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Dahme-Spreewald Festliche Hühnereier im filigranen Gewand
Lokales Dahme-Spreewald Festliche Hühnereier im filigranen Gewand
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00:18 03.03.2016
MAZ-Reporterin Nadine Pensold erlernt die Wachsreserve-Technik. Quelle: Nadine Pensold
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Lübben

Es ist eine wahre Pracht, die sich da vor einem ausbreitet. Bunte, reich verzierte, mit Herzen versehene und aufwendigen Mustern bemalte Eier liegen in vier Weidenkörbchen auf dem Küchentisch von Gisela Christl. Seit ihrer Kindheit gestaltet die Spreewälderin Ostereier nach sorbischer Tradition – und ihr Wissen gibt sie an Neulinge weiter. Auch an blutige Anfänger wie mich.

Als Kind habe ich gern Ostereier bemalt, Oma pustete die Eier aus, klemmte sie für mich in einen kleinen Schraubstock und schon konnte ich mit Filzstiften und Wasserfarben Blumen, Tiere und abstrakte Kritzeleien auf die Schale pinseln. Diese kindlichen Malereien haben aber so gar nichts gemein mit den zarten Kunstwerken aus dem Spreewald. Um diese zu kreieren braucht man spezielles Equipment.

Gisela Christl zeigt der MAZ-Reporterin wie es geht. Quelle: Nadine Pensold

Auf meinem Platz hat Gisela Christl eine Löffel-Konstruktion aufgebaut. Das Alu-Besteck hat sie um 90 Grad verbogen, den Griff an ein Holzbrett gebohrt und ein Teelicht unter den Löffel gestellt. Damit soll nun das Wachs geschmolzen werden, das uns dabei helfen soll, die traditionellen Muster aufs Ei zu bringen. „Früher hat man den Löffel in einer Kartoffel befestigt“, erklärt sie, dann weist sie mich an, Krümel von Bienen- und Kerzenwachs auf den Löffel zu legen.

So lange das brennende Teelicht das Wachs verflüssigt, kann ich einen Blick aufs Werkzeug werfen. Vor mir liegt ein Holzstift, aus dessen Ende eine Glaskopfstecknadel ragt, daneben ein Holzstäbchen, mit einem noch feineren Stecknadel-Ende. Meine Mentorin greift zum ersten Ei, legt es in ihre linke Hand und zeigt, wie man mit einem Stift eine Hilfslinie um den Bauch des Eis zeichnet. Meine Linie ist etwas krakelig geraten. Zum Glück ist das nur mein Übungsei.

Als das Wachs heiß genug ist, taucht Gisela Christl die Stecknadelspitze hinein, zieht einen kleinen Strich entlang der Hilfslinie, taucht erneut ins Wachs und setzt einen Punkt dahinter. Ich versuche das gleiche. So, wie ich früher den Pinsel in den Wasserfarbkasten tunkte und abklopfte, tue ich es nun auch mit der Nadel – und mache damit gleich den ersten Fehler. „Nicht das Wachs abstreifen, das wollen wir doch aufs Ei bekommen“, sagt die Gästeführerin. Noch mehrmals wird sie mich deshalb ermahnen.

Über einem Teelicht wird das Wachs geschmolzen und anschließend mit einem Stecknadelkopf aufs Ei gebracht. Quelle: Nadine Pensold

Und schon passiert der nächste Patzer. Statt Linien und Punkte parallel nacheinander zu setzen, kleckse ich daneben. „Das kann man nicht mehr korrigieren“, sagt die Lübbenerin, als sie über ihre Brille hinweg guckt. Das Wachs verschließe die Poren des Eis, da komme später keine Farbe mehr dran, erklärt sie, ermuntert mich aber gleich: „Vielleicht kann man das später ins Muster integrieren.“

Vorlagen dienen zur Orientierung. Quelle: Nadine Pensold

Nachdem das Ei eine Art Bauchbinde bekommen hat, werden nun Strahlen in Richtung der Pole gesetzt. Danach darf das Ei ein Bad nehmen. Dafür hat Gisela Christl Ostereierfarbe mit Wasser und Essig in einem Honigglas angerührt und in einem Topf voll Wasser erhitzt. Zu warm darf das aber nicht sein – sonst schmilzt das Wachs davon. Dann geht es für das Ei ab ins Rot – mit einer Plastikgabel wende ich es in der Flüssigkeit, die sich schnell auf die Schale legt, nur die Stellen, die mit Wachs versiegelt wurden, bleiben weiß.

