Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Experten warnen vor Ultrafeinstaub

Flughafen BER Experten warnen vor Ultrafeinstaub

Mit der Inbetriebnahme des Flughafens BER, die derzeit für 2017 geplant ist, wird nicht nur der Fluglärm einen Einfluss auf die Gesundheit der Anwohner haben. Experten warnen zudem vor Ultrafeinstaub am Airport. Das ist das Ergebnis einer Diskussionsrunde mit Wissenschaftlern, Medizinern und Politikern in Eichwalde.

Voriger Artikel
Aufstand der Zwangsbeglückten
Nächster Artikel
Noch keine Handlungsgrundlage

Der Mediziner Hans Behrbohm (l.) und der Grünen-Landtagsabgeordnete Axel Vogel bei der Diskussion über Flugabgase.

Quelle: Uta Schmidt

Eichwalde. Nicht nur der Fluglärm wird nach der Inbetriebnahme des BER massive Auswirkungen auf das Umfeld und die Gesundheit der Anwohner haben. Auch Flug-abgase und Ultrafeinstaubbelastungen werden das Leben der Menschen negativ beeinflussen. Das ist das Fazit einer Diskussionsrunde von Wissenschaftlern, Medizinern und Politikern mit Bürgern und Vereinen aus dem Schönefelder Flughafenumfeld unter dem Motto „Flugabgase und Ultrafeinstaubbelastung am Flughafen BER“ in der Alten Feuerwache Eichwalde. „Während die klimaschädigende Wirkung von Flugabgasen bisher gut erforscht ist, rückt deren Wirkung auf die menschliche Gesundheit erst in der neueren Forschung in den Fokus der Aufmerksamkeit“, sagte Axel Vogel, Vorsitzender der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne. Das Problem sei ernst: Zum einen können die ausgestoßenen Schadstoffe von Menschen nicht direkt wahrgenommen und als Gefahr erkannt werden, zum anderen sind diese giftiger als bisher vermutet. „Flughäfen sind damit als Emissionsquelle von Ultrafeinstaub eines der größten Probleme für die Gesundheit in der Region. Die BER-Anwohner sind künftig einer erheblichen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt“, sagte Vogel.

Hintergrund

Nach Inbetriebnahme des BER werden 8,2 Tonnen Schadstoffe pro Tag und 3000 Tonnen pro Jahr über das Flughafen-Umfeld in Schönefeld verteilt. Rechnungsgrundlage sind 300 000 Flugbewegungen im Jahr.

Über dem Flughafen Frankfurt verbrennt pro Tag eine Million Liter Kerosin. Mindestens Dreiviertel aller Feinstaubpartikel im Flughafenumfeld werden durch den Flugverkehr und nicht durch den Autoverkehr erzeugt.

Beim Start eines Airbus A 330 oder einer Boeing 767 entstehen: 10 hoch 12 Ultrafeinstaubpartikel pro Sekunde. Feinstaubpartikel können bis zu acht Tagen in der Luft verweilen und werden über ein weites Gebiet verteilt. In 40 Kilometern Entfernung vom Flughafen wurde noch eine Verdopplung der Konzentration gemessen.

Größe, Struktur und meteorologische Einflüsse bestimmen die Aufenthaltsdauer von Feinstaub in der Atmosphäre. Bereits bei leichten Winden können ultrafeine Partikel in drei Stunden 30 Kilometer weit schweben.

Um über die Wirkungsweise und Folgen von Ultrafeinstaub, der von Flugzeugtriebwerken ausgestoßen wird, zu informieren, hatte die Landtagsfraktion eine Expertenrunde aus den Bereichen Medizin und Wissenschaft eingeladen, die Ergebnisse von internationalen Studien und Messungen an den Flughäfen München und Frankfurt/Main vorstellten. „Beim Verbrennen von einer Tonne Kerosin werden 3400 Kilogramm Sauerstoff verbraucht, 20 Kilogramm Schadstoffe wie Stickoxid und Kohlenmonoxid fallen an“, rechnete Oswald Rottmann, emeritierter Hochschullehrer der TU München-Weihenstephan, zum Schadstoffausstoß der Flugzeugtriebwerke vor. Heimtückisch und krebserregend seien dabei die unverbrannten Kohlenwasserstoffe. „Die wirken toxisch vor allem auf Leber und Niere“, so der Wissenschaftler. Die Rolle von Feinstaubpartikeln sei bislang unterschätzt worden. Diese dringen bis in die Lungenbläschen vor und gelangen so ins Blut und in die Organe. Das Fatale sei, so Rottmann, dass die Zahl der ultrafeinen Partikel im Gegensatz zum Fluglärm mit dem Einsatz von modernen Triebwerken noch ansteige. Der Reduzierung des Schadstoffausstoßes seien technische Grenzen gesetzt.

Wolfgang Schwämmlein, Sprecher der AG Feinstaub im Bündnis der Bürgerinitiativen im Rhein-Main-Gebiet, schilderte die Möglichkeiten von Ultrafeinstaubmessungen. Das Messen von ultrafeinen Partikeln „in Nanogröße“ sei sehr schwierig, weil diese bis zu acht Tagen in der Luft blieben. Bei Messungen am Airport von Kopenhagen konnten Partikel den startenden und landenden Flugzeugen zugeordnet werden. „Bei Messungen unter gleichen Bedingungen war das wie der Fußabdruck des Flugplans.“ Studien aus Los Angeles und Amsterdam hätten ebenso gezeigt, dass noch in 40 Kilometern Entfernung zum Flughafen eine Verdoppelung und in 20 Kilometern Entfernung eine Versechsfachung der Feinstaubkonzentration besteht.

Hans Behrbohm, Chefarzt der HNO-Abteilung der Park-Klinik in Weißensee, beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen von Flugabgasen auf die menschliche Gesundheit. „Erst jetzt konnten die Zusammenhänge von Feinstaub und Flugzeugen nachgewiesen und ein Kausalitätsprinzip erkannt werden. Je kleiner die Partikel, desto schlimmer sind sie. Das ergibt sich aus der großen Oberfläche, an der die Schadstoffe anhaften“, sagte der Medizin-Professor. Die Folgen würden Entzündungen, Allergien, Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs sein. Diagnostiziert wurde unlängst zum Beispiel eine völlig neue Art von Lungenentzündung als Folge von Feinstaub. Er zeigte kein Verständnis dafür, dass die Landesregierung „keine Erfassung von Feinstaub im Umfeld des BER“ vorgesehen habe. „Fehlende toxikologische Gutachten sind genauso ein Desaster wie der Baupfusch“, sagte der Facharzt.

Von Uta Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg