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Dahme-Spreewald Firmen hinken beim Datenschutz hinterher
Lokales Dahme-Spreewald Firmen hinken beim Datenschutz hinterher
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00:16 16.01.2018
Daten müssen künftig nicht nur besser geschützt werden, der Datenschutz muss auch nachweisbar sein.
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Dahmeland-Fläming

Jens Warnken muss kurz lachen. Ja, der Datenschutz, sagt er dann. Das sei ein großes Thema derzeit, und ein schwieriges dazu. „Wir beschäftigen uns sein Wochen und Monaten damit, aber wir kriegen es nicht griffig.“

Warnken ist kaufmännischer Geschäftsführer der Airkom Druckluft GmbH in Wildau, einem Anbieter von Druckluft- und Industriekühlanlagen, und als solcher muss er bis Ende Mai ein Problem lösen, das sich nahezu allen Unternehmen und öffentliche Verwaltungen der Region stellt. Das Problem hat einen sperrigen Namen. Es heißt „Datenschutzgrundverordnung“ und wird zum 25. Mai akut.

Ab diesem Tag gilt die neue EU-Verordnung, und die schreibt vor, das Unternehmen sämtliche personenbezogene Datensätze noch besser gegen unbefugten Zugriff sichern müssen als bisher. Sie müssen überdies die Rechte der Kunden und Mitarbeiter besser wahren. Wenn mindestens zehn Mitarbeiter Kundendaten auf Tablet, PC oder Smartphone verwenden, muss ein Datenschutzverantwortlicher bestellt werden. Vor allem aber müssen die Unternehmen ihren Datenschutz noch besser dokumentieren – und bei Bedarf auch den Kontrolleuren nachweisen.

Im Fall von Verstößen drohen hohe Strafen

Der Aufwand dafür ist schwer zu beziffern. Grundsätzlich müssen aber so genannte Verfahrensverzeichnisse erstellt werden, in denen alle Prozesse dokumentiert werden, die die Daten durchlaufen. Es muss auch festgehalten sein, wann die Daten wieder gelöscht werden. Und die Landesbeauftragte für Datenschutz, Dagmar Hartge, lässt keinen Zweifel daran, dass Unternehmen diese Aufgaben ernst nehmen sollten. „Im Falle von Verstößen drohen künftig nicht nur höhere Schadenersatzforderungen, sondern auch wesentlich schmerzhaftere Bußgelder als bisher“, sagt sie. Wer erwischt wird muss mit Strafen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes rechnen. Es stehen sogar Millionenbeträge im Raum.

Jens Warnken bezeichnet die Verordnung deshalb auch als „das Damoklesschwert, das über der Wirtschaft schwebt“. Im Grunde hätten die Unternehmen freilich genügend Zeit gehabt, sich darauf einzustellen. Die Verordnung gilt bereits seit fast zwei Jahren, im Mai läuft die Übergangsfrist aus. Trotzdem haben sich noch längst nicht alle mit dem Thema beschäftigt.

Bernd Dieske etwa, Obermeister der Baugewerks-Innung Teltow-Fläming räumt ein, sich weder im eigenen Unternehmen noch mit anderen Innungsbetrieben bisher mit dem Thema befasst zu haben. Bei einem Sanitärbetrieb aus Zossen heißt es: „Wir sind ja nur ein paar Leute, und wir müssen schon so viele Verordnungen erfüllen. Wenn wir das jetzt auch noch machen sollen, dann kommen wir überhaupt nicht mehr zum Arbeiten.“

Ein Drittel hat sich noch gar nicht mit dem Thema befasst

Das deckt sich mit den Erfahrungen, die der Verband der Digitalwirtschaft, Bitkom, gemacht hat. Bitkom meldete erst vor wenigen Wochen, dass sich rund ein Drittel aller Unternehmen noch gar nicht mit der Verordnung befasst hat. Die meisten der von Bitkom befragten Unternehmen gingen davon aus, dass sie den Termin nicht einhalten werden. Der Aufwand sei schlicht zu groß.

Einfach sei es tatsächlich nicht, sagt auch Jens Warnken. Das fange schon der Frage an, was ein personenbezogener Datensatz überhaupt ist. Hinzu komme der organisatorische Aufwand. Es müssen Prozesse geprüft und Schulungen organisiert werden, Verantwortliche müssen bestimmt und weitergebildet werden. Airkom braucht auch einen Datenschutzbeauftragten, der wiederum als Arbeitnehmer bestimmte Sonderrechte genießt. „Das muss man sich alles überlegen“, sagt Warnken.

In den öffentlichen Verwaltungen sind die Aufgaben zum Teil sogar noch größer. In der Kreisverwaltung Teltow-Fläming etwa sind rund 1000 Menschen angestellt, die praktisch alle mit sensiblen Daten arbeiten. Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) spricht von „großen Herausforderungen“, die daraus resultieren. Schon seit geraumer Zeit sei deshalb der Datenschutz in ihrem Haus regelmäßig Thema in Dienstberatungen, es würden Prozesse auf den Prüfstand gestellt, es gebe regelmäßige Treffen für Interessierte und Ratsuchende und immer wieder neue Informationen im Intranet.

„Das betrifft alle, da kann sich keiner rausnehmen“

Heiko Vesper von der Handwerkskammer Cottbus betont aber, dass kleine Betriebe die Richtlinie genauso ernst nehmen müssen. „Jeder, der mit Kundendaten zu tun hat, muss sie umsetzten. Das betrifft also alle. Da kann sich keiner rausnehmen“, sagt er. Vesper hatte im Dezember eine Informationsveranstaltung für Handwerksbetriebe aus Dahme-Spreewald angeboten. Rund 30 Handwerker kamen. Für einen normalen Infoabend wäre das ein guter Schnitt. „Für dieses Thema ist das aber zu wenig“, sagt Vesper. „Datenschutz wird das wichtigste Thema im Jahr 2018 sein, da müssen wir mehr erreichen.“

Dabei wertet er Datenschutz auch als Qualitätsmerkmal. „Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Natürlich ist es eine zusätzliche Belastung, aber wir müssen mit der Zeit gehen, und es sollte im Interesse der Betriebe liegen, die Daten von Kunden und Beschäftigten bestmöglich zu schützen.“

Airkom-Chef Jens Warnken sieht das ähnlich – und er ist zuversichtlich, dass er in seinem Unternehmen die Richtlinie bis zum 25. Mai umsetzt. Möglicherweise werde er dazu allerdings eine externe Fachfirma beauftragen. Auch das sei schließlich möglich.

Von Oliver Fischer

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