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Einer gegen (fast) alle

Königs Wusterhausen Einer gegen (fast) alle

Der parteilose Bürgermeisterkandidat Swen Ennullat (Freie Wähler KW) war der Überraschungssieger bei der Wahl am Sonntag und geht als Favorit in die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten. Sollte er wirklich den Chefsessel im Rathaus erobern, wird die Arbeit nicht einfach für ihn. Der Stadtrat hat er kaum Unterstützer.

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Swen Ennullat, 41, trat aus der CDU aus und gründete die Freien Wähler KW mit, die ihn für die Bürgermeisterwahl nominierten.

Quelle: Privat

Königs Wusterhausen. Beim MAZ-Forum zur Bürgermeisterwahl wurden die sechs Kandidaten gefragt, welches Ergebnis sie sich wünschen. Swen Ennullat (Freie Wähler KW) notierte 25 Prozent. Tatsächlich holte er am Wahlsonntag knapp 43 Prozent. Es war das mit Abstand beste Ergebnis. Nicht einmal er selbst hatte damit gerechnet, ganz zu schweigen von seinen Kontrahenten. Der Überraschungssieger geht nun als Favorit in die Stichwahl am 8. Oktober, wo er gegen SPD-Kandidat Georg Hanke antritt. Der bekam in der ersten Runde viertausend Stimmen weniger als Ennullat, landete mit knapp 23 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

Feldzug gegen die etablierte Stadtpolitik

Noch nie hat ein parteiloser Kandidat bei einer Bürgermeisterwahl in Königs Wusterhausen den Parteien derart den Rang abgelaufen. Ex-CDU-Mitglied Ennullat sieht sich in seinem Feldzug gegen die etablierte Stadtpolitik bestätigt. „Die Leute haben die Nase voll davon“, sagte er noch am Wahlabend. Dass der 41-Jährige anders sein will, hat er im Wahlkampf eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Er durchschwamm die Dahme, radelte nachts durch die Stadt, ließ Musikgruppen auf der Bahnhofstraße für sich spielen, veranstaltete Diskussionsrunden zu Altanschließern und

Auszählung der Stimmen in einem Briefwahllokal am Sonntagabend im Rathaus

Auszählung der Stimmen in einem Briefwahllokal am Sonntagabend im Rathaus.

Quelle: Frank Pawlowski

Kitabeiträgen. Auf einem eigenen Youtube-Kanal dokumentierte er seine Auftritte, ließ am Niederlehmer Wasserturm an der Autobahn ein XXL-Plakat anbringen. Gefühlt war Ennullat einfach überall. Mehrere Zehntausend Faltblätter und Postkarten verteilten er und seine Anhänger persönlich in der Stadt, indem sie von Haustür zu Haustür zogen.

Alt-Linke und ehemaliger Pro-Köln-Aktivist als Unterstützer

Die Freien Wähler KW, die Ennullat nominierten, gibt es erst seit wenigen Monaten. Zu seinen Unterstützern gehören Alt-Linke ebenso wie ein ehemaliger Pro-Köln-Aktivist. Ein weiterer Mitstreiter soll Kontakte zur Reichsbürger-Szene pflegen. Der Aufschrei bei Ennullats Kontrahenten war groß. Den Vorwurf, sich nicht klar von rechten Einflüssen zu distanzieren, weist er jedoch empört zurück. Als Staatsschützer habe er einst selbst gegen Nazis ermittelt, seine Familie sei aus der Szene heraus bedroht worden.

Umsetzung der Wahlversprechen wird schwierig

Ob er als Bürgermeister seine Wahlversprechen umsetzen und – wie von ihm angekündigt – anders regieren kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt fraglich. Die Stadtverordnetenversammlung wird von SPD, Wir für KW und der CDU dominiert. Schon für Ennullats wichtigste Forderung nach beitragsfreien Kitas und Horten käme aktuell keine Mehrheit zustande. SPD und CDU lehnen das kategorisch ab, weil das für die Stadt nicht bezahlbar sei. Das Geld würde für den geplanten Neubau von Schulen und Kitas benötigt. Finden beide Seiten in dieser und anderen strittigen Fragen nicht zueinander, ist ein Dauerkonflikt zwischen einem Rathaus-Chef Ennullat und seinem Dienstherren, dem Stadtrat, programmiert.

