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Fleißig mit spitzer Feder

Karikaturist Horst Schrade übergibt Werk der "Cartoonlobby" Fleißig mit spitzer Feder

Im April wird Horst Schrade 90 Jahre alt. Noch immer malt der Karikaturist kleine fiese Comics. Die MAZ hat Schrade besucht und mit ihm über sein Leben geplaudert. Seine Comics werden nächstes Jahr in Luckau ausgestellt.

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Horst Schrade mit einem Porträt, das ihn als jungen Mann zeigt. „Ich war schöner als Horst Buchholz“, erklärt der 89-Jährige.

Quelle: Tanja Kasischke

Luckau. Auf zwei gerahmte Erinnerungen ist Horst Schrade besonders stolz, ein Schwarzweißfoto, das ihn als jungen Mann zeigt und eine Fußballurkunde, die seine Verdienste als Linksverteidiger würdigt. Erstaunlich genug für einen Karikaturisten mit Ego, einen wie Schrade, der von sich sagt er war „schöner als Horst Buchholz“, dass er erst an dritter Stelle über seine Zeichnungen spricht.

Ein halbes Dutzend Motive hat der ehemalige Hauskarikaturist des „Eulenspiegel“-Magazins behalten. Den Rest seines zeichnerischen Werks, „eine Menge“, vermachte er der Königs Wusterhausener „Cartoonlobby“. Die Bilder sind bereits in die Bestände des Vereins übergegangen. Im Januar will Geschäftsführer Andreas Nicolai eine Auswahl bei der dritten „Museumsreif“-Schau ausstellen. Die Reihe zeigt Neuzugänge der Sammlung im Museum für Humor und Satire Luckau.
Schrade, der dem Verein beigetreten ist, will seine Arbeiten zugänglich machen: „Ich will nicht, dass mein Werk in einem Archiv verschwindet.“ Deshalb fällte er „innerhalb von vier Tagen“ die Entscheidung, seine Bilder der „Cartoonlobby“ anzuvertrauen.

Im April 2014 wird Schrade 90. Und er kann nicht vom Stift lassen. Angela Merkels Wahlversprechen, die im Papierkorb verschwinden, werden genauso thematisiert wie der Syrien-Konflikt. Gefragt nach seiner politischen Position sagt Horst Schrade sehr direkt „links“. Obwohl seine Mundwinkel nach oben zucken, Schrade lacht viel, sind seine Aussagen ernst. Auch diese: „Ich bin ein Mensch, der immer arbeiten muss.“ Sie kommt wenig überraschend und beweist: Zeichnen hält ihn fit.

Harte Arbeit, geistige oder körperliche, war für Schrade nie ein Problem. Im Krieg heuerte er bei der Marine an und blieb anschließend noch einige Jahre bei der Handelsschifffahrt, ehe ihn das Heimweh überkam. Er wurde sesshaft – als Neulehrer für Zeichnen in Potsdam-Mittelmark, wo er auch seine spätere Frau traf. „Gezeichnet habe ich schon immer“, sagt er auf die Frage, wodurch sich die Wahl des Faches ergab, „seitdem ich einen Stift halten konnte.“ Am liebsten fertigte Horst Schrade Porträts, bis heute sei das so, „ich zeichne jeden, bis ich alle durch habe“.

Froh darum, an die Kunsthochschule Weißensee delegiert zu werden, übersiedelte er nach Berlin und kam nur noch wochenends in die Mark, zum Fußballspielen. Die Urkunde an der Wand stellte ihm der Sportverein Germania Falkensee aus. Nach dreijährigem Studium fing er als Pressezeichner beim „Eulenspiegel“ an. Daraus wurde ein Lebensengagement.
Drei politische Karikaturen pro Tag lieferte er, bald auch anderen Redaktionen. „Ich hatte viele Ideen. Morgens las ich die Tageszeitungen, um einen Eindruck von den Themen zu bekommen. Dann habe ich gezeichnet.“ Schrades Motive sind polemisch. Einen derart bissigen Humor traut man ihm gar nicht zu, das Alter tarnt. Auf seinen Bildern hocken dann aber abgemagerte farbige Kinder hinter einem Zaun, vor dem ein fetter Terrier sein Futter verspeist. Oder ein luxuriöses Stadthaus wächst aus einer Industriebrache empor, weil dessen Investor mehr zählt – und zahlt – als die Kita. Eine Mutter mit Kinderwagen steht auf verlorenem Posten vor der Baustelle. Er beginne den Tag noch immer mit der Zeitungslektüre, zeichne zwar weniger, aber regelmäßig.
Eine Neuerung ist hinzugekommen: Horst Schrade schreibt das Entstehungsjahr unter die Bilder jüngeren Datums. Ältere Motive signierte er nur mit „S“.

Von Tanja Kasischke

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