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Dahme-Spreewald Erfindung aus Groß Köris soll Wildunfälle verhindern
Lokales Dahme-Spreewald Erfindung aus Groß Köris soll Wildunfälle verhindern
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14:21 12.11.2014
Firmenchef Thomas König (r.) begutachtet die Produktion der Wildschutzwarner. Quelle: Uta Schmidt
Schenkendorf

Die Wälder und Felder um Mittenwalde gehören zu den wildreichsten im Landkreis Dahme-Spreewald. In der Dunkelheit bekommen das auch die Autofahrer zu spüren. „Vor allem auf dem Straßenabschnitt zwischen Schenkendorf und der Autobahn registrierten wir im vergangenen Jahr zwölf Unfälle durch Rehe und fünf durch Wildschweine“, sagt Dieter Böttcher, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Schenkendorf-Krummensee. „Dann müssen wir ausrücken, um die Tiere zu beseitigen oder zu töten. 40 Prozent unserer Abschüsse sind mittlerweile verkehrsbedingt“.

Dieter Böttcher (r.) und Hagen Weiher von der Jagdgenossenschaft Schenkendorf-Krummensee montieren die Wildschutzwarner. Quelle: MAZ

Autofahrer nimmt die Multi-Wildschutzwarner kaum wahr

Diese gefährliche Entwicklung kann jetzt gestoppt werden. Waidmänner aus Schenkendorf versehen derzeit Leitpfosten an der Straße nach Krummensee mit leuchtenden Wildschutzwarnern. Diese nicht nur bei Jägern gefragte Innovation stammt von der Firma Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung GmbH. Mittels eines Farbspektrums von Blau-, Türkis- und Grüntönen kann Wild davon abgehalten werden, auf die Straße zu laufen. „Der Autofahrer nimmt die Multi-Wildschutzwarner kaum wahr und wird so nicht abgelenkt. Das Wild allerdings wird nicht mehr durch die Scheinwerfer der Autos geblendet, sondern vorher zum Stillstand bewegt“, erklärt Böttcher das Prinzip. Bereits im Oktober versahen die Jäger 50 Leitpfosten an der Straße zwischen Schenkendorf und der Autobahnabfahrt Mittenwalde mit Wildschutzwarnern.

Tiere reagieren auf blaugrüne Farben empfindlich

Entwickler ist Detlef Roggan aus Groß Köris. Der Jäger kam auf die Idee, nachdem er bis zu 40 Mal pro Jahr – oft in der Nacht – zu Wildunfällen gerufen worden war. „Anfangs waren das Straßenverkehrsamt und die zuständige Straßenmeisterei wenig begeistert. Nach mehreren Terminen konnte ich aber eine Zustimmung erreichen“, sagt Roggan. Er habe herausgefunden, dass Wildtiere nicht auf rotes- oder UV-Licht, sondern auf blaugrüne Farben empfindlich reagieren. Zusätzlich komplettierte er die Baugruppen mit einem streng riechenden Duftschwamm, der Wildtiere ebenso abschrecken soll. Nach drei Jahren konnte Detlef Roggan durch seine Entwicklung eine nachhaltige Senkung der Wildunfälle an den ausgewählten Straßen nachweisen. Das überzeugte auch die Genehmigungsbehörden.

Deutschlandweit über 260.000 Wildunfälle im Jahr

„Nach über vier Jahren Entwicklungszeit können wir statistisch belastbar eine 80-prozentige Senkung von Wildunfällen an den ausgewählten Straßen nachweisen“, sagt Roggan. Der wirtschaftliche Effekt dieser inzwischen patentierten Erfindung könnte enorm sein. Immerhin gebe es deutschlandweit pro Jahr 260.000 Wildunfälle mit insgesamt rund 600 Millionen Euro Schaden. „Inzwischen bekundet auch das Bundesministerium Interesse“, sagt Thomas König, Geschäftsführer des Motzener Unternehmens, das das Gerät seit zwei Monaten herstellt und demnächst in Serienproduktion gehen will. Die Nachfrage sei größer als erwartet. König räumt aber auch ein, dass ähnliche Produkte bereits auf dem Markt seien.

Vom großen Nutzen dieser Entwicklung sind die Mitglieder der Jagdgenossenschaft in Schenkendorf-Krummensee überzeugt. Sie investierten aus eigenem Budget bisher knapp 600 Euro für zunächst 70 Stück an einem kompletten Straßenabschnitt. „Wir wollen schließlich Wild hegen und pflegen und nicht nur tote Tiere beseitigen“, sagt Böttcher.

Von Uta Schmidt

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