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Dahme-Spreewald Männliche Leiche im zerstörten Spreewerk geborgen
Lokales Dahme-Spreewald Männliche Leiche im zerstörten Spreewerk geborgen
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15:09 18.03.2018
Die Luftaufnahme zeigt, wie schwer die Halle bei der Explosion beschädigt wurde. Quelle: dpa
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Lübben

Nach komplizierten Bergungsarbeiten im erheblich zerstörten Spreewerk Lübben ist am Samstag gegen 17 Uhr ein Mann tot geborgen worden. Es sei naheliegend, dass es sich bei dem Toten um den 55-jährigen vermissten Mitarbeiter handele, teilte die Polizei am Abend mit. „Jedoch ist eine unmittelbare und zweifelsfreie Identifizierung durch die schwere der erlittenen Verletzungen noch nicht möglich“, so eine Sprecherin.

Es konnten auch am Samstagabend noch keine Angaben zum Hergang des Geschehenen gemacht werden. Die Ermittlungen der Spezialisten der Kriminalpolizei werden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Statik muss immer wieder neu bewertet werden

Das zum Teil zerstörte Gebäude muss gesichert werden. Experten bewerten dazu immer wieder die Statik. Es gebe wegen der Munition dicke Schutzmauern, dementsprechend seien die Arbeiten kompliziert, erklärte die Sprecherin. Spezialisten des Landeskriminalamtes seien vor Ort.

Die Explosion im Spreewerk geschah am Freitagvormittag

Am Freitagvormittag war es im Spreewerk zu mindestens einer Explosion gekommen. Die Leitstelle Lausitz meldete eine erste Explosion aus dem Industriepark um 10.13 Uhr und eine zweite um 10.21 Uhr. Ob es tatsächlich zwei Detonationen gab, ist unklar. Ein Mensch ist dabei verletzt worden, ein anderer wurde vermisst. Am Freitagabend war die Suche nach dem Vermissten abgebrochen worden.

So gefährlich ist die Entsorgung von Munition – Fälle aus den vergangenen Jahren

Betriebshalle brannte in voller Ausdehnung

Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei waren am Freitag mehrere Stunden mit fast 40 Einsatzkräften vor Ort. Durch die Detonation wurde ein Werksgebäude schwer beschädigt. Das hatten Bilder aus einem Polizeihubschrauber gezeigt. Wegen der anhaltenden Explosionsgefahr konnten die Helfer das Haus nicht betreten.

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Nach einer schweren Explosion im Munitionsentsorgungsbetrieb Spreewerk in Lübben (Dahme-Spreewald) bleibt die Situation am Unfallort gefährlich. Wegen Explosionsgefahr auf dem Areal, auf dem Sprengstoffe lagern, konnte das Feuer noch nicht gelöscht werden. Knapp 40 Einsatzkräfte sind vor Ort.

Eine Person verletzt, ein Mitarbeiter vermisst

Wie viele Verletzte es genau gibt, ist bisher nicht klar. Ein 53-jähriger Mitarbeiter wurde laut Polizeiangaben verletzt. Er erlitt einen Schock. Eine Sprecherin des Landkreises Dahme-Spreewald bestätigte am Nachmittag, dass ein 55 Jahre alter Mitarbeiter vermisst wird. Die Polizei hegt weiter die Hoffnung, dass der Mann noch lebend gefunden werden kann. Am Sonnabend soll zur Suche auch schweres Gerät eingesetzt werden, sagte ein Sprecher.

Polizei beobachtet Gefahr mit Hubschrauber

Nach der Explosion war ein Brand ausgebrochen. „Die betroffene Betriebshalle brannte in voller Ausdehnung“, erklärte ein Sprecher der Polizei. Die Explosionsgefahr durch die auf dem Areal gelagerte Munition erschwerte die Löscharbeiten. Der Gefahrenbereich wurde weiträumig abgesperrt. Es sei unklar, ob womöglich alte Blindgänger oder anderes Material explodierte.

Ein Polizeihubschrauber beobachtet weiter die Lage aus der Luft. Der Einsatz auf dem Gelände des Spreewerkes wird mit entsprechender Spezialtechnik fortgesetzt. Die Polizei hatte Sprengstoffexperten im Einsatz.

Mit einem Hubschrauber beobachtet die Polizei die Lage am Munitionsentsorgungswerk von der Luft aus. Quelle: dpa

Landesstraße 42 und Bundesstraße 87 gesperrt

Die an das Gelände angrenzende Landesstraße 42 zwischen Schlepzig und Börnichen sie die Bundesstraße 87 zwischen Lübben und Biebersdorf wurden für mehrere Stunden gesperrt.

Spreewerk zerlegt und entsorgt Munition

In dem Werk einige Kilometer nördlich von Lübben werden Munition, Explosivstoffe und Pyrotechnik zerlegt und für die Entsorgung vorbereitet.

Es verfügt über ein Betriebsgelände von circa 180 Hektar, von denen 30 Hektar bebaut sind. Das gesamte Areal des Spreewerk Lübben ist umzäunt.

Das Entsorgungsgut wird per Lastwagen oder Eisenbahn angeliefert und in Bunkern zwischengelagert. Später wird das Material – darunter auch Munition und Pyrotechnik – in einer sogenannten thermischen Vernichtungsanlage unschädlich gemacht.

Vier Tote bei Explosion 2002

Gleich vier Tote gab es 2002 bei einer schweren Explosion im Spreewerk Lübben. Dort war ein Metallteil in den Sprengstoff einer Bombe gefallen und hatte eine Kettenreaktion ausgelöst.

Das Werk gehört zu den sogenannten Störfallbetrieben. Laut Brandenburgischem Brand- und Katastrophenschutzgesetz ist in diesen im Abstand von höchstens drei Jahren regelmäßig eine Katastrophenschutzübung durchzuführen. Zuletzt fand sie im Sommer 2017 statt.

Munitionsverseuchtes Land

Das Land Brandenburg weist den höchsten Anteil an kampfmittelbelasteten Gebieten der Länder der Bundesrepublik Deutschland auf. Weit über 300.000 Hektar seiner Gesamtfläche gelten noch als belastet.

Wie der Kampfmittelbeseitigungsdienst berichtet, sind vor allem die Regionen der „1. und 2. Hauptkampflinie deutsch-sowjetischer Auseinandersetzungen entlang der Oder, die Seelower Höhen, den Kessel von Halbe sowie die Umgebung von Berlin“ betroffen. Darunter fallen auch Potsdam und Oranienburg.

Hintergrund

Bei der Entsorgung von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg oder dem sonstigen Umgang mit gefährlichen Fundstücken ist es in Brandenburg wiederholt zu Unfällen gekommen.

August 1992: Ein 16-Jähriger kommt beim Hantieren mit scharfer Armee- Munition in der elterlichen Wohnung in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) ums Leben. Der Jugendliche hatte ein Flak-Geschoss zersägt.

Juli 1993: Zwei Zivilangestellte der russischen Streitkräfte fahren auf einem gesperrten Waldweg bei Halbe (Dahme-Spreewald) über einen Sprengkörper. Die Munition explodiert, die beiden Radfahrer werden schwer verletzt.

September 1993: Beim Brand einer Rakete in einem Wehrtechnikunternehmen in Pinnow (Uckermark) werden sieben Menschen verletzt. Während der Demontage einer sechs Meter langen Boden-Luft- Rakete war die bereits herausgezogene 180 Kilogramm schwere Treibstoffstange auf den Boden gefallen und hatte sich entzündet.

Februar 2000: Ein Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes Skaby (Kreis Oder-Spree) wird bei der Explosion einer Kartusche verletzt. Die Munition explodiert, als er sie in eine Baggerschaufel legen will.

Juni 2000: Schießübungen der Bundeswehr verursachen einen Waldbrand auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Dabei explodiert ein Blindgänger, dessen Splitter einen 20-jährigen Soldaten tödlich verletzen.

November 2002: Bei einem verheerenden Explosionsunglück in einem Bunker der Munitionsentsorgungsfirma Industriepark Spreewerk Lübben GmbH kommen vier Mitarbeiter im Alter zwischen 26 und 59 ums Leben. Ihre Überreste können zum Teil nur anhand der DNA-Analyse identifiziert werden. Sie waren mit der Zerlegung von Munition beschäftigt.

April 2004: Bei der Explosion im Munitionsentsorgungsunternehmen Nammo Buck GmbH in Angermünde (Uckermark) kommt ein 51-jähriger Mitarbeiter ums Leben.

Dezember 2011: An der Landstraße in Neuhausen (Spree-Neiße) kommt es an zwei Tagen zu Explosionen. Es entsteht jeweils ein großer Krater, aber weder Menschen noch Sachen kommen zu Schaden. Als Ursache werden sogenannte Riegelminen vermutet, die die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg als Panzersperren einsetzte.

Von MAZonline

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