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Einfach mal Ruhe haben

MAZ-Redakteure verraten zum Internationalen Tag gegen den Lärm ihre Ruheoasen Einfach mal Ruhe haben

Ruhe ist Luxus, einfach mal nichts hören. Das ist heutzutage ganz schön schwer. Irgendwo dröhnt immer irgendwas. Zum Internationalen Tag gegen Lärm hat die MAZ mit Experten gesprochen, was Ruhe bedeutet und warum sie wichtig ist. Und vier Kollegen verraten ihr Ruhegeheimnis, eine Überraschung ist dabei.

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Spielende Kinder auf dem Hof, startende oder landende Flugzeuge – Lärm definiert jeder für sich anders. Dass er auf Dauer aber gesundheitliche Folgen haben kann, steht außer Frage. Umso wichtiger ist es, auch einmal abzuschalten und den Alltagslärm außen vor zu lassen. Experten raten daher dazu, einen Rückzugsort zu haben und sich die Zeit für Entspannung zu nehmen.

„Das Gehör braucht regelmäßige Ruhepausen“, sagt Claudia Himmler. Von unnötigem Freizeitlärm wie lauter Musik über Kopfhörer rät die Hörgeräteakustik-Meisterin aus Königs Wusterhausen deshalb ab. Das Innenohr könne dadurch geschädigt werden, indem dort die empfindlichen Sinneshärchen unwiederbringlich umknicken. Eine Schwerhörigkeit sei so vorprogrammiert, auch wenn dies ein schleichender Prozess sei. „Zuerst sind die hohen Töne nicht mehr wahrnehmbar“, erklärt Claudia Himmler. Zum Beispiel seien Grillen nicht mehr zu hören, später dann Vogelgesang und am Ende gebe es Schwierigkeiten, einem Gespräch zu folgen. „Unsere Kunden sagen dann immer ,Ich kann eigentlich ganz gut hören, die anderen nuscheln nur so’“, berichtet sie. Mittlerweile sollen laut Statistik wohl schon die Hälfte aller 50-Jährigen eine verminderte Hörfähigkeit haben, die eigentlich mit einem Hörgerät behandelt werden könnte.

Das bedeutet der Tag gegen den Lärm

Der internationale Tag gegen den Lärm findet in Deutschland seit 1998 jedes Jahr im April statt. Dieses Jahr steht der Tag unter dem Motto „Die Ruhe weg“.

Mit dieser Aktion will die Deutsche Gesellschaft für Akustik auf die zunehmende „Verlärmung“ der Umgebung hinweisen und spricht sich für den Erhalt ruhiger Gebiete aus.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfielt Claudia Himmler die Zuflucht auf eigene Ruheinseln, damit der Alltagslärm einmal hinter sich gelassen werden kann. Für sie selbst ist dieser Ruhepol ein Spaziergang in der Natur.

„An bestimmten Lärm kann man sich ganz sicher gewöhnen“, sagt Stefan Kropp, Chefarzt der Psychiatrie im Asklepios Fachklinikum Teupitz. Doch mit Blick auf unseren Alltag, in dem jeder ständig auf Trab und von vielen Tönen begleitet ist, findet er Phasen der Ruhe unverzichtbar. „Zwischenzeiten sollten gegeben sein, wo man zur Ruhe kommt. Ansonsten holt der Körper sich das zurück, was ihm fehlt“, sagt Kropp. Zwar sei Lärm allein nie Auslöser einer psychischen Krankheit. Doch könne er durchaus dazu beitragen, die psychische Situation zu verschlechtern.

Für Patienten der Klinik sei Ruhe ein unverzichtbarer Beitrag zur Behandlung. „Um gesund zu werden ist es für sie besonders förderlich, im Park zu entspannen oder ein bis zwei Stunden am See zu verbringen“, erzählt Kropp. Gerade dort sei Krach nicht zu finden, Entspannung dafür umso mehr.

Lutz Rohne sieht das ganz ähnlich. Der Angler und Vorsitzende des Luckenwalder Anglervereins kann sich am besten am Wasser ausruhen. „Lärm ist beim Angeln absolut schädlich. Wir wollen doch Fische fangen und nicht verscheuchen“, sagt der 61-Jährige. Gemäßigte Unterhaltungen, höchstens vielleicht ein wenig leise Radiomusik seien erlaubt. „Aber der einzige Lärm ist dann das Vogelgezwitscher und das Plätschern der Fische im Wasser.“ Dass es ihm dabei einmal zu ruhig werden könnte, glaubt Lutz Rohne nicht: „Man wird doch schon den ganzen Tag zugequatscht.“

So entspannen MAZ-Redakteure

Alexander Engels: „Nun ist Jüterbog keine unglaublich laute Stadt. Aber zum Rand hin fällt der Lärmpegel doch spürbar ab, etwa am Südweg. Er führt vom Damm- zum Neumarkttor entlang der mittelalterlichen Schutzwälle. Vögel zwitschern, Frösche hüpfen und der Blick schweift über die weiten Felder des Flämings.

Nadine Pensold: „Ruheoasen – das sind für mich vor allem die Wälder in der Region. Besonders gerne bin ich auf dem Walkmühlenweg zwischen Luckenwalde und Woltersdorf unterwegs. Jetzt, wo das Grün der Bäume noch ganz frisch ist und der Duft blühender Pflanzen in der Luft liegt, kann ich mich beim Spaziergehen wunderbar entspannen.“

Franziska Mohr: „Wer in der Innenstadt von Königs Wusterhausen mit seinem Verkehrs- und Bahnlärm arbeitet, flüchtet gern ein wenig in die Ortsteile. Ich mag es einfach frühmorgens in aller Ruhe in den Krummensee in Zeesen abzutauchen. Da kann man Schwäne und Enten beobachten und natürlich den Kuckucksruf hören.“

Christian Zielke: „Als Kind der Einflugschneise, aufgewachsen in Mahlow, bin ich sozusagen süchtig nach Lärm. Ruhe macht mir Angst. Wenn mir der Krach von Flugzeugen, Autos und Zügen zu viel wird, setze ich mir Kopfhörer auf und flüchte mit dem Fahrrad. Solche Momente, in denen man sich den Lärm aussuchen kann, sind wahre Oasen.“

Von Aileen Hohnstein

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