt Lucie Schirmer.
Ihr Mann holt zu den nächsten Kapiteln der Schallschutz-Geschichte aus, und sie werden nicht besser als der Beginn. Die bei den Einbauten beschädigten Fensterbleche weigerten sich die Monteure zu ersetzen, die genehmigte Rollladenkasten-Dämmung bezeichneten sie als nicht umsetzbar, und vor Lüftern, die er als technisch unausgereift betrachtete, schreckte Schirmer selbst zurück.
 

„Da haben Sie im Winter prächtig ihren Garten geheizt“, schlussfolgert Jungclaus, als ihm der Hausherr eine thermographische Untersuchung vorlegt, die ein von der Bürgerinitiative des Mahlower Schriftstellerviertels vermittelter Gutachter anfertigte. Eine Fensterfront, zeigte sich da, war undicht. „Wo Wärme durchgeht, geht auch Schall durch“, stellt der Gast fest. „So viel weiß ich als gelernter Tischler.“ Er hört aufmerksam zu und nimmt sich Zeit, nicht nur wegen der großen Stücken Kirschstreusel, die die Hausfrau serviert.
 

Zu all dem Ärger kommt: Die Betroffenen müssen den Bauherren spielen, sich mit Ingenieuren und Firmen herumschlagen. Das kostet Kraft und Nerven. „Der Flughafen hält sich da fein raus und macht es für Sie zur Odyssee“, bescheinigt der Grünen-Politiker seinem Gesprächspartner. „Erst ging es um den Standort, dann um den Nachtflug. Nun müssen wir uns mit ganzem Einsatz um das Schallschutzprogramm kümmern“, zieht Michael Jungclaus bereits sein Fazit und kündigt eine Anfrage im Landtag dazu an.
Doch dann ist da noch ein Problem. „Was passiert, wenn jetzt entsprechend dem jüngsten Gerichtsurteil von Null Überschreitungen der 55 Dezibel geschützt werden muss“, fragt Flughafen-Anwohner Schirmer. Werden nur die Scheiben der gerade erst montierten Schutzfenster getauscht oder jeweils das ganze Teil? „Nach den vom Gericht bestätigten Normen hätte längst gearbeitet werden müssen“, betont Verkehrspolitiker Jungclaus. „Doch das Ministerium hat, offenbar um Geld zu sparen, die Flughafengesellschaft in ihrer falschen Praxis sehenden Auges gewähren lassen.“ Herausgekommen sei dabei das Gegenteil von Ersparnis: „Allein für die Ingenieurbüros wurden 15 Millionen versemmelt.“

Jetzt müsse überall erst einmal neu gemessen werden, hat Pensionär Schirmer gerade telefonisch erfahren. In Eichwalde und Schulzendorf gehe es los. Dann wäre er vielleicht Weihnachten dran. Sigrid Zentgraf-Gerlach, die Vorsitzende seiner Bürgerinitiative, hat noch schlechtere Nachrichten. Ihr liegt ein Schreiben von Flughafen-Schallschützer Peter Lehmann vor, der darin avisiert, zunächst lediglich dort Schutzmaßnahmen auszuführen, wo der Maximalpegel 90 Dezibel nicht übersteige. Das sind nur 1300 Haushalte. Aber 14 000 haben Anspruch. Im großen restlichen Gebiet der Schwerbetroffenen sei in 75 Prozent der Fälle technisch angeblich nichts zu machen.
„Damit wird der Einzelfall zum Regelfall gemacht“, empört sich Zentgraf-Gerlach gegenüber Jungclaus, der nun an ihrem Küchentisch sitzt. „Wir wollen Schallschutz, keine Entschädigung“, hebt die engagierte Streiterin hervor. „Nur bei ganz klapprigen Buden, die faktisch völlig umgebaut werden müssten, kommt die in Betracht.“ Außerdem dürfe Lärmschutz nicht an Vermögen gebunden werden, indem Besitzer wertvoller Anwesen hohe Entschädigungsleistungen erhielten. Auch Jungclaus hat in den Regelungen ein Arm-Reich-Gefälle entdeckt: „Wer eine schöne Hütte hat, bekommt Schutz oder viel Geld, wer sich einen DDR-Bungalow ausbaute, wird abgespeist.“

Ihr Ort sei von An- und Abflügen, von 19 Stunden Dauerbelastung gepeinigt, klagt Aktivistin Zentgraf-Gerlach. „Trotzdem sind die Leute gezwungen, um ihr Recht zu kämpfen.“ Die Landesregierung müsse als Aufsichtsbehörde eingreifen, doch lasse sie der Flughafengesellschaft gern alles durchgehen. Der Oppositionspolitiker stimmt ihr da freudig zu. Erst als das Gespräch auf die von Blankenfelde-Mahlow noch immer geforderte Standort-Verlagerung kommt, endet die Einigkeit. „Da wir mit dem Airport nun einmal leben müssen“, versucht Jungclaus einen gemeinsamen Nenner zu formulieren, „geht es darum, das Lärmschutzprogramm so gut wie möglich umzusetzen.“ Doch die Mahlowerin folgt ihm da nicht ganz. „Wir müssen mit ihm leben. nicht Sie“, antwortet sie.

Von Klaus Bischoff

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