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Dahme-Spreewald Erstes Hachschara-Landwerk Deutschlands
Lokales Dahme-Spreewald Erstes Hachschara-Landwerk Deutschlands
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04:40 17.11.2016
Der Halber Ortschronist Bernd Ruschke dokumentiert seit 2005 die Geschichte des jüdischen Lebens in seiner Gemeinde. Quelle: Josefine Sack
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Halbe

Sie markieren den Ortsausgang von Halbe, die Häuser mit den Nummern 16 und 17, gegenüber des kleinen Waldsees an der Teupitzer Straße. Das Transportunternehmen Brandt hat dort sein Büro, nebenan Wohnungen. Nichts an dem unscheinbaren Gebäude mit dem grauen Putz erinnert heute daran, dass sich hier einst vermutlich Deutschlands erstes Hachschara-Landwerk befunden hat.

In der Teupitzer Straße, gegenüber des Halber Waldsees, befand sich von 1935 bis 1941 vermutlich die erste Hachschara-Stätte Deutschlands. Quelle: Jodefine Sack

Hachschara ist hebräisch und heißt so viel wie „Tauglichmachung“. Gemeint ist die systematische Vorbereitung deutscher Juden auf die Alija, die Einwanderung und Besiedlung Palästinas. Es handelte sich dabei um ein Programm der zionistischen Jugendbewegung in den 1920er und 1930er Jahren. Die Hachschara-Kurse fanden auf dem Land statt und dauerten in der Regel zwei bis drei Jahre. Eine Gruppe von Auswanderungswilligen lernte dort, was für den Aufbau eines Gemeinwesens in Palästina notwendig erschien. Die meist aus bürgerlichem Umfeld stammenden jungen Menschen erwarben vor allem landwirtschaftliche und handwerkliche Fertigkeiten.

Jüdische Siedlung ab 1919

Der Halber Ortschronist Bernd Ruschke beschäftigt sich seit Jahren mit dem jüdischem Leben in seiner Gemeinde. Dass sich am Ortsausgang, nur gut zwei Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt, bis Ende der 1930er Jahre ein Hachschara-Landwerk – noch dazu das erste in ganz Deutschland – befand, erfuhr er vor gut zehn Jahren bei einer Ausstellung in Trebbin. Denn auch im heutigen Nachbarlandkreis Teltow-Fläming, im Ludwigsfelder Ortsteil Ahrensdorf, befand sich ab 1936 ein jüdisches Ausbildungswerk.

Eine Hachschara-Stätte in Halbe, noch dazu in den Jahren der Nazi-Herrschaft? Bernd Ruschke machte sich auf die Suche und wurde fündig. Seinen Recherchen zufolge befand sich bereits ab 1919 eine jüdische Siedlung im Ort. Eine jüdische Siedlungsgenossenschaft hatte das ehemalige Ziegeleigelände nach dem Ersten Weltkrieg aufgekauft, um dort Ackerbau zu betreiben.

„Judenhaus“ ist bis heute erhalten

Ein historischer Zeitungsausschnitt belegt Ruschkes Annahme. In dem Artikel aus dem Teltower Kreisblatt vom 23. Juli 1920 heißt es wörtlich: „daß (...) eine jüdische Mustersiedlung – die erste in Deutschland – geschaffen wurde, in der junge Leute (...) in der Form einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft sich beruflich auf dem Gebiete des Gartenbaus und der Landwirtschaft betätigen.“

Vom jüdischen Leben in Halbe zeugen heute noch das sogenannte „Judenhaus“ in der Schweriner Straße, das den jüdischen Siedlern ab den späten 1920er Jahren vermutlich als Kantine und Seminargebäude diente. Von 1934/35 an befand sich die Ausbildungsstätte dann in der Nähe des Weinbergs, an der Teupitzer Straße. Unter der Leitung des Diplomlandwirts Friedrich Perlstein (1904 – 1979) legten die Auswanderungswilligen hier Frühbeete an, erlernten die Grundlagen der Viehzucht sowie der Botanik und hofften, nach ihrer Ausbildung eine Einreisegenehmigung nach Palästina zu erhalten. Diese wurde von den britischen Behörden jedoch nur begrenzt erteilt.

Deutschlandweite Hachschara-Bewegung

Im Sommer führte Bernd Ruschke Forscher der Leibniz Universität Hannover zur ehemaligen Hachschara-Stätte in Halbe. Zwischen dem Landwerk und der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem bei Hannover gab es einst enge Verbindungen.

1934 hatte die Hachschara-Bewegung an die 15 000 Mitglieder. Es gab 32 Lehrstätten in Deutschland, 13 davon in Brandenburg,

Mit der Pogromnacht am 9. November 1938 endete das jüdische Leben in Halbe schlagartig. Zwar konnten die Schüler das Landwerk rechtzeitig verlassen, die Stätte wurde jedoch schwer beschädigt. Friedrich Perlstein zwang man, das Anwesen zu verkaufen – es ging an den regimetreuen Chemiefabrikanten Friedrich O. Loch. Über den Verbleib der Hachschara-Juden von Halbe ist nichts bekannt. Ihr einstiges Ausbildungswerk fiel 1945 den russischen Panzern zum Opfer.

Von Josefine Sack

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