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Einwohnerversammlung in Zeesen

Flüchtlingsstrom Einwohnerversammlung in Zeesen

Der Landkreis Dahme-Spreewald muss in diesem Jahr insgesamt 2000 Flüchtlinge aufnehmen. Ende der 90er Jahre waren es jährlich knapp 100. In Zeesen leben jetzt 226 Menschen in einer Notunterkunft im Gewerbegebiet, weitere 49 kommen im alten Kita-Gebäude ihinzu. Darüber wurden die Bürger am Dienstagabend in einer Einwohnerversammlung informiert.

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Bürgermeister Lutz Franzke (2. v. l.) und Landrat Stephan Loge (3. v. l.) sprachen in Zeesen.

Quelle: Irmscher.

Zeesen. Mehr als 1100 Zeesener Haushalte wurden am Dienstagabend von Landrat Stephan Loge (SPD) und Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) zu Einwohnerversammlungen zur Unterbringung von Flüchtlingen in die Sporthalle der Grundschule eingeladen. „Die Bürger werden hier regelrecht abgezählt, es gibt Einlasskontrollen mit Ausweis. Das finde ich nicht in Ordnung“, empörte sich der Zeesener Lutz Schwertfeger schon vor Beginn der Veranstaltung. Eingelassen wurde letztlich aber jeder Bürger, der dies begehrte.

Schnell zeigte sich, dass nicht die bis April befristete Notunterkunft mit aktuell 226 Flüchtlingen im Gewerbegebiet, sondern vor allem die bis 2018 geplante Unterbringung von 49 Asylbewerbern im ehemaligen Kita-Gebäude in der Puschkin-/Ecke Alte Hauptstraße die Gemüter im Ort erregt. „Der Landkreis muss 2015 2000 Asylbewerber aufnehmen. Ende der 90er Jahre waren es nicht einmal 100“, sagte Landrat Loge.

Bürgermeister Franzke sagte, dass an mindestens fünf Standorten in Königs Wusterhausen demnächst insgesamt 700 Flüchtlinge leben werden. Das bezieht sich in Zeesen auf das Gewerbegebiet und die Puschkinstraße, auf Uckley, die alte Jugendarrestanstalt sowie Wohncontainer in Niederlehme neben Rewe. „Es wird keinem Elternteil der Kita-Platz zugunsten eines Flüchtlingskindes gestrichen“, trat Franzke gleich zu Beginn den im Ort kursierenden Gerüchten entgegen. Auch die Behauptung, dass der Straßenausbau in der Stadt auf Null gesetzt und jetzt sogar der Ausbau der Zeesener Puschkin-straße gestoppt werde, sei Unsinn.

Mit dem Einzug der ersten Flüchtlinge in das alte Kita-Gebäude rechnet Franzke Anfang Januar. „Dort werden 50 Menschen zusammengepfercht. Das wird eine Dauereinrichtung. Wo sollen diese Menschen denn hin? Es gibt schon jetzt keinen bezahlbaren Wohnraum in der Region“, meinte ein Bewohner aus der Waldstraße. Franzke bestätigte, dass es schwer ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Der Neubau beginne bei acht Euro Kaltmiete. Förderprogramme würden jetzt aufgelegt, wobei es sich aber keineswegs um speziellen Wohnungsbau nur für Flüchtlinge handelt.

„Wer trägt die Kosten für die Asylbewerber, die nirgendwo etwas eingezahlt haben?“, fragte eine ältere Dame. Die Grundkosten übernimmt der Bund und damit letztlich der Steuerzahler. Loge und Franzke ließen keinen Zweifel, dass der Flüchtlingsstrom auch die kommunalen Haushalte belastet. Loge sicherte zu, dass es in der Flüchtlingsunterkunft neben dem Sozial- auch einen Sicherheitsdienst geben wird. Von einer erhöhten Kriminalitätsrate in Bezug auf die Flüchtlinge sei ihm nichts bekannt. „Viele Handwerker benötigen Arbeitskräfte. Allein im Dienstleistungsbereich sind im Kreis 1200 Jobs nicht besetzt“, verwies Loge auf Integrationschancen. Zwei Zeesener charakterisierten dies als „Mogelpackung“ und „Schönfärberei“ und erhielten Beifall.

Bürger fragten aber auch, wo Hilfe benötigt wird. „Das Wichtigste ist ein wenig Zeit für die Flüchtlinge“, sagte Ute Schilde vom Netzwerk Migration Bestensee. Laut Gesetz stehen jedem Flüchtling fünf Quadratmeter Wohnraum, zwölf Personen ein Waschbecken und 20 eine Toilette zu.

Von Franziska Mohr

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