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Flüchtlinge laden zum Sommerfest

Waßmannsdorf Flüchtlinge laden zum Sommerfest

Kunterbunt statt grau – das war das Motto des Sommerfest in der Flüchtlingsunterkunft im Schönefelder Ortsteil Waßmannsdorf (Dahme-Spreewald). Bei Kinderschminken, Hüpfburg und einem internationalen Buffet konnten die Bewohner das graue Einerlei in der tristen DDR-Kaserne für einen Moment lang vergessen.

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Kunterbunt statt graues Einerlei auf dem ehemaligen Kasernengelände: Am Schminkstand herrscht großer Andrang.

Quelle: Josefine Sack

Waßmannsdorf. So kunterbunt und fröhlich geht es auf dem Hof der Flüchtlingsunterkunft an der Rudower Straße in Waßmannsdorf sonst wohl eher selten zu. Erst im vergangenen Jahr hatte selbst die Heimleiterin Doris Riedel zugegeben, dass sie sich für die „miserable Einrichtung“ schäme. Das Heim auf dem Gelände der früheren DDR-Grenzkaserne sieht schon von außen alles andere als einladend aus. Wohin man blickt: grauer Beton, bröckelnder Putz. Kein Wunder, dass die Bewohner und vielen Helfer zum Sommerfest am Donnerstag ordentlich in den Farbtopf gegriffen haben.

Mit einem Transparent am Eingangstor luden die Bewohner Passanten und Autofahrer in bunten Lettern zum gemeinsamen Feiern in ihrer Unterkunft ein. Großer Andrang herrschte am Schminkstand, wo sich einheimische und Flüchtlingskinder in Eisprinzessinnen, Schmetterlinge und Tiger verwandeln ließen. Und am Stand von Samira Besic von der Firma „Vermilion Energy“ konnten die Mädchen mit etwas Glück beim Griff in die Wundertüte Lidschatten in Pastelltönen gewinnen. Seit 2014 hat das kanadische Unternehmen seinen Sitz in Schönefeld und unterstützt – wie auch die Flughafengesellschaft – die Unterkunft in Waßmannsdorf mit Spenden und Spielgeräten.

Helfer werden mit Schicksalen konfrontiert

Eine andere Helferin, die in dem Heim ein- und ausgeht, ist Bettina Schlitt. Die 51-Jährige wohnt nur ein paar Schritte entfernt und greift vor allem den jüngeren Bewohnern unter die Arme. Seit gut zwei Jahren hilft sie den Kindern bei den Schulaufgaben. Insgesamt kommt sie viermal in der Woche. Die Begegnungen mit den Flüchtlingen haben ihr dabei geholfen, „den Hintergrund der Menschen, die zu uns kommen, besser zu verstehen“, sagt sie. „Gleichzeitig ist es eine enorme emotionale Belastung“, gibt Schlitt zu. Die einzelnen Schicksale zu erfahren, habe sie oft sehr berührt.

Bettina Schlitt und ihre Schützlinge Dinara, Samira und Sara (vl)

Bettina Schlitt und ihre Schützlinge Dinara, Samira und Sara (v.l.).

Quelle: Josefine Sack

Etwa das eines sechs Jahre alten Jungen aus Tschetschenien: „Er hat monatelang nicht gesprochen“, erzählt sie. Was dem Jungen Schreckliches widerfahren war, vermag Schlitt nicht zu sagen, doch irgendwann gelang es ihr, Vertrauen zu ihm aufzubauen. Mittlerweile spricht der Erstklässler wieder – und hatte bereits „tolle Erfolge in der Schule“, berichtet die Hausaufgabenhelferin stolz. Bettina Schlitt könnte sicherlich noch von weiteren Schicksalen ihrer Schützlinge berichten, doch nicht an diesem Donnerstag.

Historische Unterkunft

Das Asylbewerberheim im Schönefelder Ortsteil Waßmannsdorf ist eine der ältesten Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis Dahme-Spreewald.

200 Menschen aus 23 Nationen sind derzeit in der 1992 eröffneten Unterkunft untergebracht.

Das Haus 1 wird aktuell saniert. Das gesamte Gelände an der Rudower Straße 16/17 steht unter Denkmalschutz.

Zu DDR-Zeiten befand sich hier die Grenztruppenkaserne für zwei Kompanien des Grenzregiments 42.

Ängste und Sorgen rücken in den Hintergrund

Beim Sommerfest sollen die Heimbewohner ihre Ängste und Sorgen für einem Moment vergessen können, mit Einheimischen ins Gespräch kommen – ob beim Volleyball oder bei Kuchen und Leckereien aus aller Welt am Buffet.

Houda Ganom und Maleika Assakra haben mit Fleisch gefüllte Teigtaschen und Taboulé beigesteuert. Stundenlang haben die jungen Syrerinnen gekocht und gebacken, um den Gästen den Geschmack ihrer kriegsgebeutelten Heimat ein bisschen näherzubringen. Es ist ihnen gelungen – nach knapp einer Stunde sind beide Teller restlos leer.

Von Josefine Sack

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