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Dahme-Spreewald Flamingos jenseits des Flughafens
Lokales Dahme-Spreewald Flamingos jenseits des Flughafens
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18:25 13.08.2016
Flamingos stehen am Teich des Restaurante Albergo mitten in Schönefeld und erfreuen die Gäste. Quelle: Andrea Müller
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Schönefeld

Wenn Beate Nolte aus dem Fenster ihres Kosmetik- und Nagelstudios schaut, sieht sie direkt ins Grüne. „Es ist für mich der schönste Arbeitsplatz, den ich mir vorstellen kann“, sagt die junge Frau, die hier seit 13 Jahren direkt in der Dorfaue von Schönefeld den Kundinnen wahre Kunstwerke auf die Fingernägel zaubert. Sie wohnt nur um die Ecke – mitten im Ort, der weltweit für seinen Flughafen bekannt ist.

Der Blick von der Dorfaue zur Dorfkirche. Einfach hinüber gehen kann man nicht. Kirche und Dorf sind durch die Bahntrasse voneinander getrennt. Quelle: Andrea Müller

Draußen vor der Tür holpert ein Auto über das Kopfsteinpflaster. Am Ufer des dahinter liegenden Teiches haben die Enten eine kleine Ruhepause eingelegt. Manche verstecken den Kopf unter den Flügeln. Erst als sich eine junge Frau mit ihrem Hund nähert, treten sie unter wildem Flügelschlag die Flucht ins Wasser an. Weiter hinten arbeiten zwei Männer auf dem Dach eines alten Gebäudes. Mit großen Schaufeln kommen sie gegen den vielen Schutt da oben kaum an. „Das war hier die alte Disko zu DDR-Zeiten“, ruft der jüngere von beiden herunter. Der ältere kann neugierige Beobachter nicht aushalten. „Man muss aufpassen. Die klauen doch wie die Raben“, erklärt er. Seinem Hof aber fehlt das Tor. An der alten Scheune dahinter rankt sich Wein nach oben. Die Trauben sind noch grün, aber schon prall. Sie versprechen eine gute Ernte. Gleich daneben in der Nummer 16 an der Schönefelder Dorfaue steht eines der schönsten Häuser hier. Es ist von oben bis unten saniert. Besonders schön: Der Stuck an Fenster und Türen. Schräg gegenüber befindet sich ein Fachwerkhaus. Die Jahreszahl am Giebel verrät das Jahr seines Baus.: 1896.

Die marode Betonbrücke verbindet die beiden Hälften des alten Dorfes Schönefeld, das eigentlich nur wegen seines Flughafens bekannt ist. Quelle: Andrea Müller

Schönefeld ist tatsächlich ein altes Dorf. Seine erste Erwähnung geht auf das Jahr 1375 zurück. Damals hieß Schönefeld noch „Sconevelde“. Landesherrliche Einkünfte und Besitzungen mussten im Dorfregister aufgelistet werden. So findet sich „Sconevelde“ im Landbuch von Kaiser Karl IV. Die Besitzer von Schönefeld wechselten in den darauf folgenden Jahrhunderten mehrfach. 1566 war für die Schönefelder ein besonders schlimmes Jahr. Die Pest ging um. Der Ort verlor ein Viertel seiner Bewohner an die schreckliche Krankheit. Fast ein Jahrhundert später raubte der Dreißigjährige Krieg Menschenleben. Gab es 1624 noch zwölf Bauern und drei Kossäten, waren es 1648 nur noch zwei sogenannte Hüfner. Nach dem Krieg erholt sich der Ort. Und seit 1681 werden im Kirchenbuch Geburten, Hochzeiten und Beerdigungen erfasst. 1734 weist Schönefeld 128 Einwohner auf; 1910 waren es 580 Bürger. Heute sind es über 14 000 Menschen, die in der Gemeinde ihr Zuhause in sieben Ortsteilen haben.

Detail am Wegesrand: Wer seine Runde an der Dorfaue dreht, kommt auch an dieser alten Mauer vorbei. Ihr auffällige Bauweise zieht die Blicke des Besuchers auf sich. Quelle: Andrea Müller

Am 13. August 1961 wurde Schönefeld durch den Bau der Mauer von Berlin abgeschnitten und erhielt zahlreiche Befestigungs- und Absperrungsanlagen. Als Ersatz erhielt Schönefeld den S-Bahnanschluss. Die Trasse der Bahn wurde mitten durch den Ort gebaut und trennt bis heute die Dorfkirche vom Dorf. Eine marode Betonbrücke führt hinüber. Doch das „Übersetzen“ lohnt. Denn an dem kleinen Teich am Parkplatz des Restaurante Albergo stehen – man traut den Augen kaum – Flamingos. Wenige Meter weiter gibt es zwei Schönefelder „Urgesteine“: Den Bäcker Wolter, der seit 1939 seine Bäckerei hier am alten Dorfanger von Schönefeld hat. Gleich nebenan befindet sich die Fleischerei Palm. Sie gibt es hier schon seit 1895. Das Albergo wie die beiden Geschäfte liegen heute an der B96.

Die Teiche in der Dorfaue von Schönefeld ist beliebtes Ausflugsziel für Hundebesitzer und andere Spaziergänger. Es ist eine Idylle abseits des Airports. Quelle: Andrea Müller

Von hier bis zum Flughafen BER sind es nur wenige hundert Meter. Das Treiben dort mit Passagieren aus aller Welt interessiert hier kaum jemanden. Für die, die in der Dorfaue wohnen und arbeiten, sind die Züge, die alle paar Minuten vorbei rattern, wesentlich lauter als die Flieger. „Nur manchmal ist es wirklich laut von oben“ , sagt Rosemarie Stasch, die sich hier in der Dorfaue alle paar Wochen die Fingernägel aufpolieren lässt. Sie schaut dabei hinaus zu den Enten. „Was für eine Idylle hier“, sagt sie.

Von Andrea Müller

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