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Dahme-Spreewald Erinnerungen an das DDR-Fernsehen
Lokales Dahme-Spreewald Erinnerungen an das DDR-Fernsehen
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00:44 18.08.2014
Lutz Jahoda vor der Vitrine, die ihm gewidmet ist. Neu ist sein Buch „Up and Down“. Quelle: Jens Rümmler
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Königs Wusterhausen

Originalkostüme von Helga Hahnemann, Requisiten aus „Willi Schwabes Rumpelkammer“ oder der Hammer aus der berühmten Gerichtsszene im 100. „Kessel Buntes“: Die Ausstellung „Es gab nicht nur den Schwarzen Kanal“ auf dem Funkerberg Königs Wusterhausen ist eine Schatzkiste. Zu den Exponaten zählen TV-Studios im Miniaturformat und über 100 Bildtafeln.

Einer der fast von der ersten Sendeminute an hautnah dabei war, ist Sänger, Schauspieler und Entertainer Lutz Jahoda. Der Wolziger ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die authentisch von den Anfängen der Flimmerkiste im Osten berichten können. Zum Treffen in der Wanderausstellung, die schon 55000 Menschen sahen, kommt er pünktlich auf die Minute mit seinem kleinen Flitzer den Funkerberg hinauf gebraust. „Wo wollen wir anfangen“, fragt der 87-Jährige nur kurz.

„Mit Lutz und Liebe“ hieß eine Sendung mit Papagei Amadeus. Quelle: Privat

Jahoda war Fernsehliebling in der DDR

Sein Alter sieht man Jahoda nicht an. „Meine Familie hält mich fit“, lacht der Mime. Die Familie – das sind in erster Linie seine 44Jahre jüngere Frau Eva sowie Sohn Fabian. Eva ist bereits Jahodas 6. Gattin! „Mein ältester Sohn Axel ist 65, Sascha, der Mittlere, 50 und Fabian feierte 2014 seinen 16. Geburtstag.“ Trotz des Familienalltags legte der gebürtige Brünner (heute Brno in Tschechien) eine atemberaubende Karriere hin: Los gings schon mit 16 Lenzen an der Seite von Hilde Engel, der Mutter eines gewissen Frank Elstner. Mit Anfang 20 war er Deutschlands jüngster Operettenbuffo. Später drehte Lutz Jahoda Filme mit Manfred Krug und Horst Drinda. Der Fernsehliebling des Jahres 1983 glänzte in „Kessel Buntes“ und „Spiel mir eine alte Melodie“. Er kreierte zehn Jahre lang die eigene Show „Mit Lutz und Liebe“. Ach so: Hörfunk hat er auch noch gemacht.

Utensilien seiner Karriere

Dem Format „Mit Lutz und Liebe“ ist in der Ausstellung eine komplette Vitrine gewidmet: „Hier steht meine alte Erika-Schreibmaschine aus den 70er Jahren, auf der ich Sendemanuskripte und vieles mehr verfasste“, scheint der rüstige Rentner selbst fasziniert. Zu bestaunen ist ein Wildschwein-Kostüm, das der Darsteller einst selbst trug. Auf den Bildern darf natürlich der sprechende Papagei Amadeus aus „Mit Lutz und Liebe“ nicht fehlen. „Amadeus war eine Papageiendame, hieß Lore und stammte aus dem Leipziger Zoo. Dass man sie mit Amadeus ansprach, nahm sie stoisch hin“, amüsiert sich Multita lent Jahoda noch heute. Privat lebte übrigens 19 Jahre lang Khmerkater Bonzo an seiner Seite.

20-Stunden-Arbeitstage und ein eigenen Agrar-Flieger

Alle Sketche und Songs der Show wurden jeweils eine Woche lang aufgezeichnet. Parallel liefen oft Tourneen. 20-Stunden-Arbeitstage waren da vorprogrammiert. „Heute frage ich mich schon manchmal, wie wir dieses Pensum bewältigten“, sagt er. Tagsüber zu Dreharbeiten auf dem Darß, abends auf der großen Bühne des Friedrichstadtpalastes: „Das funktionierte nur, weil mich ein Agrar-Flieger, mit dem sonst Dünger gestreut wurde, von Schönefeld nach Zingst und zurückflog“, erzählt er. Richtiger Brandenburger ist er erst seit den 70er Jahren. „Am Wolziger See hatte ich seit 1965 eine Datsche, die später ausgebaut wurde.“ Manchmal macht Lutz Jahoda das Boot klar und rudert raus auf den See. Dem Gewässer wird eine gewisse Tücke nachgesagt. Unkundige warnt er: „Der Wolziger See kann bei starkem Wind sehr unruhig werden.“

Autogramme schreiben bis ins hohe Alter

Dann kommt Lutz Jahoda an der großen Heinz-Quermann-Schautafel an. „Der Mann war ein Phänomen. Er entwarf etliche TV- und Radio-Formate und hatte einen Riecher für Talente.“ Lutz Jahoda schreitet die Ausstellung weiter ab. Vor Bildern von Julia Axen bleibt er stehen. „Sie hat eine wunderschöne Stimme, bis heute.“ Kurz stimmt der Sänger ihren Hit „Eine Welt ohne Dich“ an.
Plötzlich wird er von einigen älteren Herrschaften entdeckt. Jahoda erfüllt Autogrammwünsche. Das Interesse gefällt dem Künstler, dessen ganz große Fernsehkarriere mit der Wende vorbei war, sichtlich. Dann wechselt er das Thema, gibt mal in mährischem Jargon, mal mit einem Hauch Wiener Schmäh Episoden wieder. Dass der Charmeur noch immer auf Lesereise geht, ist für ihn selbstverständlich. Erst schrieb er seine Autobiographie „Lutz im Glück und was sonst noch schieflief“. 2012 erschien „Up and Down, Nervenstark durch ein verhunztes Jahrhundert“.

Unerfüllte Wünsche gab es laut Lutz Jahodas wenige: „In der ernsten Dramatik hätte ich gern mehr gemacht“, sagt er. Dann muss er los. Er saust mit seinem Skoda davon. Der tschechischen Automarke ist er stets treu geblieben. Die fuhr er schon als Ost-Prominente vor der Wende längst westliche Edelkarossen hatten.

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Von Jens Rümmler

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