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Dahme-Spreewald Festival „Second Horizon“ verboten: Fans müssen abreisen
Lokales Dahme-Spreewald Festival „Second Horizon“ verboten: Fans müssen abreisen
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19:26 23.06.2017
Erst Hoffnung, dann Enttäuschung. Die Riesenparty mit Trance, Techno und Techhouse fällt aus. Quelle: Oliver Becker
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Kiekebusch

Das Second-Horizon-Festival am Kiessee im Schönefelder Ortsteil Kiekebusch ist abgesagt. Das Verwaltungsgericht Cottbus hat die Musikveranstaltung verboten und damit eine Entscheidung der Gemeinde Schönefeld bestätigt. Es begründete den Beschluss mit dem Fehlen mehrerer Genehmigungen, etwa für das Abspielen von Musik zur Nachtzeit oder für die Nutzung des Waldgebiets für das Festival. Zudem habe sich das Sicherheitskonzept als unzulänglich erwiesen, sagte Gerichtssprecher Gregor Nocon. Die Gemeinde Schönefeld hatte das dreitägige Festival, das am Freitag beginnen sollte, laut Gericht bereits Mitte Juni untersagt. Der Veranstalter Victor Rudek hatte gegen das Verbot geklagt. Er hatte bereits die Aufbauten für die Veranstaltung veranlasst und sich nach der Entscheidung der Gemeinde ans Verwaltungsgericht Cottbus gewandt. Dieses musste kurzfristig ein Urteil fällen, ob das Festival stattfinden darf oder nicht. „Wenn das Festival abgesagt wird, bin ich ruiniert und verliere das Vertrauen der Festivalbesucher“, hatte Rudek noch auf der Veranstaltung Besuchern und der MAZ gesagt. Gegenüber der Polizei versicherte er später, die technischen Anlagen des Konzertes selbstständig abzubauen und die Festivalbesucher über die Absage zu informieren.

Veranstalter Victor Rudek (M.) im Gespräch mit Festivalbesuchern. Quelle: Oliver Becker

„Die Autobahnverwaltung ist Besitzer des Campingplatzes und hat die Nutzung untersagen lassen“, sagte Oliver Girrbach, Anwalt des Veranstalters. In den Vorjahren habe es keine Probleme mit der Nutzung gegeben. „Ich vermute, dass die Gemeinde bei denen angerufen und Druck gemacht hat“, sagte Girrbach. „Ich habe meinem Mandanten empfohlen, das Grundstück selbst zu räumen und hoffe, dass jetzt alles reibungslos abläuft“, sagte er kurz nach der Urteilsverkündung. Der Rechtsbeistand des Eigentümers Bert Greif legte bereits eine Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht gegen das Urteil ein, war jedoch auf Anfrage nicht zu erreichen. Greif gehören Teile des Festivalgeländes. „Auch mein Mandant und ich werden uns überlegen, ob wir eine Beschwerde einreichen“, sagte Girrbach.

Anwohner hatten sich wegen Lärm beschwert

„Das Gericht hat zu unseren Gunsten entschieden“, sagte Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos). Die Untersagungsverfügung sei weiter wirksam. „Wir werden den Veranstalter bitten, das sie die Leute nach Hause schicken. Wenn das nicht geschieht, ist das Sache der Polizei, ob geräumt wird“, sagte Haase. Unterlagen des Genehmigungsantrags seien von Veranstalterseite im Vorfeld nicht vollständig eingereicht worden, Sicherheitsbedenken hätten mit Blick auf die von Rudek und Co. errichteten Holzbauten bestanden. Zudem hätte es zahlreiche Beschwerden aus den Ortsteilen um Kiekebusch und den Nachbargemeinden wegen Lärmbelästigung 2016 gegeben (die MAZ berichtete). Rudek und Girrbach hatten hingegen argumentiert, dass die Holzbauten bereits ein Jahr lang von der Gemeinde geduldet worden seien, Sicherheitskonzept und Lärmpegel den Vorschriften entsprochen hätten.

Der Campingplatz in Kiekebusch war noch am Freitag voll. Quelle: Oliver Tim Becker

Bereits am Donnerstagabend hatten sich hunderte Festivalbesucher aus Deutschland und anderen Ländern in Kiekebusch eingefunden. Nachdem die Polizei das Gelände zunächst abgeriegelt hatte, durften die Besucher wegen des Unwetters ab 21 Uhr schließlich doch auf das Areal. „Wir haben die Leute bei den ungemütlichen Wetterbedingungen gut untergebracht“, so Girrbach weiter. Am Freitag befanden sich rund 2500 Festivalbesucher auf dem Gelände. Viele hatten ihre Zelte auf dem benachbarten Campingplatz aufgeschlagen, um dort auf die Gerichtsentscheidung zu warten. Zum Abend mussten viele das Gelände verlassen. Die Polizeidirektion Süd teilte mit, dass Angereiste, die keine Verkehrsmöglichkeiten zur Rückfahrt nutzen könnten, länger auf dem Gelände bleiben dürfen.

Polizei am Eingang des Festival-Geländes. Quelle: Oliver Becker

„Ich komme aus Oldenburg. Ich weiß nicht wohin. Die sollen uns auf den Campingplatz lassen, dann können wir da unsere Party machen“, sagte Marius (20). „Einen Tag vorher eine Prozess anzusetzen, das geht nicht“, sagte Johannes (22) aus Berlin. „Ich weiß nicht, was wir machen sollen und sind enttäuscht“, sagte Lena (25) aus Schwerin. „Wir wussten um die Probleme“, sagte Martin (25). Noch in der Nacht wolle er auf das nächste Musikfestival fahren. „Wir fahren jetzt nicht mit dem Auto“, sagte Jens (31) und fügte hinzu: „Wir haben bereits getrunken.“

Von Oliver Becker

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