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Dahme-Spreewald Familien mit Umsiedlung wegen BER zufrieden
Lokales Dahme-Spreewald Familien mit Umsiedlung wegen BER zufrieden
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00:18 26.10.2013
Familie Scholz: Vater Thomas, Pascal, Mutter Tanja und Laura lieben ihre Siedlung. Sie wollen nicht mehr wegziehen. Quelle: Anne Stephanie Wildermann
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Neu-Diepensee/Rotberg-Süd

Die Oktobersonne scheint warm auf den kleinen Ort Neu-Diepensee in Königs Wusterhausen. Die Bäume in den schnurgeraden Straßen tragen gold- und rotfarbene Blätter. Ortsvorsteher Helmut Mayer kennt jedes Haus und fast jeden Menschen, der darin wohnt. „Bis auf die neu Zugezogenen“, ergänzt der 78-Jährige. Mayer spaziert gern durch den wie mit dem Lineal angelegten Ort. Vor knapp zehn Jahren waren statt der großen Grundstücke, großen Häuser, niedlichen Gartenhäuschen und schmucken Carports, nur Felder und Wiesen zu sehen. Damals lag der Ort auch an einer ganz anderen Stelle. Heute ist dort der Flughafen BER angesiedelt, für den die Dorfbewohner Platz machen mussten.

Sie wurden umgesiedelt und fanden ihre neue Heimat an der Grenze zu Deutsch Wusterhausen. Bereits 2003 zogen die ersten Hauseigentümer in den neuen Ort. Helmut Mayer liebt Neu-Diepensee. Er fühlt sich dort wohl und ist angekommen. Ihm gefällt jeder Stein, jeder Grashalm, jeder Baum, der gepflanzt wurde. „Ich finde, wir haben es richtig schön hier“, sagt er, während er über den Friedhof läuft. Der ist von einer alten Mauer umgeben, die bereits im damaligen Ort existierte. Sogar das große Eisentor wurde mitgenommen, überholt und aufgebaut. „Den Leuten ist es wichtig, vor allem den älteren, dass sie einzelne Dinge aus ihrer alten Heimat hier wiederfinden“, sagt Mayer. Dazu gehören auch einige Straßennamen wie „An der Koppel“, „Rotbergerstraße“, „Am Flutgraben“ und „Hoherlehmer Straße“.

Norbert Boschan (l.) und sein Vater Wilfried vor dem von Flughafen finanzierten Bürgerbus. Quelle: Anne Stephanie Wildermann

Das Gemeindehaus wurde teilweise aus roten Ziegelsteinen errichtet, die von den abgerissenen Landarbeiterhäusern aus dem 19. Jahrhundert stammen. „Unsere Feuerwehr wurde komplett aus solchen historischen Steinen gebaut“, sagt Mayer und deutet auf ein modernes Gebäude. Die Umsiedlung fand damals eins zu eins statt. Das bedeutet: Wer Hauseigentümer war,  konnte im neuen Ort auch wieder bauen. Wer Mieter einer Wohnung war oder einer Haushälfte besaß, bekam im neuen Ort die gleiche Unterkunft. Auch die Größe der Grundstücke wurde eins zu eins erstattet. Zurzeit hat Neu-Diepensee 300Einwohner. Früher waren es etwa 30mehr. Wilfried Boschan, der am Ortseingang wohnt, war bei der Umsiedlung dabei. Er kann sich noch sehr gut an die langen und kontroversen Diskussionen erinnern. Heute sei er angekommen, sagt der stattliche Mann. „Es gibt keine Baustellen mehr und die Bäume sind mittlerweile größer und schöner geworden“, sagt der 57-jährige Geschäftsmann.

