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Dahme-Spreewald Erfahrungen mit dem Vergänglichen
Lokales Dahme-Spreewald Erfahrungen mit dem Vergänglichen
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00:25 16.01.2016
Istanbul-Stipendiatin Gisela Gräning auf dem Friedhof an der Süleymaniye-Moschee. Quelle: Heidrun Voigt
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Eichwalde

Jeden Tag eine Zeitung in Istanbul kaufen. Ein türkisches Wort auswählen. Es übersetzen. Sich von ihm zu einer Collage inspirieren lassen. Heiymallos heißt heimatlos. Güven steht für Vertrauen und Zaman für Zeit. Die Eichwalder Künstlerin Gisela Gräning war von Ende November bis Anfang Januar in der türkischen Metropole. Sie hatte ein Stipendium vom Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BVBK) bekommen. Es wurde erstmals im vergangenen Jahr in Kooperation mit dem Kulturministerium des Landes Brandenburg vergeben.

Außer den Wortcollagen gab es noch andere Ideen auf dem Hinflug in Gränings Gepäck. „Bei zwei Studienreisen habe ich schon einen intensiven Blick in die Antike des Landes in der Westtürkei geworfen. In Istanbul interessieren mich vor allem die alten Stadtteile, die dem Abriss preisgegeben werden“, sagt die Künstlerin. Mit ihrer Kamera hat sie sich auf Spurensuche begeben, den Charme des Morbiden, des Vergänglichen festgehalten.

„Ich plane, die antiken Skulpturen mit der Großstadt zu verweben. Vielleicht gelingt mir eine Verdichtung der Jahrtausende.“ Gisela Gräning spricht von den Ideen, die sie in ihrem Atelier realisieren will. Zeichnungen von Architekturfragmenten sollen entstehen. Gesichter antiker Statuen und türkischer Schaufensterpuppen werden sich in „Composites“ begegnen. Composites, so nennt Gisela Gräning ihre Collagen, denen Fotos zu Grunde liegen. „Details von Aufnahmen vergrößere ich, setze sie neu zusammen, färbe sie ein. Die so entstandenen Bilder werden auf Leinwand gedruckt und durch Japanpapier, Tinte und Ölkreide ergänzt.” Viel Erfahrung mit dem Vergänglichen sammelt die Künstlerin schon seit Jahren in den Tagebauen der Lausitz. Dort richtet sie ebenfalls ihr Okular auf Zeitspuren, beamt das leicht Übersehbare in den Vordergrund. Als promovierte Biologin untersuchte Gisela Gräning lange Zeit Zellstrukturen, hatte tagtäglich mikroskopische Bilder vor Augen. 1990 zog sie sich aus der Wissenschaft zurück, um sich ihrer Berufung zuzuwenden. Den an Präparaten geschulten Blick, das analytische Herangehen hat sie in die Kunst mitgenommen.

Auch in den Wort-Collagen klingt das an. Gräning kombiniert die Zeitungsausschnitte mit alten türkischen Fotos. Sie ergänzt sie mit den Farbabdrücken von Metallteilen und Schablonen. Alles stammt von Trödelläden und Basaren. Entstanden ist eine Reihe, in der die Künstlerin den einzelnen Wörtern auf den Grund geht und sie spannungsvoll zueinander in Kontext setzt.

„Im Gegensatz zu hier ist die Türkei ein unfertiges Land. Bei uns ist alles so gut aufgeräumt und glatt gestrichen. Dort lebt man einfach“, sagt die Stipendiatin. Betreut wurde sie am Bosporus von Thomas Büsch und Sabine Küper-Büsch. Die beiden Filmemacher leben seit etwa 20 Jahren in Istanbul und gehören dem Verein Dialog an. Dieser fördert den kulturellen Austausch der Türkei mit anderen Ländern und wird unter anderem vom Goethe-Institut unterstützt. „Die beiden deutschen Praktikantinnen des Vereins haben mir auch geholfen. Sie zeigten mir beispielsweise Stadtteile, die von Interesse für meine Arbeit waren“, sagt Gisela Gräning.

Durch den Verein hat sie eine Stipendiatin aus Wien kennengelernt. Auf ihren Exkursionen wurde die Eichwalderin öfter von Einheimischen beim Fotografieren angesprochen. Und so erfuhr sie manchmal auch etwas zur Geschichte ihrer Fotomotive. In Istanbul lebte die Künstlerin in einer Wohnung in dem asiatischen Stadtteil. Von dort aus besuchte sie Märkte, Moscheen, Friedhöfe, Kunstsammlungen, Ausstellungseröffnungen, Parks, historische Orte, interessierte sich für die sozialen Strukturen der 17-Millionen-Stadt. „Ich werde noch eine ganze Zeit Anregungen haben, gerade von Orten wie dem Stadtteil Eyüp, den ich mehrmals besucht habe“, sagt die Eichwalder Künstlerin.

Von Heidrun Voigt

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