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Dahme-Spreewald Familienberatung erhält Qualitätssiegel
Lokales Dahme-Spreewald Familienberatung erhält Qualitätssiegel
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00:27 24.10.2015
Silke Naudiet überreicht Katharina Schiersch, Claudia Schulze, Andrea Frind und Hans-Jürgen Stanelle (v.l.) die Zertifizierungsurkunde. Quelle: Franziska Mohr
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Wildau

Mehr als 720 Familien aus dem Landkreis Dahme-Spreewald nahmen im vorigen Jahr das Angebot der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Vereins Kindheit in Wildau in Anspruch. Nicht wenige Eltern suchten Rat und Hilfe, weil sie sich bei der Erziehung ihrer Kinder unsicher oder gar überfordert fühlten. Manchmal führten sie auch scheinbar unlösbare Konflikte zwischen Mutter und Tochter oder Vater und Sohn in die Beratungsstelle im Gesundheitszentrum in Wildau beziehungsweise in das Mehrgenerationenhaus in Schönefeld.

Dort hörten ihnen Familientherapeuten, Psychologen und Sozialpädagogen in vertraulichen Gesprächen nicht nur eingehend zu, sondern versuchten, wenn nötig, auch im Verbund mit anderen Partnern zu helfen, wo immer es ging. Eine Leistung, die auch bundesweit Lob und Anerkennung findet. So ist die Wildauer Beratungsstelle neben einer derartigen Einrichtung in Thüringen erst die zweite in Ostdeutschland, die von der Bundeskonferenz der Erziehungsberatung offiziell zertifiziert wurde.

Der Verein Kindheit

Der Verein „Kindheit“ entstand im Herbst 1989, als Betroffene die Chance der Wende nutzen wollten, um die Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Dabei ging es den Kinderärzten, Erziehern, Lehrern, Psychologen und Soziologen vor allem um die vermeintlich schwierigen Kinder.

Die offizielle Gründung des Vereins erfolgte 1990 in Berlin. 1991 entstand die Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Vereins in Wildau. Sie war die erste geförderte Einrichtung dieser Art im Land Brandenburg, die 1993 auch als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt wurde.

Der Sitz des Vereins befindet sich im Gesundheitszentrum in Wildau in der Freiheitstraße 98 . Die Kosten trägt der Landkreis. Kontakt: www.kindheitev.de oder Tel. 0 33 75/50 37 21.

Die dortige Geschäftsführerin Silke Naudiet reiste extra aus Franken an, um dem siebenköpfigen Team in Wildau nicht nur zu seiner erfolgreichen Arbeit zu gratulieren, sondern ihm die Urkunde auch persönlich zu überreichen. Auch zahlreiche andere Partner wie Kreissozialdezernent Carsten Saß (CDU), das Netzwerk gesunde Kinder, die Stadt Wildau, Kinderärzte sowie freie Träger der Jugendhilfe gratulierten beim Fachtag Kindheit. Anderthalb Jahre dauerte die Zertifizierung. „Ein Aufwand, der sich gelohnt hat, weil die Arbeit im Team immer wieder hinterfragt wurde“, sagt die Psychologin Katharina Schiersch. Insgesamt können bundesweit von den etwa 1200 Familienberatungsstellen nur knapp 50 ein solches Qualitätssiegel vorweisen. Begutachtet wurden unter anderem die Konzeption, die Ausbildung der Mitarbeiter, die Zusammenarbeit mit Partnern, die Räume, die Arbeit mit sozialschwachen Familien sowie die verantwortungsvolle Terminvergabe.

Mehr als jede fünfte Beratung (22,2 Prozent) erstreckt sich auf Trennungsfamilien. Tendenz steigend. Meist sind die Fronten bezüglich der Umgangsregelungen und des Sorgerechts für das Kind zwischen den Eltern so verhärtet, dass es schon ein Riesenerfolg ist, wenn sie sich überhaupt wieder an einen Tisch setzen, um miteinander zu reden. Immer stärker in den Fokus gerät Katharina Schiersch zufolge auch die Mediennutzung der Kinder. Viele Eltern sind diesbezüglich verunsichert und erkennen nicht, dass hier möglicherweise ein Suchtpotential schlummert, das zur Isolation und Vernachlässigung der Schule führen kann.

„Vielfach wissen Eltern gar nicht, wo sich ihre Kinder im Netz bewegen“, sagt die Psychologin. Dabei habe es schon Fälle gegeben, in denen sich auf diese Weise ein sexueller Missbrauch anbahnte. In diesem Zusammenhang weist Schiersch nachdrücklich darauf hin, dass die Erziehungsberatungsstelle jeder aufsuchen kann, der für ein oder mehrere Kinder zu sorgen hat. Sie steht auch Jugendlichen bis 27 Jahre offen. Das Angebot ist grundsätzlich kostenlos.

Von Franziska Mohr

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