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Fluglärm: Bürgerbegehren läuft schleppend

Gegen dritte Startbahn Fluglärm: Bürgerbegehren läuft schleppend

311 Mittenwalder haben bis Anfang November mit ihrer Unterschrift das Bürgerbegehren gegen eine dritte Stadtbahn am Flughafen BER unterstützt. Für Viara Schaale von der Bürgerinitiative „Leises Ragow“ ist das deutlich zu wenig. Sie klagt über Desinteresse und Unverständnis.

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Die Unterstützer des Bürgerbegehrens befürchten noch mehr Fluglärm, wenn eine dritte Startbahn kommt.

Quelle: Andrea Müller

Mittenwalde. Viara Schaale wünscht sich, dass die Menschen das Problem ernster nehmen. Sie ist Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Leises Ragow“, die das Bürgerbegehren gegen eine dritte Start- und Landebahn am BER unterstützt. Sie sammelt mit ihren Mitstreitern Unterschriften. 80 000 sind bis Mitte Februar brandenburgweit nötig, damit sich der Landtag erneut mit dem Thema befasst und – so die Hoffnung – die dritte Bahn ablehnt. In Mittenwalde haben zu Monatsanfang 311 Personen unterschrieben. Insgesamt sind es mehr als 16 000.

„Im Planfeststellungsbeschluss taucht die dritte Bahn nicht auf“, sagt Achim Lorber, der am 2. November für die Stadt Mittenwalde in die Fluglärmkommission berufen wurde. „Aber auf früheren Zeichnungen gibt es sie.“ Laut diesen Plänen verlaufe sie parallel und südlich zur heutigen Südbahn, weiß Lorber, der in Schenkendorf lebt und 30 Jahre als Fluglotse gearbeitet hat. Er hält eine dritte Startbahn für überflüssig und zu teuer. „Am Flughafen London-Heathrow, dem drittgrößten Airport der Welt, bewältigen sie mit zwei Bahnen 480 000 Starts und Landungen“, sagt er. Bei uns sind nur 360 000 Flugbewegungen vorgesehen. „Warum brauchen wir eine dritte Bahn, wenn noch Luft nach oben ist?“

So sieht es auch Viara Schaale, sie hat zudem ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Als sie 1997 mit ihrer Familie dem Lärm der Berliner Innenstadt entfloh, entschied sie sich mit ihrem Mann für Ragow. Bald darauf bauten sie ein Haus mit Ausblick auf weite Felder, der Flughafen war zehn Kilometer entfernt. Von der Nord- und Südbahn wären sie nach damaligem Stand nicht beeinträchtigt worden, die Flugrouten führten geradeaus. Was niemand wusste: Zu diesem frühen Zeitpunkt war den BER-Planern klar, dass es ohne die 15-Grad-Divergenz nicht geht. Das heißt: Wenn Nord- und Südbahn des BER parallel betrieben werden, um mehr Flugbewegungen zu ermöglichen, müssen die Flieger beim Start 15 Grad in Richtung Süden abschwenken. Später nannte man diese Route Hoffmann-Kurve. „Wir haben uns vor dem Hausbau bei der Stadt informiert, Pläne eingesehen, alles schien in Ordnung“, so Viara Schaale. 2010 dann der Schock. Die Deutsche Flugsicherung gab die neuen Routen bekannt, 2011 kam schließlich die Hoffmann-Kurve ins Spiel.

„Konsequenz ist, dass die Flugzeuge, wenn sie über Ragow fliegen, nur eine Höhe von 900 Metern erreichen. Der Lärmpegel wird bei 80 Dezibel liegen“, sagt Schaale. Diesen Wert misst man an einer Hauptverkehrsstraße. Bei 360 000 Flugbewegungen pro Jahr ist die Dauerbelastung in Ragow vorprogrammiert. „Wenn wir das früher gewusst hätten, hätten wir hier nicht gebaut“, sagt Viara Schaale.

Darum ärgert es sie, wenn sie bei Unterschriftensammlungen auf Desinteresse und Unverständnis stößt. „Manche glauben, der Flughafen werde doch nicht fertig oder es heißt: Die da oben machen sowieso, was sie wollen.“ Eine andere Gruppe hoffe auf den BER als Jobmotor. Das hält die Sprecherin der BI „Leises Ragow“ für ein Märchen. „Die Fluggesellschaften bringen ihre Arbeitskräfte mit, da werden nur wenige neu eingestellt“, sagt sie.

Fest steht: Kommt eine dritte Start- und Landebahn, wäre Mittenwalde mit seinen Ortsteilen ebenfalls betroffen. „Man müsste das Flugroutenkonzept ändern, in die Gebiete nördlich und südlich des BER würde mehr Luftverkehr und mehr Lärm getragen werden“, bestätigt Achim Lorber.

Darum wollen die Mitglieder der BI vor Weihnachten ihre Anstrengungen verstärken. Und Viara Schaale ist zuversichtlich: „Die Region um Schönefeld hat 160 000 Bewohner, wenn nur jeder zweite seine Stimme gibt, haben wir unser Ziel erreicht.“

Von Dietrich von Schell

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