Zerrüttetes Verhältnis zum Kämmerer

Auch in der Verwaltung müsste Ennullat, der dort einmal als Fachbereichsleiter für Bildung und Soziales tätig war, neues Vertrauen gewinnen. Vizebürgermeister und Kämmerer Jörn Perlick, als CDU-Bürgermeisterkandidat am Sonntag chancenlos, nannte ihn nach der Wahl einen „Blender“ und „Populisten“. Eine Zusammenarbeit scheint zwischen beiden unmöglich zu sein. Perlick und der scheidende Bürgermeister Lutz

Besucher im SPD-Zelt auf der Festwiese in Königs Wusterhausen kurz vor der ersten Prognose um 18 Uhr

Besucher im SPD-Zelt auf der Festwiese in Königs Wusterhausen kurz vor der ersten Prognose um 18 Uhr.

Quelle: Frank Pawlowski

Franzke (SPD) haben Ennullat nicht verziehen, dass er sie mit Strafanzeigen der Untreue bezichtigte. Die Verfahren wurden eingestellt.

Versöhnliche Töne an die Kritiker

Ennullat selbst schlug noch am Wahlabend versöhnliche Töne an, als er von seiner ausgestreckten Hand sprach und dem Bewusstsein, ohne Mehrheiten nichts ausrichten zu können. Seine politischen Gegner nehmen ihm das nicht ab. CDU-Fraktionschef Peter Dreher sagte, er könne sich nicht vorstellen, wie eine Zusammenarbeit aussehen solle. Wir-für-KW-Chef Michael Reimann hält das sogar für ausgeschlossen. Die Freien Wähler KW wiederum erklärten, die Hand ihres Kanidaten bleibe „selbstverständlich auch in Richtung CDU ausgestreckt.“ Die Freien Wähler sind im Stadtrat nicht vertreten.

FDP sehnt Politikwechsel herbei

Unterstützung bekommt Ennullat inzwischen von der Königs Wusterhausener FDP, ohne dass er namentlich genannt wird. Das Wahlergebnis sei „eine herbe Niederlage für die seit Jahren in der Stadtverordnetenversammlung kooperierenden Parteien SPD und CDU und ihre Bürgermeisterkandidaten“, teilte der Ortsverband am Mittwoch mit. Das Wahlziel der unterlegenen FDP-Kandidatin sei somit erreicht. Vorsitzender

Tourteufel Didi Senft unterstützte des Wahlkampf von Swen Ennullat, stellte das größte Tandem der Welt aus seinem Radsportmuseum für die Kamp

Tourteufel Didi Senft unterstützte des Wahlkampf von Swen Ennullat, stellte das größte Tandem der Welt aus seinem Radsportmuseum für die Kampagne zur Verfügung.

Quelle: Gerlinde Irmscher

René Klaus sagte: „Ein Politikwechsel zumindest erst einmal an der Rathausspitze rückt in greifbare Nähe und ist bereits ein Signal für die nächste Kommunalwahl 2019.“ Er forderte ein Ende von „Hinterzimmer-Entscheidungen und Klientelpolitik.“

Fraktionen unterstützen SPD-Kandidaten

Unterdessen haben die Stadtratsfraktionen von CDU, Wir für KW, und Linke ihre Unterstützung für Hanke erklärt. Ex-Bürgermeister Stefan Ludwig schloss sich ebenfalls an.

Swen Ennullat sieht sich noch nicht am Ziel: „Wir dürfen nicht müde werden und müssen den Wahlkampf zu einem guten Ende führen.“

Von Frank Pawlowski

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