Im Farbbad bekommen die Eier ihr neues Gewand. Quelle: Nadine Pensold

Bevor ich mich weiter künstlerisch betätigen darf, fordert Gisela Christl Hausfrauen-Können von mir ein. Es gilt, ein Ei auszupusten. Neuland für mich. Zum Glück bekomme ich ein kleines Gerät zur Hilfe. Mit einem Plastikröhrchen samt Mini-Blasebalg lässt sich ganz leicht das Innere des Eis aus einem kleinen Loch befördern. Als nächstes geht es ans Stempel-Basteln. Dafür werden Gänsefedern verwendet. Bis auf eine kleine Spitze am oberen Ende muss ich die Federn vom Schaft rupfen. Dann greift Gisela Christl zu einer Rasierklinge, mit ihr schneidet sie erst ein Dreieck, bei der nächsten Feder eine Raute zurecht. Damit lassen sich die traditionellen sorbischen Muster auf die Schale bringen. Und jedes hat seine eigene Bedeutung.

Da gibt es Sonnen und Wolfszähne, Blumenmuster und Kreise. „Bienenwaben stehen zum Beispiel für Fleiß und Blüten für Wachstum“, erläutert die Spreewälderin. Als sie die von mir gewählten Muster auf dem Ei begutachtet, sagt sie über die kreisförmig angeordneten Strahlen: „Da haben Sie einen Bannkreis gezogen.“ Als ich beginne, ein weiteres Ei mit kleinen Tupfen zu versehen, stoppt sie mich sofort. „Punkte sind etwas für Anfänger, ich will schöne Waben sehen.“ Ich versuche diese freihändig mit dem Dreieck-Stempel zu formen, das kann sich die Lübbenerin keine Minute ansehen, bis sie mir Ei und Federkiel fürs Erste abnimmt. Erst zieht sie mit dem Stift eine neue Hilfslinie über die Mitte des Eis, dann setzt sie daran ein Dreieck nach dem anderen, an die langen Seiten setzt sie dann erneut an, um so eine Wabe zu formen. Dann bin ich wieder an der Reihe, setze meine Stempel und Muster, tauche die Eier in Farbbäder und schaue immer wieder neidisch auf die Hände von Gisela Christl, die flink kleine Kunstwerke auf die Eierschalen zaubern. Einem Muster folgt sie dabei nicht. „Es kommt bei mir wie es kommt“, sagt sie.

Dann stimmt sie ein sorbisches Lied an, das traditionell zum Ostereiermalen gesungen wird: „Ty se taka, wiko tata. Day my jadno jajko, day my laby dwe“, singt sie und übersetzt: „Du bist so eine Zappelige, ich bin nicht so eine. Gib mir ein Ei, gib mir lieber zwei.“

Nachdem zahlreiche Wachs-Muster und mindestens zwei Farbschichten auf den Eiern liegen, geht es an den letzten Schritt: das Abwachsen. Gisela Christl dreht die Herdplatte auf, bis die Heizdrähte glühen, tippt immer wieder kurz mit dem Ei auf das Ceranfeld und wischt das flüssige Wachs mit einem Küchentuch von der Schale. Eine heiße Angelegenheit, fast verbrenne ich mir die Finger, weil ich das Ei zu langsam bewege. „Beim Abwachsen passieren die meisten Unfälle“, warnt sie mich.

Dann ist es vollbracht, gleich drei sorbische Ostereier habe ich bemalt, zwei blau, eins rot und jedes verziert mit Rauten, Dreiecken, Tupfen und Linien. Ich bin zufrieden damit. Gisela Christl nickt, dann sagt sie aufmunternd. „An Filigranität fehlt es noch. Aber das kann man sich erarbeiten.“

Von Nadine Pensold

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