Das Thema BER ist nach wie vor in aller Munde bei den Diepenseern. Das neue Reizthema: die Flugrouten. Wenn Mayer und Familie Boschan über die noch unsicheren Routen sprechen, geschieht dies in einem ruhigen und sachlichen Ton. Ohne Emotionen. „Wissen Sie, die Diepenseer sind Fluglärm gewohnt und wissen auch, was das ist“, sagt Mayer. So lang, dass erste Flugzeug nicht gestartet ist, werden die Diepenseer nicht auf die Barrikaden gehen. „Ich bin gespannt, was da an Lärm kommen wird. Und sollte es ein Vielfaches sein, dann bin ich bereit zu klagen“, sagt Wilfried Boschan offen. Sein Sohn Norbert Boschan (27) gehört zu einer jüngeren Gruppe der Betroffenen. Für ihn waren nicht die diversen Diskussionen der Einwohner mit den Behörden wichtig und wie hoch die Entschädigungssummen sein sollten, sondern viel mehr seine Kindheit und Jugend. „Im Zentrum des Dorfes gab es einen Platz, auf dem wir Fußballspiel spielten.

Da trafen sich Jung und Alt zum Plausch. Das war richtig schön. So was vermisse ich im neuen Ort“, sagt er etwas geknickt. Er war 18 und hatte grade den Führerschein, als seine Eltern mit ihm die Kisten packten und es am 1. April 2004 nach Neu-Diepensee ging. Den Abriss des alten Hauses hat Norbert Boschan nicht miterlebt. Über dieses verpasste Ereignis ist der junge Mann sehr traurig. „Ich musste arbeiten an dem Tag. Ich konnte nicht wirklich Abschied nehmen“, sagt er mit gedämpfter Stimme. Es dauerte fünf Jahre, bis sich Norbert Boschan „richtig wohl und heimatlich“ im neuen Haus und Dorf fühlte. Die Heirat mit seiner Frau hat ihm dabei viel geholfen.

Familie Scholz blättert gerne, ganz ohne Wehmut, im Bildband über ihr ehemaliges Dorf Kienberg. Sie teilt das gleiche Schicksal wie Familie Boschan. Auch Scholzens siedelten um und zogen von Kienberg nach Rotberg-Süd, damit der BER entstehen konnte. Vor fünf Jahren hat die vierköpfige Familie ihr neues Haus bezogen. Tanja Scholz (42), gebürtige Berlinerin, hat schöne Erinnerungen an das alte Dorf. „Doch hier in Rotberg bin ich erst richtig angekommen“, sagt sie mit einem Strahlen in den Augen. Für die Kinder Laura und Pascal ist der neue Ort ideal zum Spielen. Um keinen Preis der Welt würde Familie Scholz ihr Haus und den Garten wieder aufgeben – auch wenn die Flugrouten irgendwann feststehen. „Diese Umsiedlung war für uns wie ein Sechser im Lotto“, sagt Thomas Scholz zufrieden. Sie vermissen nichts. Fast nichts. „Ein paar Bäume oder sogar Alleen wären nicht schlecht. Die gab's damals auch in Kienberg“, erinnert sich Scholz und zeigt auf das Cover des Bildbandes.

Zwei Ort mussten wegen des BER weichen

Notgedrungen mussten die Diepenseer 2004 ihren Ort verlassen. Da, wo sie lebten, sollte der neue Flughafen entstehen. Etwa 300 Bewohner zogen nach Königs Wusterhausen um, wo sie nicht nur einen nach ihrem Dorf benannten Ortsteil, sondern auch ein Gemeinschaftshaus mit Bowlingbahn, Kita und Feuerwehr erhielten. Der Landwirtschaftsbetrieb „Flora Agrar“ siedelte sich in Karlshof, die Recycling-Firma in Selchow an.

Freiwillig gingen Kienbergs Bewohner 2007 nach Rotberg. In einer bundesweit einmaligen, von einer Interessengemeinschaft initiierten Umsiedlungsaktion entkamen sie damit dem Lärm von Eisenbahn, Autobahn und Flugzeugen, der ihnen am Flughafenrand gedroht hätte.

Von Anne Stephanie Wildermann

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